Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Weitere Coronafälle im Haus St. Hedwig

Der Kreis Vechta meldet 17 Neuinfektionen: Darunter sind erneut 4 Pflegekräfte und 2 Bewohner des Vechtaer Hedwigstifts. Außerdem sind 3 Kindergärten und eine Schule betroffen.

Artikel teilen:

Nach dem Corona-Ausbruch im Vechtaer Altenpflegeheim Haus St. Hedwig meldet das Gesundheitsamt weitere Coronafälle in der Einrichtung. 4 Pflegekräfte und 2 Bewohner sind ebenfalls mit dem Virus infiziert. Das ist das Ergebnis einer erneuten Reihentestung der bisher nicht infizierten Mitarbeiter und Bewohner.

Insgesamt meldet die Kreisverwaltung mit Stand vom Freitag (9. Oktober, 16 Uhr) 17 bestätigte Neuinfektionen. Die Gesamtzahl der Fälle steigt auf 797 Personen. Neben dem Hedwigstift sind auch 3 Kindergärten und eine Schule von Neuinfektionen betroffen. Im Kindergarten Sonnenland in Neuenkirchen-Vörden ist eine Erzieherin positiv auf das Coronavirus getestet worden. Im städtischen Kindergarten in Vechta habe sich ein Kind infiziert. Und in dem Kindergarten St. Barbara in der Dammer Glückaufsiedlung eine Praktikantin. Die jeweiligen Gruppen und engen Kontaktpersonen werden nun in Quarantäne versetzt.

Bei der Schule handle es sich um eine Förderschule in Vechta, erklärt die Behörde. Dort ist ein Lehrer, der in einem benachbarten Landkreis wohnt, infiziert. Seine Klasse wird vom Gesundheitsamt in Quarantäne versetzt. Das Gesundheitsamt habe die Eltern bereits informiert. Die Kita- und Schulleitungen wollen alle Eltern und Mitarbeiter ebenfalls über die Vorkommnisse unterrichten.

Die 7-Tages-Inzidenzzahl für den Landkreis Vechta liegt derzeit bei 69,93. Die Anzahl der Genesenen ist im Vergleich zum Donnerstag um 4 Personen auf 644 gestiegen. 703 Personen befinden derzeit sich in Quarantäne – 116 weniger als gestern. Aktuell gibt es im Kreisgebiet 137 infizierte Personen. Diese verteilen sich auf folgende Orte:

  • 7 in Bakum
  • 13 in Damme (+5 Neuinfektionen im Vergleich zum Donnerstag)
  • 1 in Dinklage
  • 3 in Goldenstedt (+1, -1 Neuinfektion)
  • 8 in Holdorf (+1)
  • 11 in Lohne (+1, -2)
  • 9 in Neuenkirchen-Vörden (+1)
  • 5 in Steinfeld (-1)
  • 73 in Vechta (+8)
  • 7 in Visbek

Leitet das Gesundheitsamt Vechta: Sandra Guhe. Foto: DorgeloLeitet das Gesundheitsamt Vechta: Sandra Guhe. Foto: Dorgelo

Auf Nachfrage von OM online hat sich die Leiterin des Gesundheitsamtes Vechta, Sandra Guhe, Zeit genommen und einige offene Fragen beantwortet:

Wann fallen die Zahlen des Hedwigstifts Vechta aus dem bundesweit relevanten 7-Tages-Inzidenzwert des RKI?

Das ist am Samstag (10. Oktober) der Fall.

Wenn der Wert wieder unter 50 fällt, ist dann wieder alles gut?

Nein. Der Inzidenzwert kann schnell wieder die 50er-Marke überschreiten. Das haben wir beim Ausbruch im Hedwigstift vergangene Woche wieder gesehen. Die effektivste Strategie, um die Inzidenz im Landkreis Vechta niedrig zu halten, ist die genaue Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Dabei appellieren wir immer wieder an die Eigenverantwortung einer jeder Bürgerin und eines jeden Bürgers.

Wie viele der aktuell Infizierten zeigen tatsächlich Symptome?

Aktuell sind etwa 2 von 3 Infizierten symptomatisch. Dieses Verhältnis kann sich wieder ändern. Wegen des Ausbruchs im Haus St. Hedwig sind derzeit viele ältere Menschen im Landkreis infiziert. Sie entwickeln schneller Symptome.

Uns erreicht immer wieder die Frage, ob auch asymptomatische Personen ansteckend sind. Die Antwort lautet: Ja! Wer infiziert ist, aber keinerlei Krankheitsanzeichen hat, kann dennoch hochinfektiös sein. Deswegen müssen auch alle Infizierten 14 Tage in Quarantäne bleiben, selbst wenn sie sich fit und gesund fühlen. Der Zeitpunkt zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung mit den typischen Symptomen kann bis zu 14 Tagen dauern.

Wie steht das Gesundheitsamt zu den verkaufsoffenen Sonntagen, die etwa in Visbek und Dinklage anstehen?

Grundsätzlich gilt: Laut der Niedersächsische Corona-Verordnung hat jede Person physische Kontakte zu anderen Menschen, die nicht zu den Mitgliedern des eigenen Hausstandes gehören, auf das Notwendige zu beschränken. Aus infektionshygienischer Sicht stellen sämtliche Zusammentreffen mehrerer Personen bei Aktivitäten, in denen das Abstandsgebot nicht durchgehend eingehalten werden kann, ein höheres Risiko für eine Weiterverbreitung des Virus dar.

Am Donnerstag gab es kreisweit 18 Neuinfektionen. Bisher wird für den Kreis Vechta aufgrund der Fälle im Altenheim von einem "lokalen Ausbruchsgeschehen" gesprochen. Wann ist das nicht mehr der Fall?

Diese Schwelle ist dann erreicht, wenn wir die Infektionsketten nicht mehr nachvollziehen können und bei der Kontaktermittlung an unsere Grenzen stoßen. Derzeit kann das Gesundheitsamt alle Kontaktpersonen 1. Grades ermitteln und in Quarantäne versetzen. Die Wendung des "lokal eingrenzbaren Ausbruchgeschehens" bezog sich zudem in erster Linie auf die 50 Neuinfektionen im Hedwigstift am vergangenen Freitag. Wenn an einem Tag so viele Neuinfektionen gemeldet werden, muss geprüft werden, ob sich die Infektionen örtlich eingrenzen lassen oder nicht. Im Falle des Hedwigstifts war und ist das der Fall.

In der Schule, beim Einkaufen, beim Sport, im Job oder Bei Freizeitaktivitäten wie Kino oder Kneipe - wo stecken sich die meisten Menschen eigentlich an?

Die Ansteckungen kommen in erster Linie aus dem privaten Bereich. Das heißt: Innerhalb der Familie, im engeren Freundes- und Bekanntenkreis oder bei privaten Treffen. Gerade bei Neuinfektionen aus privaten Treffen erleben wir häufiger, dass mehrere Personen in geschlossenen Räum zusammengesessen haben und kaum Abstände eingehalten werden konnten. Zudem werden viele positiv, die das Gesundheitsamt bereits als Kontaktpersonen 1. Grades in Quarantäne versetzt hat. Das zeigt noch einmal, wie wichtig Kontaktermittlung und Quarantäne sind, um Infektionsketten zu unterbrechen.

Wird auch in St. Teresa nochmals getestet oder war das schon der Fall?

Die Testungen sämtlicher Pflegekräfte und Bewohner wurden nach Bekanntwerden der positiven Meldung einer Pflegerin am Montag (5. Oktober) unmittelbar am Folgetag mit negativem Ergebnis durchgeführt. Am Freitag (9. Oktober) erfolgte zudem eine erneute Testung von gezielten engeren Kontaktpersonen am 5. Tag in Quarantäne.

Im Netz wird spekuliert, das Gesundheitsamt könne Zettel ausstellen, auf denen Reisenden bescheinigt wird, dass das Geschehen im Kreis eingrenzbar sei, der RKI-Wert daher wenig aussagekräftig. Ist das korrekt?

Der RKI-Wert ist aussagekräftig. Allerdings bezieht er sich immer auf einen gesamten Landkreis, obwohl das Infektionsgeschehen innerhalb eines Landkreises von einer Kommune zur nächsten ganz unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Gestern gab es beispielsweise in Vechta 65 aktive Infektionen, in Dinklage jedoch nur eine. Das Land Baden-Württemberg hat das Beherbergungsverbot für Urlauber aus Corona-Hotspots aufgehoben, wenn nachgewiesen werden kann, dass es sich um ein eingrenzbares Infektionsgeschehen handelt. Diese Bescheinigung stellt das Gesundheitsamt aus. Aber nur bis zum Wegfall der Heimbewohner aus der Inzidenzrechnung, also bis zum 10. Oktober (Samstag).

Berlin, Frankfurt, München - die klare Mehrheit der Risikogebiete bundesweit sind aktuell Ballungszentren. Eine Ausnahme ist das Oldenburger Münsterland. Gibt es dafür eine Erklärung?

Ja. Es gab im Oldenburger Münsterland in den letzten zwei Tagen 2 große Ausbruchsgeschehen. Im Landkreis Vechta war es das Pflegeheim, im Landkreis Cloppenburg der Schlachthof in Emstek. Solche Ausbrüche können überall geschehen, wo Menschen eng zusammenleben oder arbeiten. Diese Entwicklung ist also nicht "OM-spezifisch". Inzwischen steigen leider auch in anderen Landkreisen außerhalb von Ballungszentren die Infektionszahlen.

  • Info: Das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes ist Samstag und Sonntag von 9 bis 12 Uhr unter 04441/898-3333 erreichbar. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten für einen Test beim Corona-Testzentrum des Landkreises unbedingt einen Nachweis über ihren Auslandsaufenthalt vorlegen müssen. Andernfalls kann der Abstrich nicht durchgeführt werden.

Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Weitere Coronafälle im Haus St. Hedwig - OM online