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Winterschlaf-Drama und Kapriolen

Kolumne: Igelmännchen „Socke“ kommt nicht zurück, „Linus“ schlägt Purzelbäume und „Schlumpfinchen“ ist es zu warm.

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Es ist einiges passiert seit meinem letzten Bericht über die Igel. Denn der kleine „Sockenschlumpf“ konnte leider nicht wie geplant zurück in sein Überwinterungsgehege in meinem Garten kommen. Sein entzündetes Auge war zwar schnell wieder geheilt, aber seine Gewichtsprobleme hielten an. Das ständige Zu- und Abnehmen brachte selbst die erfahrene Päpplerin beinahe zur Verzweiflung. Zum Wohle des Tieres entschlossen wir uns daher, dass „Socke“ zu einer anderen Päppelstation gebracht wird, die noch ein Außengehege frei hatte. Dort wird er nun unter fachkundigen Augen den Winter verbringen.

„Sockes“ Zuhause blieb aber dennoch nicht leer. Denn an seiner Stelle ist „Linus“ vor einigen Wochen mit gut 800 Gramm eingezogen. Da der kleine Igelmann in der Päppelstation offenbar keinen Snack ausgelassen hatte, war er etwas zu schnell gewachsen, sodass zwischen seinen Stacheln deutlich die Haut zu sehen ist, als hätte er viel zu wenige der kleinen Abwehrspieße. „Linus“ brauchte zwar ein Weilchen, um sich einzugewöhnen und stattete das zuvor von „Socke“ eingerichtete Häuschen noch einmal mit zusätzlichem Laub aus, zeigte aber weiterhin guten Appetit und entwickelte sich auch ansonsten erfreulich gut.

„Nun ist es nicht ganz so einfach, auf den drei verbleibenden Beinchen 800 Gramm durchs Gehege zu tragen, während das vierte Beinchen zum Kratzen in der Luft wedelt.“

Außerdem entpuppte sich „Linus“ als unfreiwilliger Komiker. Da er sich, wie Igel das häufig machen, immer mal wieder kratzte, aber offensichtlich keine Zeit dabei verlieren wollte, versuchte er dies beim Laufen zu tun. Nun ist es nicht ganz so einfach, auf den drei verbleibenden Beinchen 800 Gramm durchs Gehege zu tragen, während das vierte Beinchen zum Kratzen in der Luft wedelt. Und so schlug „Linus“ den ein oder anderen halben Purzelbaum. Auf dem Rücken liegend betrieb er dann weiter Körperpflege und leckte sich seine Pfoten. Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, als ich die Aufzeichnungen auf der Kamera sah. Denn dank dieser bleiben mir solche Kapriolen nicht verborgen.

Derweil hatte sich „Schlumpfinchen“ schon einige Tage nicht mehr blicken lassen und ich hegte die Hoffnung, dass sie nun endlich Ruhe gefunden hat und vom Frühling träumen kann. Pustekuchen.
Nach 11 Tagen wachte das Igelmädchen aufgrund der für Dezember absurd warmen Temperaturen wieder auf. Und auch „Linus“, der sich kurz zuvor zum Schlafen verabschiedet hatte, steckte seine Nase noch einmal nach Frühlingsluft schnuppernd aus dem Igelhaus. Das ist gar nicht gut.

Denn für den Winterschlaf reduzieren Igel ihre Körpertemperatur auf etwa 8 Grad Celsius und verringern ihren Herzschlag extrem. Dementsprechend kostet sie jedes Aufwachen sehr viel Energie. Wenigstens haben sie Trockenfutter und Soldatenfliegenlarven zur Verfügung – und zum Glück sind die Temperaturen jetzt auch wieder auf Winter eingestellt.


Zur Person:

  • Sonja Gruhn ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Der Kontakt zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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