Kettensägen-Trauma
Kolumne: Wenn Gartenbesitzer den 1. März nahen sehen, gibt es kein Halten mehr, um alles Holzige abzusäbeln. Und an Winterschlaf ist nicht mehr zu denken.
Sonja Gruhn | 08.03.2026
Kolumne: Wenn Gartenbesitzer den 1. März nahen sehen, gibt es kein Halten mehr, um alles Holzige abzusäbeln. Und an Winterschlaf ist nicht mehr zu denken.
Sonja Gruhn | 08.03.2026

Kolumne-Gruhn Sonja
Wenn kurz vorm 1. März die Kettensägen wieder lärmen… dann beginnt nicht nur bald die Brut- und Setzzeit. Dann ist es auch vorerst vorbei mit dem Schlaf. Natürlich nicht mit meinem, denn nachts geben Kettensägen schwingende Gartenbesitzer zum Glück Ruhe. Aber vielleicht ahnen Sie es schon. Um das Igelmännchen „Linus“ bei der geballten Gehörattacke im Winterschlaf zu halten, hätte es tresorähnliche Igelhäuschen bedurft. Und so hockte der kleine, stachelige Freund am Abend in seinem Überwinterungsgehege und blickte völlig verschlafen und desorientiert durch die Gitterstäbe. Es war einfach herzerweichend. Und mir kochte das Blut, denn ich hatte bereits befürchtet, dass die Igel massiv gestört werden. „Schlumpfinchen“ ließ sich aber glücklicherweise nicht blicken. Offenbar war ihr Laubkokon etwas schalldichter. Nun musste „Linus“ erst einmal versorgt werden. Also holte ich schnell einen Napf mit frischem Wasser und einen weiteren mit Soldatenfliegenlarven. Während er Letztere zunächst ignorierte, stürzte er sich umso gieriger auf das Wasser. Die Larven wurden dann im Laufe der Nacht aufgemümmelt. Allerdings zeigte „Linus“ mir nach 2 Tagen, was er davon hielt. Von wegen „Big Brother“! Allerdings zeigte „Linus“ mir nach 2 Tagen, was er davon hielt. Denn nachdem der kleine Igel jetzt etwas gestärkt war, ging es auch gleich wieder mit dem Randalieren und den Ausbruchsversuchen los. Dabei schaffte er es, den winzig kleinen Schalter der Kamera auf „Off“ zu schieben. Von wegen „Big Brother“! Allerdings bemerkte ich dies gleich am nächsten Tag und nun sah ich, dass er jede Nacht 2 bis 3 Stunden durchs Gehege strolchte. Dabei machte er kaum einen Schritt, ohne sich mit dem linken oder rechten Hinterbein zu kratzen. Auch die Flöhe waren wieder aufgewacht. Kein Wunder, dass an Schlaf vorerst nicht zu denken war. Dafür aber sammelte „Linus“ von dem verbliebenen Laub noch einiges auf – wahrscheinlich, um sein Häuschen schalldichter zu machen. Und dann – endlich – nach 4 Tagen blieb es ruhig im Gehege. Ich war erleichtert. Schließlich soll der Winterschlaf bis Ende April/Anfang Mai dauern, egal ob das Wetter derzeit meint, uns den Sommerbeginn vorgaukeln zu wollen, oder nicht. Ganze 3 Tage ging es gut. Dann meinten die Gartenbesitzer, dass das Wetter ideal sei, um die, dem Kettensägenmassaker zum Opfer gefallenen Äste mit selbiger motorisierter Kraft noch kleiner zu sägen, um sie als Brennholz aufstapeln zu können. Ich sage nur so viel: Die zusätzliche Schallisolierung mit Laub reichte nicht aus. „Linus“ ist wieder unterwegs – auch tagsüber. Anstelle von Frühlingsträumen hat er jetzt wahrscheinlich ein Kettensägen-Trauma.
Einziger Vorteil der Aktion war, dass ich keine Angst haben musste, ihn zu wecken, als ich die Kamera, deren Akku deutlich schwächelte, austauschte.Zur Person:
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