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Deutsches Risikogebiet? Fehlanzeige.

Drei Bundesministerien aktualisieren täglich ihre Liste und weisen Regionen im Ausland als Risikogebiet aus. Zuletzt Wien. Für das eigene Land gibt es diesen Begriff offiziell gar nicht.

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Abstrich genommen: Wer aus einem Risikogebiet im Ausland heimkehrt, muss sich testen lassen. Bei einem deutschen Risikogebiet sieht es anders aus - denn es werden gar keine definiert. Symbolfoto: dpa

Abstrich genommen: Wer aus einem Risikogebiet im Ausland heimkehrt, muss sich testen lassen. Bei einem deutschen Risikogebiet sieht es anders aus - denn es werden gar keine definiert. Symbolfoto: dpa

Tief rot steht er da - der Landkreis Cloppenburg auf der Niedersachen-Karte des Landesgesundheitsamtes. Mit einer 7-Tagesinzidenz von 46,9 ist der Kreis ein trauriger Spitzenreiter. Seit Monaten wurde nahezu beschwörend der Wert 50 als ominöse Grenze genannt. Die rückt jetzt in greifbare Nähe, sie könnte schon am Freitag überschritten werden. Und was passiert dann?

Die kurze Antwort: Erst einmal nichts. Die Cloppenburger Kreisverwaltung hat bereits betont, dass man mit der derzeitigen Allgemeinverfügung den dann notwendigen Maßnahmen vorgegriffen habe – zu einem Zeitpunkt, als die Inzidenzzahl noch unter 30 lag. Und dabei soll's auch erst einmal bleiben, unabhängig davon, ob die 7-Tagesinzidenz die Grenze überschreitet oder nicht. So oder so: Bis zum 30. September bleiben Sportplätze und Turnhallen dicht. Sportvereine  müssen ihren Spiel- und Trainingsbetrieb einstellen.

Diese Maßnahme scheint auch richtig. Die Entwicklung in der Stadt Löningen als Hotspot im Kreisgebiet nahm ihren Anfang mit einer Infektionskette bei der 1. Herrenmannschaft des SV Evenkamp. Coronafälle wurden in anderen Sportvereinen gemeldet – unter anderem auch bei den Handballern des TV Cloppenburg. Der Landkreis reagiert damit auf den Sport als einen der Schwerpunkte bei den Neuinfektionen 

Alkoholverbot und Kontaktbeschränkung in Würzburg

Dass der Landkreis genau dort ansetzt, ist nach Angaben der Kreisverwaltung mit dem Sozialministerium abgesprochen. Es soll also ein gezieltes Instrument sein, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Ähnlich agierten auch die Stadt und der Landkreis Würzburg. Dort ist zeitweise eine 7-Tagesinzidenz von über 57 gemeldet worden. Die Verwaltung reagierte mit einem abendlichen Alkoholverbot und Kontaktbeschränkungen. Die Infektionen sind dort mit einem Schwerpunkt im privaten Umfeld festgestellt worden.

Gelten Landkreise, die den Schwellenwert von 50 überschreiten, als Risikogebiet? Nein. Denn in Deutschland werden überhaupt keine offiziellen Risikogebiete ausgewiesen. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) auf Anfrage von OM online bestätigte, werden lediglich Risikogebiete im Ausland als Reise- und Sicherheitshinweis veröffentlicht. Die Einstufung erfolgt durch die Bundesministerien für Gesundheit, Inneres und das Auswärtige Amt. Die Liste der Länder und Regionen werde nur durch das RKI publiziert – auf die Entscheidungen habe man keinen Einfluss, erklärte eine Sprecherin am Donnerstag gegenüber OM online.

Nur Schleswig-Holstein weist inländische Risikogebiete aus

Ein Bewertungskriterium für die Ministerien ist dabei vor allem die 7-Tagesinzidenz. Wenn die über 50 liegt, erfolgt die Einstufung als Risikogebiet. Wie zum Beispiel jüngst die Stadt Wien. Eine inländische Bewertung wird durch die Ministerien allerdings nicht vorgenommen. Dementsprechend sucht man vergebens nach einer Liste mit deutschen Risikogebieten.

Einzige Ausnahme ist das Land Schleswig-Holstein. Dort greift das Gesundheitsministerium auf die Daten des RKI zurück. Reisende und Urlauber, die ihren Wohnsitz in einem Landkreis mit einer 7-Tagesinzidenz über 50 haben, unterliegen dort einer Meldepflicht beim Gesundheitsamt und sogar einer 14-tägigen Quarantäne. Kurzum: Es gelten quasi die gleichen Regeln wie nach dem Aufenthalt in einem ausländischen Risikogebiet. Aktuell weist das Land Schleswig-Holstein die Stadt Würzburg und den Landkreis Garmisch-Patenkirchen sogar offiziell als "Risikogebiet" aus.

In anderen Bundesländern gilt zwar ein Beherbergungsverbot für Deutsche, deren Landkreis den Grenzwert bei der 7-Tagesinzidenz überschritten hat, von einer Bezeichnung als Risikogebiet wird allerdings abgesehen.

Einen Kommentar zu dem Thema gibt es hier.

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