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Zentralklinik Vechta-Lohne: Projekt wird neu aufgerollt

Auch das Krankenhaus Damme soll in das Konzept einer kreisweiten Versorgung integriert werden. Die Standortfrage ist weiter offen. Fest steht aber: Das Gelände der Liebfrauenschule wird es nicht sein.

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Schulgebäude wird nicht zur Klinik: Das Gelände der Liebfrauenschule neben dem St. Marienhospital in Vechta wird nicht überplant. Foto: Tzimurtas

Schulgebäude wird nicht zur Klinik: Das Gelände der Liebfrauenschule neben dem St. Marienhospital in Vechta wird nicht überplant. Foto: Tzimurtas

Der Plan zu einem Zentralklinikum Vechta-Lohne wird offenbar neu aufgerollt. Der Vorstand der Schwester Euthymia Stiftung (SES), Ulrich Pelster, erklärte am Mittwoch auf Anfrage von OM online, dass "ein Versorgungskonzept für den gesamten Landkreis" entwickelt werden soll. Am Dienstag sei der Vechtaer Kreistag über den Stand der Dinge zur Zusammenlegung der Krankenhäuser Vechta und Lohne informiert worden.

Die Fusion bleibe weiter das Ziel, sagte Pelster. Es gelte, "die medizinische Versorgung auf hohem Niveau fortzusetzen und gemeinsam mit einem Krankenhaus Damme die hervorragende Krankenhausversorgung im Landkreis sicherzustellen".

Fest steht nach Angaben von Pelster derweil: Eine Überplanung des Grundstücks der Liebfrauenschule (Ulf) in Vechta, das sich neben dem Marienhospital in der Innenstadt befindet, sei "nicht mehr vorgesehen".

Nur noch 2 Standorte in der Diskussion

Zu den weiteren möglichen Standorten für ein Zentralklinikum Vechta-Lohne gehören ein derzeit noch bewaldetes Areal nahe der B 69 im Süden der Kreisstadt und eine Fläche am Bergweg in Lohne. Laut Pelster laufen bereits die Arbeiten am Betriebs- und Organisationskonzept. Hierfür gibt es einen Antrag der SES auf Finanzierung an den Landkreis. Ein Architektenwettbewerb ist noch nicht in die Wege geleitet.

Aus Pelsters Worten lässt sich allerdings ableiten, dass es einen neuen konzeptionellen Ansatz gibt – insbesondere mit Blick auf die Einbindung des Dammer Krankenhauses St. Elisabeth, das erst vor wenigen Wochen in die Trägerschaft der SES übergegangen ist.

Forderung nach mehr Landesgeld für neue Strukturen

Das Konkurrenzprojekt im Landkreis Diepholz ist derweil fortgeschritten. Der Landkreis und der Klinikverbund Diepholz stellten in Twistringen den ersten und zweiten Preis des Architektenwettbewerbs für ein Zentralklinikum vor.

Das Land Niedersachsen hält einen Fördertopf für Klinikneubauten bereit, der etwa 400 Millionen Euro umfasst. Die SES hat einen Antrag auf Finanzierung eines Zentralklinikums Vechta-Lohne in Höhe von 220 Millionen Euro gestellt. Im Landkreis Diepholz soll ein Zentralklinik-Neubau in Borwede (zwischen Barnstorf und Twistringen an der B 51) entstehen. Außerdem gibt es ein Vorhaben in Georgsheil (Ostfriesland) und im Heidekreis.

Das Geld im Landestopf dürfte nicht für alle 4 Projekte reichen, weshalb sie in Konkurrenz um die Landesmittel zueinander stehen. Nach Angaben von SES-Vorstand Pelster waren sich beim nicht-öffentlichen Treffen des Kreistags "alle Teilnehmer (...) darüber einig, dass das Land Niedersachsen deutlich mehr Mittel für Strukturveränderungen im Krankenhausbereich zur Verfügung stellen muss".

Projekt des Landkreises Diepholz macht deutlichen Sprung nach vorn

Während im Landkreis Vechta neue Gedankenspiele beginnen und sogar die Standortfrage für das Zentralklinikum noch offen ist, hat das Konkurrenzprojekt im Landkreis Diepholz einen weiteren deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Denn: Wie der Neubau der Zentralklinik aussehen soll,  dazu gibt es nun ein klares Bild. Der Architektenwettbewerb ist am Mittwoch entschieden worden.

Der Landkreis und der Klinikverbund Diepholz stellten in der Aula des Gymnasiums in Twistringen den ersten und zweiten Preis vor. Beide Entwürfe können in Frage kommen – wobei der erstplatzierte als "klarer Favorit" gilt, wie der Diepholzer Landrat Cord Bockhop erklärte. Platz zwei gilt als "Alternative".

Insgesamt 12 Modelle seien von der Jury, darunter auch Vertreter des Landes, "durchgespielt und durchgesprochen" worden. Neben den beiden Siegerentwürfen, für die es ein Preisgeld von 100.000 (Platz eins) und 80.000 Euro (Platz zwei) gibt, seien noch zwei Entwürfe mit einer "Anerkennung" ausgezeichnet worden.

Platz eins belegte dieses Konsortium: Das Büro "Ludes Architekten – Ingenieure GmbH" aus Recklinghausen für die Generalplanung. Mit dabei sind die Firmen "Brandenfels Landscape + Environment" (Münster), "Passau Ingenieure" (Düsseldorf), "Sondermann + Möller" (Dorsten) sowie die "Rieke Planungsgesellschaft" (Frankfurt/Main).

Der Siegerentwurf: Das Gebäude des Modells vor dem Schild (1. Preis) zeigt das Zentralklinikum im Landkreis Diepholz. Die anderen Gebäude symbolisieren mögliche Zusatzbauten. Foto: TzimurtasDer Siegerentwurf: Das Gebäude des Modells vor dem Schild (1. Preis) zeigt das Zentralklinikum im Landkreis Diepholz. Die anderen Gebäude symbolisieren mögliche Zusatzbauten. Foto: Tzimurtas

Bei der Entscheidung für das Siegermodell gaben den Angaben zufolge unter anderem diese Gründe den Ausschlag: Das Gebäude – ein rechteckiger Rahmen mit einer Außenlänge von 145 Metern, der einen Gartenbereich umschließt – ist lichtdurchflutet (Fensterfassaden mit Holzrahmen) und hat eine spezielle Schichtung.

Dafür soll das Gelände, auf dem der Klinik-Neubau entstehen soll, ausgehoben werden, so dass ein tiefer liegendes Sockelgeschoss entsteht, über dem das Erd- sowie das erste und zweite Obergeschoss liegen. Der Bau wirke "luftig" und sehe "nicht aus wie ein Krankenhaus", sagte Uwe Lorenz, Geschäftsführer des "Klinikverbundes Landkreis Diepholz".

Die Notaufnahme samt Radiologie und Schockraum befinden sich im unteren Bereich (Sockelgeschoss), die insgesamt als die "medizinische Therapie-Ebene" gilt. Auch die Operationsräume, die Entbindung, die Intensivstation, der Herzkatheter und überhaupt alles rund um die Diagnostik seien hier untergebracht.

Der Haupteingang wiederum liegt im dadrüber befindlichen Erdgeschoss. Dort ist neben der Rezeption, Verwaltung und Caféteria auch der Bereich der Chefärzte, ebenso ist dort die Geriatrie (mit 52 Betten und eigenem Garten) untergebracht.

"Wir haben total kurze Wege."Uwe Lorenz, Geschäftsführer des Klinikverbundes Landkreis Diepholz

Im ersten Geschoss befinden sich "lauter Patientenzimmer" (Ein- und Zweibettzimmer), die alle "in die Natur rausgehen". Es gebe "einen hohen Komfort", sagte Lorenz. Die vier Stationen (mit je 39 Betten) gingen jeweils über Eck, wo sich auch die Pflegekanzel befinde. Auch im zweiten Geschoss sind Patientenzimmer. Die Bruttogrundfläche beträgt 40.700 Quadratmeter.

Mit Blick auf die innere Struktur sagte Lorenz: "Wir haben total kurze Wege". Und "das Tolle" sei, dass es im Innenbereich – innerhalb des Rechtecks – den begehbaren Garten gebe. Auf den Stationen gebe es "nur Pflege und Ruhe". Pflegedirektorin Brunhilde Ebenthal hob hervor, die Patienten könnten in einer "sehr naturbezogenen und lichtdurchfluteten Atmosphäre" genesen.

Ausstellung zum Wettbewerb vom 17. bis 21. August

Finanziell soll der Bau knapp unter 200 Millionen Euro liegen – so die Vorgabe für die Planungen. Landrat Bockhop hob hervor, dass auf dem Gelände in Borwede auch weitere Bauten – etwa für eine Apotheke und einen Kindergarten – möglich seien. Beim Modell seien dafür "Platzhalter" zu sehen.

Das Zentralklinikum soll die Krankenhäuser in Diepholz, Bassum und Sulingen ersetzen. Zu den Wettbewerbsbeiträgen ist eine Ausstellung vom 17. bis zum 21. August geplant.

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