Landkreis Vechta passt seine Test-Strategie an
Die Region ist ein Corona-Hotspot mit Infektionen in Schulen und Heimen. Das Gesundheitsamt ändert deshalb die Vorgehensweise.
Giorgio Tzimurtas | 07.10.2020
Die Region ist ein Corona-Hotspot mit Infektionen in Schulen und Heimen. Das Gesundheitsamt ändert deshalb die Vorgehensweise.
Giorgio Tzimurtas | 07.10.2020

Bekämpfung der Pandemie: Testungen gelten als wichtiger Schlüssel. dpa/Becker
Schulklassen und Fußballmannschaften in Quarantäne, massenhaft Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 in einer Pflegeeinrichtung – der Landkreis Vechta ist zum Corona-Hotspot geworden. Die kritische Marke von 50 Inifizierten auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen ist überschritten. Diese sogenannte „Inzidenzzahl“ liegt aktuell (Stand Dienstagabend) bei 57,34. Unterdessen ist die Bevölkerung nicht nur wegen steigender Fallzahlen beunruhigt, es herrscht auch Verwirrung zur Test-Strategie. Besorgte Eltern berichten von unverhältnismäßigen Verzögerungen, bevor es zum Abstrich bei ihrem Kind kommen soll, dessen Klasse wegen eines Corona-Falls in Quarantäne ist. Auch Personen, die Symptome der Krankheit Covid-19 erkennen lassen, wundern sich, dass ihr Test erst Tage später ansteht. Was gilt hier eigentlich? Welche Test-Strategie verfolgt der Landkreis? Ist ein anderes Vorgehen angebracht angesichts der erhöhten Fallzahlen vor Ort? Antworten auf wichtige Fragen gibt die Leiterin des Kreis-Gesundheitsamts, Sandra Guhe. Ein Überblick: Grundsätzliche Test-Strategie: In Niedersachsen gilt laut Guhe grundsätzlich weiterhin, dass „im Regelfall nur symptomatische Personen getestet“ werden, die sich nicht bereits in Quarantäne befinden. Das erfolge zunächst durch den Hausarzt. Testungen von engen Kontaktpersonen: Im Gegensatz zum Vorgehen zu Beginn der Pandemie im Frühjahr hat sich hier die Strategie allerdings verändert. Getestet werden enge Kontaktpersonen in Quarantäne, auch wenn sie keine Symptome aufweisen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) spreche hier die Empfehlung aus, eine Testung der engen Kontaktpersonen „fünf bis sieben Tage nach Erstexposition“ (also wenn sie dem Virus zum ersten Mal ausgesetzt waren) vorzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt bestehe „die höchste Wahrscheinlichkeit für einen Erregernachweis“ auch bei Personen ohne Symptome. Ein negatives Ergebnis verkürze keineswegs die angeordnete Quarantänezeit der Kontaktperson, betonte Guhe. Und: werde eine Kontaktperson innerhalb von 14 Tagen symptomatisch, müsse eine weitere Abklärung durch den Hausarzt erfolgen. Angepasste lokale Test-Strategie: Abhängig von der Situation vor Ort und dem jeweiligen Inzidenzwert, werde „die lokale Teststrategie bezogen auf die aktuelle Lage intensiviert“, erklärt Guhe. Komme es zu einem „größeren Ausbruchgeschehen“ und damit auch zu einer höheren Zahl an Kontaktpersonen, werden in solch begründeten Fällen auch Personen ohne Symptome getestet. Insgesamt werde als Folge der gestiegenen Fallzahlen also vom Gesundheitsamt „eine deutlich höhere Anzahl“ der Testungen durchgeführt. „Testen ist ein essentieller Bestandteil einer umfassenden Pandemiebekämpfungs-Strategie“, betonte Guhe. Corona-Ausbruch in Gemeinschaftseinrichtungen: Treten Infektionen in Gemeinschaftseinrichtungen (Schulklassen, Kitas) auf, werden die engen Kontaktpersonen der Kategorie 1 nach RKI-Maßstäben (höheres Infektionsrisiko) in Quarantäne versetzt. Sie werden laut Guhe zudem am ersten Tag „sofort“ getestet, „um einen schnelleren Überblick“ über das Infektionsgeschehen in der Gemeinschaftseinrichtung zu bekommen. Das gelte gegebenenfalls auch im weiteren Umfeld bei Personen, die der Einrichtung zwar angehören, aber nicht als enge Kontaktperson in Quarantäne gehen. Sei keine sichere Zuordnung möglich, „werden ebenfalls großzügige Testungen durchgeführt“. Die engen Kontaktpersonen würden ein weiteres Mal an Tag fünf bis sieben der Quarantäne getestet – unabhängig von der Symptomatik. Das diene auch dazu, Infektionswege frühzeitig zu erkenn „und schnellstmöglich weitere Kontaktpersonen zu identifizieren“. Kapazitäten vor Ort: Nach Informationen von OM online gibt es Beschwerden und Hinweise von Eltern über unverhältnismäßige Verzögerungen bei der anstehenden Testung ihrer Kinder nach Corona-Fällen in der Schule. Auch symptomatische Personen wundern sich über einen späten Zeitpunkt des Abstrichs. Gibt es vor Ort Probleme mit den Test-Kapazitäten? Guhe antwortete: „Die Testkapazitäten sind zum jetzigen Zeitpunkt noch ausreichend.“ Sie betonte: Durch eine zeitnahe Testung und Diagnosestellung bei symptomatischen Covid-19-Verdachtsfällen können die Maßnahmen des Gesundheitsamtes wesentlich schneller greifen.“ Wenn also eine infizierte (ansteckende) Person unverzüglich isoliert werde, die engen Kontaktpersonen in Quarantäne versetzt werden und somit die Infektionskette schnellstmöglich durchbrochen werde. Corona-Ausbruch im St.-Hedwig Stift: Bindet das Infektionsgeschehen in der Pflegeeinrichtung zu viele Kapazitäten bei den Testungen? „Nein“, sagte Guhe. Mit der personellen Ausstattung „und dem mittlerweile eingespielten routinierten Vorgehen des Gesundheitsamtes“ lasse sich der Ausbruch „bislang beherrschen“. Die im Pflegeheim angeordneten erforderlichen Maßnahmen würden „engmaschig begleitet“. Sämtliche enge Kontaktpersonen der positiv getesteten Bewohner und Pflegekräfte seien zeitnah noch am vergangenen Freitag und Samstag vollständig ermittelt und in häusliche Quarantäne versetzt worden. Weitere Testungen seien neben der am Montag durchgeführten Reihentestung erforderlich, sagte Guhe. Konkreter Fall Overbergschule: Die Klasse 3c der Overbergschule ist samt der Lehrkräfte seit Samstag in Quarantäne. Das bestätigte Guhe gegenüber OM online. Die Testungen dieser engen Kontaktpersonen erfolge am heutigen Mittwoch, sagte sie unter Verweis auf die Vorgehensweise, am fünften und siebten Tag der Quarantäne Abstriche zu nehmen. Konkreter Fall Jugendfußballmannschaft in Langförden: Die Mannschaft ist nach Informationen von OM online seit Donnerstag in Quarantäne. Guhe erklärte auf Anfrage, die Mannschaft sei bereits am Montag getestet worden. Das Ergebnis: alle negativ. Zahl der Testungen: In der Woche vom 28. September bis zum 2. Oktober wurden laut Guhe vom Gesundheitsamt rund 500 Testungen durchgeführt (unter anderem im Testzentrum, an Schulen und im Pflegeheim). Am vergangenen Montag seien allein 320 Testungen erfolgt, bis einschließlich Dienstag seien es noch einmal 500 gewesen.Kontaktpersonen werden nach fünf bis sieben Tagen getestet

Auch Reihentestungen am ersten Tag sind erforderlich
Kapazitäten vor Ort reichen aus
Negative Testergebnisse bei Jugendfußballmannschaft
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