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Kreis sucht nach Infektionsquelle im Hedwigstift

Durch den Ausbruch in Vechta wird der kritische Wert im Landkreis überschritten. Weil sich der Bereich lokal eingrenzen lässt, werden die Regeln noch nicht verschärft.

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Diskutieren über das Geschehen: Erster Kreisrat Hartmut Heinen (von links), Stiftungsvorstand Peter Schulze und Landrat Herbert Winkel. Foto: M. Niehues

Diskutieren über das Geschehen: Erster Kreisrat Hartmut Heinen (von links), Stiftungsvorstand Peter Schulze und Landrat Herbert Winkel. Foto: M. Niehues

Zwei Betroffene liegen mit Atembeschwerden im Krankenhaus. Noch ist unklar, ob sich die Situation für die 48 anderen Infizierten möglicherweise auch verschlechtert. "Wir hoffen, dass es für alle glimpflich ausgeht. Ich habe ein gutes Gefühl", sagte am Freitag Sandra Guhe als Leiterin des Gesundheitsamtes. Da die Senioren alle als Risikokandidaten gelten würden, müsse auch mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes gerechnet werden.

Nach dem Corona-Ausbruch mit 50 Fällen im Vechtaer Hedwigstift stellte sich die Leiterin des Gesundheitsamtes am Freitagmittag an der Seite von Landrat Herbert Winkel, dem Ersten Kreisrat Hartmut Heinen und Peter Schulze, dem Stiftungsvorstand der St. Hedwig-Stiftung, im Vechtaer Kreishaus den Fragen von Journalisten. 

31 Senioren und 19 Mitarbeiter sind infiziert

Am Mittwoch bestätigte sich bei einer ersten Bewohnerin der Senioreneinrichtung der Verdacht einer Covid-19-Erkrankung. Auch eine Pflegekraft war betroffen. Nach Angaben von Guhe sind daraufhin alle Bewohner und Mitarbeiter am Donnerstag getestet worden – mit einem verheerenden Ergebnis: 31 Senioren haben sich mit dem Virus nachweislich infiziert, zudem 19 Mitarbeiter. Die Infektionen sind in drei verschiedenen Bereichen der Einrichtung aufgetreten. Auch die betroffenen Mitarbeiter haben in verschiedenen Teilen des Hedwigstiftes  gearbeitet. Betroffen sind zudem Alltagsbegleiter der Senioren. Nur die dementen Bewohner, die in einem anderen Gebäudeteil untergebracht sind, blieben bisher verschont.

Bei ihren Ausführungen zum Infektionsgeschehen: Sandra Guhe mit Hartmut Heinen (von links), Herbert Winkel und Peter Schulze. Foto: M. NiehuesBei ihren Ausführungen zum Infektionsgeschehen: Sandra Guhe mit Hartmut Heinen (von links), Herbert Winkel und Peter Schulze. Foto: M. Niehues

Neben einem Aufnahmestopp ist auch ein Besuchsverbot verhängt  worden. Das Gesundheitsamt hat nach Informationen von Sandra Guhe sofort veranlasst, die Infizierten von nicht betroffenen Bewohnern zu trennen und zu isolieren. Mitarbeiter wurden in Quarantäne gesetzt.  Zudem hat die Behörde die Kontaktermittlung aufgenommen. Noch ist unklar, ob es beispielsweise Verbindungen zu Schulkindern gab. In ihren Reihen hatte es jüngst ebenfalls Fälle gegeben.

"Die tatsächliche Trennung von Infizierten und Nichtinfizierten ist ganz wichtig", sagte dazu Harmut Heinen. Darüber hinaus  bezeichnete Heinen die Kontaktermittlung als "Instrument der Stunde". Zudem müsse periodisch immer wieder getestet werden. Er ist überzeugt, das Infektionsgeschehen so eindämmen zu können.

Mit schwerer Atemnot ging es in die Klinik

Peter Schulze zeigte sich erleichtert, dass keine dementen Bewohner seiner Einrichtung betroffen sind. Sein Hauptanliegen sei es jetzt, dafür zu sorgen, dass das Infektionsgeschehen auf andere Bereiche "nicht überschwappen kann." Erleichtert ist er auch, dass der Zustand der stationär untergebrachten Senioren im Krankenhaus derzeit stabil ist. Diese seien mit schwerer Atemnot in die Klinik eingeliefert worden.

Sieht noch keinen Grund für Verschärfung der Corona-Regeln im Kreis Vechta: Landrat Herbert Winkel. Foto: M. NiehuesSieht noch keinen Grund für Verschärfung der Corona-Regeln im Kreis Vechta: Landrat Herbert Winkel. Foto: M. Niehues

Wie Schulze weiter berichtete, sind die 19 betroffenen Mitarbeiter sofort aus dem Dienst herausgenommen worden. Er ist davon überzeugt, die Versorgung der Heimbewohner trotz des fehlenden Personals sicherstellen zu können. Sollte das nicht gelingen, habe das Marienhospital Unterstützung zugesichert. Wegen der Corona-bedingten personellen Belastung stehe das Hedwigstift aber vor einer "großen Herausforderung".

Aber auch Peter Schulze kann sich das Geschehen nicht erklären. "Es erschließt sich mir aktuell nicht, wie sich das Virus so schnell ausbreiten konnte", sagte er. Bereits im Frühjahr habe die Einrichtung Absperrungen geschaffen, um Kontakte der verschiedenen Hausgemeinschaften zu unterbinden. Das Hedwigstift sei vor dem Hintergrund der Corona-Gefahr bemüht gewesen, so kleingliedrig wie möglich zu arbeiten. "Wir hoffen, dass wir der Situation Herr werden", sagte Schulze.

Der Stiftungsvorstand erklärte aber auch, dass in der Senioreneinrichtung "in Gemeinschaft gelebt wird". Die Senioren würden zudem draußen spazieren gehen, Cafés in der Stadt aufsuchen oder Besuch empfangen. "Das können wir den Bewohnern nicht verbieten", betonte er. Sorge bereitet ihm vielmehr, dass die Bereitschaft Corona-Regeln einzuhalten, gesamtgesellschaftlich abnimmt. Im Frühjahr sei die Akzeptanz eine viel höhere gewesen. Landrat Herbert Winkel nahm das Geschehen zum Anlass, um die Bevölkerung erneut zum Einhalten der Corona-Regeln aufzufordern.

Der Landkreis teilte weiter mit, dass es 6 weitere bestätigte Neuinfektionen gibt. Diese Personen hätten sich bereits zum Teil in Quarantäne befunden. Die Gesamtzahl der Fälle im Landkreis steigt somit auf 728. Die Zahl der Genesenen steigt um 3 Personen auf 614. 

  • Info: Hier gibt es den Live-Ticker zum Nachlesen. Die aktuellen Zahlen zum Coronavirus im Kreis Vechta gibt es zudem hier.

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