Pfennigfuchs in Champagnerlaune
Kolumne: Sich hier und da etwas zu gönnen, macht Spaß – und fühlt sich dennoch jedes Mal fies unvernünftig an.
Heiko Bosse | 03.04.2026
Kolumne: Sich hier und da etwas zu gönnen, macht Spaß – und fühlt sich dennoch jedes Mal fies unvernünftig an.
Heiko Bosse | 03.04.2026

Wir müssen heute besprechen, worüber man eigentlich nicht spricht: Können Sie gut mit Geld umgehen? Ich für meinen Teil bin mir so manches Mal nicht sicher und leiste mir hier und da Aussetzer. Beim Geld hört ja bekanntlich nicht nur die Freundschaft auf, sondern oftmals auch die Vernunft. Ich weiß, wovon ich spreche, sobald ich den Fuß in eine Parfümerie setze. 250 Euro für meinen Lieblingsduft? Eigentlich bekloppt, keine Frage. Doch dann habe ich „unser Mutter“ im Ohr: „Du rauchst schließlich nicht“, wusste sie uns Kinder schon früher zu motivieren, sich auch einfach mal was zu gönnen. Gleichzeitig bin ich gern sparsam, wo es vielleicht nicht unbedingt nottäte. Es fällt mir beispielsweise schwer, einen der Gummiringe aus der 3000er-Tüte wegzuschmeißen, nachdem er die Brotdose nicht mehr zusammenhalten muss. Also wird er in der Küche in Erwartung des nächsten Einsatzes über den Wasserhahn gestülpt. „Die Vernunft setzt aus, wo sie eigentlich gerade auf Hochtouren ruderte.“ Oder dieses Papiertaschentuch, das wohl jeder von uns in die Hosentasche steckt, sobald er essen, bummeln oder zum Zahnarzt geht. Man hat es dabei, benötigt es aber doch nie. Abends landet es dann auf dem Schreibtisch, um am folgenden Morgen in die nächste Buxe zu wechseln. Es wird von Tag zu Tag fransiger, aber es wegzuschmeißen, so ganz unbenutzt..? Gut kann ich's nicht. So ist man verschwenderisch im Großen – und kniepig im Kleinen. Warum ist das so? Vielleicht will man sich den einen oder anderen unvernünftigen Kaufrausch im Vorfeld autorisieren, indem man ja eigentlich immer ziemlich sparsam lebt. Viele Ehepaare kennen das – einer von beiden muss den bescheidenen Sparfuchs geben: „Schatz, du holst dir heute schön die neue Bluse für’n Sommer! Meine Unterhemden sind noch gut.“ Und so tragen wir Feinripp und Co. auf, bis aber auch wirklich gar nichts mehr geht und der Wind uns durchs Gebein fährt. Viele Männer fahren ja schon allein deshalb vorsichtig Auto, weil sie wissen, wie ihre Unterwäsche aussieht! Oder schauen wir in den Supermarkt: Ich entwickle Ehrgeiz beim Sammeln von Treuepunkten, kaufe Nüsse und Schokolade der Eigenmarke, steuere fremde, 10 Kilometer entfernte Märkte an, nur weil der Kaffee da diese Woche 2 Euro günstiger ist – um dann 3 Minuten später an der Kasse das Guthaben meiner Payback-Karte mit ’ner Flasche Champagner auf Null zu ziehen. Die Vernunft setzt aus, wo sie eigentlich gerade auf Hochtouren ruderte. Der große Karl Lagerfeld hat mal gesagt, man müsse das Geld zum Fenster rauswerfen, damit es zur Tür wieder reinkommen kann. Tja, vielleicht ist da was dran… Trotzdem: Ich persönlich würde dann und wann an der Windrichtung zweifeln – und fahre aus Gründen lieber weiter vorsichtig Auto. .Karl Lagerfeld lüftet die Kohle raus
Zur Person:
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