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Gegen manche Gefahren helfen auch 8000 Stacheln nicht

Kolumne: Sein Bestand ist regional unterschiedlich gefährdet. Aber nicht nur Fressfeinde bedrohen den Igel.

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In Deutschland war er es im Jahr 2024, in der Schweiz und in Österreich ist er es in diesem Jahr: das Wildtier beziehungsweise das Tier des Jahres. Die Rede ist – wie sollte es momentan bei mir anders sein – vom Igel. Ich bin mittlerweile offenbar regelrecht „igelfiziert“.

Die in der Schweiz beheimatete Naturschutzorganisation Pro Natura hat dem Braunbrustigel jedenfalls den Titel verliehen – und leider nicht etwa deshalb, weil er so ein niedlich anzuschauender Geselle ist. Vielmehr bereitet seine Bestandsentwicklung Sorgen. Der Igel ist demnach auf der Roten Liste der Schweiz als „potenziell gefährdet“ eingestuft, während der Westigel laut Wikipedia in Gesamtdeutschland seit 2020 auf der „Vorwarnliste“ der Roten Liste gefährdeter Arten geführt wird. Dabei gibt es noch je nach Bundesland Unterschiede.

Obwohl ein erwachsener Igel bis zu 8000 (!) Stacheln trägt und sich zu einer stacheligen Kugel zusammenrollen kann, hat er doch ein paar Fressfeinde, und zwar Raubtiere wie Marder, Fuchs, Steinadler, Dachs und Uhu. Neben einigen Krankheiten stellen jedoch von Menschen gemachte Gefahren die größte Bedrohung für die kleinen „Heckenschweine“ (aus dem Englischen Hedgehog) dar.

„Zumeist werden die automatisch gesteuerten Halmrasierer in der Dämmerung betrieben, wenn der Igel aktiv ist.“

Allein in Deutschland werden laut Wikipedia Jahr für Jahr etwa eine halbe Million Igel im Straßenverkehr totgefahren. Und durch die zunehmende Anzahl der Mähroboter steigt die Zahl der durch diese schwer bis tödlich verletzten Igel. Denn zumeist werden die automatisch gesteuerten Halmrasierer in der Dämmerung betrieben, wenn der Igel aktiv ist. Was den Mähroboter angeht, besteht in meinem Garten zumindest keinerlei Gefahr. Bei uns wird tagsüber und teils noch mit der Sense gemäht. Zudem wohne ich nicht an einer viel befahrenen Straße. Allerdings ist das keine Garantie.

Nun aber müssen Igelmädchen „Schlumpfinchen“, das dann ja bald schon eher eine Igeldame sein wird, und Igelmännchen „Socke“ erst einmal gut ihren Winterschlaf überstehen. Hoffentlich wachen sie nicht zu früh wieder auf. Ende April/Anfang Mai dürften die Temperaturen passend sein. Dann müssen sich die beiden aber noch ein Weilchen gedulden, bevor sie in die weite Welt hinaus dürfen. Zunächst heißt es: mampfen, was das Zeug hält, um sich wieder auf das Vor-Winterschlafgewicht zu bringen. Bevor die Gehege aufgebockt werden können, um ihnen den Auszug zu ermöglichen, steht dann noch der Bau eines Futterhäuschens, das vor Ratten sicher ist, an.

Ganz ehrlich: Als ich im Oktober „Schlumpfinchen“ auf meiner Terrasse fand, ahnte ich nicht im Entferntesten, wie lange mich das Thema Igel beschäftigen würde. Doch ich freue mich, dass ich zwei von ihnen unterstützen kann und im Laufe der Zeit auch schon einiges dazugelernt habe.


Zur Person

  • Sonja Gruhn ist Redakteurin der OM-Medien.
  • Der Kontakt zur Autorin ist möglich unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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