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Teil-Schließung des Cloppenburger Kreißsaals sorgt für Empörung

Im Juli und August schloss die letzte Geburtenstation Cloppenburgs am Wochenende ihre Türen. Es folgte eine lebhafte Diskussion über die Zukunft des Kreißsaals, die bis heute anhält.

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Es war eine Nachricht, die in Cloppenburg eine Welle der Empörung auslöste: Am 28. Juni hatte das Cloppenburger St.-Josefs-Hospital bekannt gegeben, die Geburtenstation an den Wochenenden zu schließen.

2 Monate lang, von Juli bis August, war damit die letzte Geburtenstation des Landkreises 2 Tage pro Woche geschlossen. Denn bereits im Oktober 2021 hatte das Friesoyther Krankenhaus seine  Geburtenstation aufgegeben. In einem der geburtenstärksten Kreise Deutschlands standen schwangere Frauen fortan samstags und sonntags vor verschlossenen Türen. Sie mussten auf andere Kreißsäle ausweichen, zum Beispiel in Oldenburg oder Vechta.

Der Geschäftsführer des St.-Josefs-Hospitals, Andreas Krone, begründete die Teil-Schließung mit einem Mangel an Hebammen. Die verbleibenden Hebammen seien enormen Belastungen ausgesetzt, die Schließung an den Wochenenden sollte sie entlasten. Zudem seien die Leistungen in der Geburtshilfe nicht ausreichend finanziert.

Zu schlechte Bezahlung, mangelhafte Ausstattung

Nachdem die Schließung bekannt geworden war, stand das St.-Josefs-Hospital in der Kritik. Politiker forderten bessere Arbeitsbedingungen. So machte die Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (CDU) darauf aufmerksam, dass es unter anderem keinen externen Putzdienst gebe. Die Hebammen müssten neben ihrer eigentlichen Tätigkeit selbst sauber machen. 

Ratsherr und damaliger Landtagskandidat Jan Oskar Höffmann (SPD) bemängelte, dass die Hebammen zu schlecht bezahlt werden und mit einer mangelhaften Ausstattung arbeiten müssten. Auch bei einer Demonstration in der Innenstadt kritisierten Hebammen die schlechten Arbeitsbedingungen und die zu schlechte Bezahlung.

Archivfoto: HermesArchivfoto: Hermes

Im Kreistag entwickelte sich eine lebhafte Debatte über Ursachen und Folgen der Teil-Schließung. Im Fokus stand dabei auch Landrat Johan Wimberg (CDU). Er hatte von der Teil-Schließung des Kreißsaals aus der Presse erfahren müssen, wie er sagte. Wimberg habe aus der Schließung der Friesoyther Geburtenstation nicht die richtigen Schlüsse gezogen, kritisierte die SPD. Die Sozialdemokraten forderten vom Landkreis, mehr Mitspracherecht bei den Krankenhäusern einzufordern, zumal der Kreis jährlich Millionenbeträge in sie investiere. Um die Geburtenstation dauerhaft zu erhalten, müsse sie teilkommunalisiert werden. Die FDP forderte, dass Kreis und Stadt je einen Sitz im Stiftungsrat des Trägers bekommen müsse.

Hebamme: Schwangere werden verunsichert

Wimberg sah den Träger des St.-Josefs-Hospitals, die Schwester-Euthymia-Stiftung (SES) in der Verantwortung. Die Teil-Schließung der Geburtenstation sei nicht akzeptabel. Er forderte in Zukunft frühzeitiger über solche Entscheidungen informiert zu werden. Außerdem wies er darauf hin, dass im Landkreis Vechta Geburtshilfestationen auch in deutlich kleineren Häusern der Schwester-Euthymia-Stiftung aufrechterhalten werden können, während es in Cloppenburg nun Probleme gibt.

Als ein „Desaster“ beschrieb die Cloppenburger Kreisvorsitzende der Hebammen, Regina Peters-Trippner, die Teilschließung des Kreißsaales. „Schwangere verunsichert es stark, keinen planbaren bekannten Geburtsort zu haben“, sagte sie. Peters-Trippner forderte unter anderem eine 1:1-Betreuung durch Hebammen für Frauen mit regelmäßigen Geburtswehen.

Zudem wies auch sie auf die mangelhafte Finanzierung hin. Geburtshilfe könne nicht wirtschaftlich arbeiten, da sie zum großen Teil Sozialmedizin sei. Die Politik müsse Voraussetzungen schaffen, damit die Kliniken die Vorhaltekosten für das Personal im Kreißsaal refinanziert bekommen. 

Diskussion um Geburtshilfe dauert an

War die Teil-Schließung nur ein Vorbote für eine komplette Schließung der Cloppenburger Geburtenstation? Breher zeigte sich besorgt: „Es sind alarmierende Signale. Wir brauchen das Krankenhaus und ein klares Bekenntnis zur Geburtenhilfe“. Das Bekenntnis folgte prompt: „Wir wollen und werden die Geburtshilfe in Cloppenburg erhalten“, sagte der Vorstand der SES, Ulrich Pelster Anfang Juli.

Im September folgte schließlich wie angekündigt die Rückkehr in den Normalbetrieb. Vier neue Hebammen seien eingestellt worden, erklärte Geschäftsführer Krone. So habe das Krankenhaus die Situation der Geburtenhilfe stabilisieren können. Die Diskussion allerdings dauert an. Anfang des kommenden Jahres folgen weitere Gespräche zwischen Politik, Hebammen und Krankenhaus.

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