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Manchmal klappt es mit der Rettung leider nicht

Kolumne: Für Igelmännchen „Linus" wird es keinen weiteren Sommer geben.

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Wohl noch nie ist es mir so schwergefallen, eine Kolumne zu schreiben. Einigen von Ihnen werden die Namen „Schlumpfinchen“ und „Linus“ etwas sagen. Ja, ich meine die kleinen stacheligen Freunde, die zum betreuten Überwintern in meinem Garten einquartiert sind. Nun muss ich leider sagen: waren. Zumindest was das Igelmännchen „Linus“ angeht.

„Linus“ war viel zu früh von dem Lärm der Motorsägen Ende Februar und Anfang März aufgewacht – danach ist er nicht wieder in den Winterschlafmodus gekommen. Dabei hätte er noch mindestens bis Ende April ruhen müssen. Die sommerlichen Temperaturen haben ebenfalls nicht dazu beigetragen, sondern eher das Gegenteil bewirkt.

So war „Linus“ häufig auch tagsüber in seinem Gehege unterwegs. Ja, er trank und fraß – Soldatenfliegenlarven und etwas Trockenfutter. Feuchtfutter sollte er noch nicht bekommen, um keinen Anreiz zu haben, wach zu bleiben – so wurde es mir gesagt. Und ich sollte nicht ständig auf die Kamera schauen, um mich nicht verrückt zu machen. Ich habe dann doch geschaut. Zumindest die Vorschaubilder, um zu sehen, ob „Linus“ weiterschläft. Es sah ganz danach aus und ich war erleichtert.

„Der kleine Kerl wackelte nun unsicher auf seinen kleinen Beinchen durchs Gehege.“

Dann schaute ich mir die Aufnahmen von den Tagen, an denen er zuletzt aus seinem Häuschen gekommen war, komplett an – und war entsetzt. Der kleine Kerl, der zuvor noch gut genährt und munter gewirkt hatte, sich immer mal wieder kratzte und bereits anfing, im Gehege zu randalieren, – sogar selbstständig einmal die Kamera ausgeschaltet hatte –, wackelte nun unsicher auf seinen kleinen Beinchen durchs Gehege. Außerdem war deutlich zu sehen, dass sein kleiner Körper an den Flanken eingefallen war.

Ich rief sofort die Igelhilfe an und schickte das Video. Dort wurde entschieden, dass ich „Linus“ aus seinem Häuschen holen und ihn zur Station bringen sollte. Als ich ihn herausnahm, schien es, als würde er tief schlafen. Ich setzte ihn in einen großen Korb und stellte ihm Wasser hin. Er entrollte sich und blinzelte mich an, als wolle er sagen: „Warum weckst du mich denn jetzt? Ich muss doch noch schlafen.“

Ich musste ein paar Stunden warten, bevor ich ihn in die Station bringen konnte. Unterdessen schaute ich immer mal wieder nach dem kleinen Igelmann, der mit knapp 100 Gramm im Herbst gefunden worden war und bald seinen ersten Sommer erleben sollte – in Freiheit. Mittlerweile lag er auf der Seite und bewegte nur ab und zu seine Pfötchen. Als er anfing, ungewöhnlich zu atmen, befürchtete ich das Schlimmste – und es trat ein.

„Linus“ hatte gerade einmal die ersten Sonnenstrahlen seines ersten Frühlings erlebt. Einen Sommer wird es für ihn nicht geben. Du fehlst mir, kleiner „Linus“. Ich hoffe sehr, dass „Schlumpfinchen“ den Sommer für dich mit genießen kann und es dir jetzt besser geht.


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Zur Person

  • Sonja Gruhn ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Der Kontakt zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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