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„Alles, was Entlastung bringt, hilft uns“

Cloppenburgs Kreislandwirt Hubertus Berges fordert im Interview Schlachtungen auch am Wochenende. Corona sei zurzeit schlimmer für die Bauern als die drohende Afrikanische Schweinepest.

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In der Klemme: Weil gleich mehrere Schlachthöfe wegen Corona-Ausbrüchen nicht voll arbeiten können, haben Landwirte Probleme  beim Abliefern ihre schlachtreifen Schweine. Foto: Georg Meyer

In der Klemme: Weil gleich mehrere Schlachthöfe wegen Corona-Ausbrüchen nicht voll arbeiten können, haben Landwirte Probleme beim Abliefern ihre schlachtreifen Schweine. Foto: Georg Meyer

Was ist für Sie gerade schlimmer? Die Afrikanische Schweinepest oder Corona?

Momentan ist es tatsächlich die Pandemie. Auf die Schweinepest bereiten wir Landwirte uns ja schon seit einiger Zeit vor. Corona stellt dagegen inzwischen die Systemfrage.

Sie halten selbst Schweine. Vor welchen Problemen stehen Sie?

Als Landwirt kann ich zurzeit nicht sehr viel machen. Natürlich ist es jetzt wichtig, seine Schweine frühzeitig zur Schlachtung anzumelden, also vorausschauend zu arbeiten. Wirklich helfen kann das in der aktuellen Situation allerdings nicht. Dass es wegen der reduzierten Schlachtungen jetzt zu Staus in den Ställen kommt, hat aber auch mit den Abrechnungsmasken der Schlachtunternehmen zu tun.

Das müssen Sie erklären...

In den 1980er Jahren waren die Schweine bei der Anlieferung im Schlachthof noch deutlich leichter. Die Unternehmen haben aber die Preismaske, also die Spanne des optimalen Gewichtsbereichs, die ohne Abzüge bezahlt wird, kontinuierlich angehoben. Inzwischen wiegt ein geschlachtetes Schwein um die 99 Kilo, gut zehn Kilo mehr als vor 30 Jahren. Dürften die Schweine jetzt wieder etwas leichter sein, ohne dass es gleich zu Abzügen käme, wäre das ein Puffer, mit dessen Hilfe die Halter auch mal eine Woche ohne Ablieferung überstehen könnten.

Hubertus Berges. Foto: Thomas VorwerkHubertus Berges. Foto: Thomas Vorwerk

Die Menge an Schlachttieren bliebe aber. Vion in Emstek muss die Schlachtzahlen wegen der vielen Corona-Ausfälle halbieren, Weidemark in Sögel ist komplett geschlossen. Das Landvolk fordert derweil die Aussetzung von Schlachtobergrenzen. Wie soll das funktionieren?

Alles, was Entlastung bringt, hilft uns jetzt. Ob die Schließung des Schlachthofes in Sögel notwendig ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist aber wichtig, alle Kapazitäten zu nutzen. Die Schlachtunternehmen helfen sich in dieser Situation gegenseitig aus. Ich würde mir außerdem für diese Zeit die Aufhebung des Sonn- und Feiertagsverbots wünschen. Es sollte jetzt schnell alles versucht werden, um die Schlachtungen hochzuhalten. Dann muss eben auch mal ein Monat durchgemacht werden.

Befürchten Sie, dass Schweine demnächst massenhaft gekeult und in Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt werden müssen?

Das hoffe ich nicht und ich fände es auch nicht richtig, denn die Tiere sind ja gesund, das Fleisch ist in Ordnung. Mit der gleichen Frage sind wir auch bei der ASP konfrontiert. Mich ärgert es deshalb, wenn der Handel in Brandenburg zurzeit damit wirbt, kein heimisches Fleisch mehr zu vermarkten.

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