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Kreismusikschule Vechta stärkt nach der Pandemie die musikalische Jugendbildung

Corona hat in der Kulturlandschaft Verwüstungen hinterlassen. Gleichzeitig hat die Pandemie Chancen geboten. Die Vechtaer Einrichtung hat Möglichkeiten genutzt, Projekte durchgeführt und gestartet.

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Das Projekt Sandkastenkurse übertraf die Erwartungen und soll nach den Sommerferien 2023 auf den gesamten Landkreis ausgedehnt werden. Fotos: KMS Vechta

Das Projekt Sandkastenkurse übertraf die Erwartungen und soll nach den Sommerferien 2023 auf den gesamten Landkreis ausgedehnt werden. Fotos: KMS Vechta

Die Pandemie hat in der Kulturlandschaft einschneidende und drastische Veränderungen zur Folge. Viele freiberufliche Kulturschaffende haben sich ein neues Betätigungsfeld gesucht. Die Konsequenz: der Markt für Musikpädagogen ist leergefegt. Die Schülerzahlen an den Musikschulen sind durch verschiedene pandemiebedingte Faktoren deutlich zurückgegangen. An der Kreismusikschule (KMS) Vechta werden aktuell 15 Prozent weniger Stunden unterrichtet als noch 2019. In konkreten Zahlen bedeutet dies: Anstatt etwa 800 Stunden pro Woche werden derzeit nur rund 700 Stunden gelehrt, berichtet Rainer Wördemann, der Leiter der KMS.

Die Kreismusikschule stemmt sich dieser Entwicklung entgegen und hat in einigen Bereichen ihr Angebot sogar erweitert. Zu nennen ist hier beispielsweise das Projekt „Sandkastenkurse“, welches die Erwartungen deutlich übertraf. Mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Startklar in die Zukunft“ des Landes Niedersachsen waren 40 Plätze bis Ende 2022 gesichert, um 4- bis 6-Jährigen den Einstieg in den Instrumentalunterricht zu erleichtern. Es meldeten sich aber 110 Kinder aus Vechta und Langförden an. Für diese frühkindliche Instrumentalbildung konnte die KMS die Oldenburgische Landschaft, die Bürgerstiftung Vechta und die Volksbank Vechta als Sponsoren gewinnen, so dass der kostenfreie Unterricht für alle bis Juli 2023 fortgeführt wird. Nach den Sommerferien soll das Angebot, dann allerdings kostenpflichtig, auf den gesamten Landkreis Vechta ausgedehnt werden. „Unsere Hoffnung ist, dass die Kinder langfristig Musik machen werden“, meint Johanna Möller von der KMS.

Junge Menschen erhalten professionelles Bandcoaching

Ebenfalls durch das bereits erwähnte Förderprogramm wurde das Projekt „Soundscapes“, in dem junge Musiker ein professionelles Bandcoaching bekommen, finanziert. Im Amateurbereich ermöglichte die KMS während der Pandemie 120 Teilnehmern D1-Kurse zu absolvieren und weitere 15 Musiker konnten eine Nachwuchsdirigentenausbildung wahrnehmen. „Da war Corona eine Chance“, sagt Rainer Wördemann. Ohne die Pandemie hätte die KMS nicht soviele Menschen erreichen können. 2022 ging auch die „Festivalwoche“ an den Start. Dort präsentierte die Bildungseinrichtung die gesamte Bandbreite ihrer Arbeit und der verschiedenen Formate, die diese bereitstellt. Die Premiere wurde gut angenommen, in 2023 soll es eine Wiederholung geben. Dann aber über den gesamten Landkreis Vechta verteilt.

Das JUSOM ist ein Auswahlorchester und musiziert auf höchstem Niveau.Das JUSOM ist ein Auswahlorchester und musiziert auf höchstem Niveau.

Neben diesen Maßnahmen hat die Kreismusikschule einige neue Veranstaltungen an den Start gebracht oder wiederbelebt. Die Spitzenförderung im Rahmen des Jugendsymphonieorchesters Oldenburger Münsterland wurde ausgebaut. In den kommenden Jahren werde gezielt Aufbauarbeit geleistet, um wieder mehr junge Musiker für das Auswahlorchester zu gewinnen. In den fünf Kitas der Gemeinde Holdorf findet nun die für Eltern kostenlose Musikalisierung „Wir machen Musik“ statt. Einmal in der Woche musizieren Kinder, Erzieherin und Lehrkraft der KMS miteinander. Finanziert wird dies über Landesmittel und Mittel der Gemeinde Holdorf.

Musikwerkstatt wird wiederbelebt

In Steinfeld wird die Musikwerkstatt wiederbelebt. Dabei handelt es sich um eine Erwachsenenbläserklasse, wie sie der Musikverein Oythe mit der „Oyther Tonleiter“ durchführt und die Nordallianz mit „Blecheinander“ plant. In der Steinfelder St.-Johannes-Schule wird es wieder eine Bläserklasse geben. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Jungen Orchester Damme.

Darüber hinaus gibt es Kooperationen mit der Christophorus-Kita in Sierhausen, um einen Auftritt beim Maifest 2023 vorzubereiten, sowie mit der Grundschule Rechterfeld. Die Schüler werden im Rahmen der Percussiontage im nächsten Jahr ein musikalisches Märchen einstudieren und aufführen. Für einige Projekte kam die Initiative nicht von der Kreismusikschule. Rainer Wördemann ist froh darüber, dass „wir als kompetenter Partner angefragt werden, aber gleichzeitig als kompetenter Partner Impulse geben“. Es sei ein gegenseitiges Miteinander.

Musik macht Spaß. Die Begeisterung vermittelt die KMS über ihre Arbeit im gesamten Landkreis Vechta.Musik macht Spaß. Die Begeisterung vermittelt die KMS über ihre Arbeit im gesamten Landkreis Vechta.

Zudem seien die Musikschulen im Landkreis enger zusammengerückt. Die KMS und die Musikschule Neuenkirchen-Vörden schreiben aktuell gemeinsam Stellen für Musikpädagogen aus. So können sie für Lehrkräfte ein attraktives Angebot schaffen – alleine wäre es wesentlich schwerer. Eine Zusammenarbeit, die die KMS mit der Musikschule Lohne bereits seit Jahren praktiziert. Die Pandemie hat zudem die Digitalisierung beschleunigt. Neben 25 Tabletts für Unterricht und Verwaltung konnte eine professionelle Videoanlage mit Schnittpult für die Aufnahme von Großveranstaltungen angeschafft werden. Weitere Anschaffungen, etwa im Audiobereich (Boxen, Mikrofone), sollen folgen, hängen aber von Förderern ab.

Ein großes Plus sind dabei die Vereinsmitglieder – also die Städte und Gemeinden des Landkreises Vechta sowie der Landkreis – die zur KMS stehen. Der Landkreis Vechta hatte während der Pandemie einen finanziellen Schutzschirm für alle Musikschulen im Kreis eingerichtet, der allerdings nicht in Anspruch genommen werden musste. Die Kreismusikschule konnte mit Kreativität und Ideenreichtum handeln, so Rainer Wördemann und ist sich sicher damit auch in Zukunft wieder für steigenden Schülerzahlen zu sorgen.

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