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Landwirte demonstrieren gegen Schließung

Die Schweinehalter machten am Freitagmorgen vor dem Landkreis in Meppen auf ihre Notlage aufmerksam. Der Sögeler Schlachthof soll am Sonntag den Betrieb einstellen.

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Stellt sich der Diskussion: Landrat Marc-André Burgdorf hörte am Freitagmorgen den Schweinehaltern vor dem Kreisgebäude in Meppen zu.   Foto: © Marco Schlösser (Nordwestmedia)

Stellt sich der Diskussion: Landrat Marc-André Burgdorf hörte am Freitagmorgen den Schweinehaltern vor dem Kreisgebäude in Meppen zu.   Foto: © Marco Schlösser (Nordwestmedia)

Emsländische Landwirte haben am Freitagmorgen vor dem Kreishaus in Meppen und vor Ort in Sögel gegen die Schließung des dortigen Weidemark-Schlachthofes demonstriert. Der Betrieb soll von Sonntag an für 22 Tage nicht mehr schlachten dürfen. Hintergrund sind zahlreiche Corona-Fälle unter den Mitarbeitern.

In aller Frühe fuhren die Schweinehalter mit ihren Traktoren vor den Amtsräumen des Landrates vor. Die Schließung des Schlachthofes stellt sie vor große Probleme, für die aktuell niemand eine Lösung parat hat. Die Bauern wollten nach eigenen Angaben mit der Aktion dem Landrat deutlich machen, welche Folgen die Entscheidung für  sie hat. „Wir bleiben schlicht und einfach auf  unseren Tieren sitzen“, sagte ein Demonstrant. Andere Schlachtbetriebe hätten nicht die Kapazitäten, die 15.000 Tiere, die normalerweise täglich in Sögel geschlachtet werden, zu übernehmen. Die Landwirte hofften, mit  ihrem Hilferuf etwas an der Entscheidung des Landrates zu verändern. Diese Hoffnung erfüllte sich gestern aber nicht.

Der Landkreis halte an der Schließung fest, erklärte ein Kreissprecher gegenüber OM online. Die Behörde befände sich aber laufend in Gesprächen mit der Unternehmensleitung. Dabei werde über Teilöffnungen gesprochen. Der Sprecher wollte  diese nicht ausschließen, sofern die Hygienekonzepte stimmten. Wann es dazu kommen könnte, war am Freitagmittag aber offen.

Schließung zunächst bis 3. November befristet

Wegen aktuell hoher Fallzahlen beim Unternehmen Weidemark in Sögel hat der Landkreis Emsland das Auslaufen des Betriebes verfügt, so dass die Schlachtung am Freitag und die Zerlegung am Sonntag enden und das Unternehmen dann vorübergehend schließt. „Diese Regelung ist wichtig, um zu vermeiden, dass es zu einer exponentiellen Verbreitung des Virus in der Belegschaft, aber auch außerhalb des Schlachthofes kommt“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Die Zahl der positiv getesteten Mitarbeiter im Bereich der Zerlegung stieg in den vergangenen Tagen kontinuierlich bis auf 112 laborbestätigte Covid-19-Fälle an. Die Schließung des Betriebs ist zunächst bis spätestens 3. November befristet vorgesehen. Wegen der räumlichen Trennung von Produktion und Verwaltung sind der Sicherheitsdienst und die Verwaltung von der Schließung ausgenommen.

In den vergangenen Tagen hatte das Unternehmen bereits unterschiedliche Maßnahmen umgesetzt, um die Infektionsketten zu durchbrechen. So wurden u. a. die Abstände zwischen den Arbeitskräften vergrößert und die Mitarbeiterzahl erheblich reduziert. Vor der Arbeitsaufnahme wurden Corona-Schnelltests durchgeführt.

Neben der vorübergehenden Schließung des Schlachthofes in Sögel  verschärfen auch die zurückgefahrenen Schlachtungen bei Vion in Emstek die Situation. Vom „Stau in den Ställen“ ist die Rede. Der Frust unter den Schweinehaltern ist entsprechend groß. Er schlage bei einigen in Verzweiflung um, beschreibt ein Viehändler aus dem Landkreis Cloppenburg die Gemütslage unter den Bauern. Sollte es zu keiner Entlastung kommen, könnten die Halter das Tierwohl nicht mehr gewährleisten. Ein Landwirt aus Cloppenburg berichtet OM online, dass unter seinen Berufskollegen inzwischen über Nottötungen diskutiert werde. Entsprechende Anträge liegen dem Cloppenburger Veterinäramt bislang aber nicht vor, erklärt Kreissprecher Sascha Rühl auf Nachfrage.

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