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Wallhecken: Oben lichter, unten dichter

Sie sind selten geworden, als Lebensraum für Wildtiere und Vögel aber von großem Wert. Bei ihrer Pflege kann man einiges falsch machen. Hermann Wreesmann zeigte, wie sich Fehler vermeiden lassen.

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Experte: Hermann Wreesmann erklärte den Teilnehmern, wie eine Wallhecke gepflegt werden muss. Foto: Meyer

Experte: Hermann Wreesmann erklärte den Teilnehmern, wie eine Wallhecke gepflegt werden muss. Foto: Meyer

Die Zeit läuft. Noch bis Ende Februar dürfen Wallhecken, Gebüsche und andere Gehölze beschnitten werden. Wie es richtig gemacht wird, erklärte  Hermann Wreesmann, Obmann für Naturschutz beim örtlichen Hegering, jetzt rund 20 Interessierten in Altenoythe. Sein Credo: "Oben lichter, unten dichter. Dann hat auch das Wild etwas davon."

Wallhecken waren über Jahrhunderte ein prägendes Landschaftselement im Norden. Sie dienten als Einfriedung, markierten die Grenze zwischen den Besitztümern und sorgten dafür, dass das Vieh dort blieb, wo es hingehörte. Inzwischen sind sie deutlich seltener geworden, weshalb die Restbestände unter strengem Schutz stehen.

Gepflegt werden müssten sie trotzdem, betonte Wreesmann. "Auch die Motorsäge kann der Natur etwas Gutes tun". Allzu aufgeräumt mag sie es aber nicht. Oft reiche es, Sträucher und Stämme auf halber Höhe anzuschneiden und danach einfach umzuknicken, erklärte der gelernte Gartenbauer. In Schleswig-Holstein werden Wallhecken deshalb auch "Knicks" genannt. Die Methode hat aus Sicht des Experten nur Vorteile. "Es weht nichts weg und die Stämme treiben schon bald wieder aus." Die Hecke verdichte sich außerdem wie gewünscht in Bodennähe und biete dadurch vielem, was kreucht und fleucht Deckung. 

Knick: Stämme und Sträucher können halb abgeschnitten liegen bleiben. So sorgen sie für einen dichten Unterbau. Foto: Meyer"Knick": Stämme und Sträucher können halb abgeschnitten liegen bleiben. So sorgen sie für einen dichten Unterbau. Foto: Meyer

Hasen und Rebhühner fühlen sich vor allem an den Heckenrändern wohl. Bei der Pflege sollte die untere Krautschicht belassen werden. Sie dient den scheuen Vögeln als Brutplatz. Zu den häufigsten Pflanzen zählen Haselnusssträucher,  der Weißdorn, die Schlehe, und die Brombeere. Für Rehe ist letztere im Winter wichtig, weil ihre Blätter besonders vitaminreich sind. Auch die Vogelbeere sieht Wreesmann gern, da sie aufrecht wächst und deshalb nur selten zurückgeschnitten werden muss.

Nichts in den Hecken zu suchen habe dagegen die Traubenkirsche. Das aus Amerika eingewanderte Rosengewächs sei ein Riesenproblem, weil es sich überall verbreite. "Es ist eine echte Pest. Die Samen sind 40 Jahre lang keimfähig", berichtete der Fachmann. Mindestens ebenso schlimm findet er den giftigen Kirschlorbeer. Gartenbesitzer entsorgen ihn oft achtlos in der Natur. Was das für Folgen haben kann, wurde in den vergangenen Tagen im Kreis Harburg sichtbar. Dort wurden mehr als 20 tote Rehe  entdeckt, die vermutlich Kirschlorbeer gefressen hatten. 

Auch Obstbäume als Zwischenpflanzen geeignet

Hermann Wreesmann rät deshalb zu heimischen Arten. Er hat auch nichts gegen Eichen, Pappeln und andere Bäume, obwohl die für die Tierwelt weniger wichtig seien. Die Bäume setzten sich ohnehin immer durch, sagte er. "Wenn wir gar nichts mehr machen würden, wäre Deutschland irgendwann wieder zu 90 Prozent von Wäldern bedeckt". Daher sei es auch nicht schlimm, den einen oder anderen Baum zu fällen. "Zumindest solche, die jünger sind als ich", befand der 63-Jährige.  Obstbäume würden das Nahrungsangebot zusätzlich erweitern. "Außerdem geben sie in der Blüte ein schönes Bild ab."

Großes Interesse: Mehr als 20 Landwirte, Jäger und Naturschützer nahmen an dem Lehrgang in Altenoythe teil. Foto: MeyerGroßes Interesse: Mehr als 20 Landwirte, Jäger und Naturschützer nahmen an dem Lehrgang in Altenoythe teil. Foto: Meyer

Generell rät Wreesmann, nicht zu ordentlich zu sein und den Strauchschnitt teilweise liegenzulassen. "Vieles erledigt sich von selbst. Wir machen das bei uns im Amt auch so", sagte der Behördenmitarbeiter selbstironisch. Die Teilnehmer ermunterte er, sich um den Erhalt der Kulturlandschaft zu kümmern. Er bedauerte allerdings, dass sich nur wenige Landwirte  am Wallheckenprogramm des Landkreises Cloppenburg beteiligt hatten. Das Programm musste deshalb wieder eingestellt werden.

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