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Dem Grundwasser auf der Spur: Sperrwerk in Friesoythe nimmt Betrieb auf

Mit einem Sperrwerkprojekt erkunden Wasseracht und OOWV, ob sich in der Region ein nachhaltiges Wassermanagement etablieren lässt. Das erste Wehr ist jetzt in Betrieb gegangen.

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Sperrwerk im Friesoyther Moor: Martin Windhaus (Wasseracht), Elmar Preut (Landwirt) sowie Stefan Kraus und Uwe Sütering vom OOWV sind auf die Ergebnisse des Wasserprojekts gespannt. Foto: Stix

Sperrwerk im Friesoyther Moor: Martin Windhaus (Wasseracht), Elmar Preut (Landwirt) sowie Stefan Kraus und Uwe Sütering vom OOWV sind auf die Ergebnisse des Wasserprojekts gespannt. Foto: Stix

Wasser gibt es eigentlich genug unter den Äckern im Friesoyther Moor zwischen der Ellerbrocker Straße und dem Pehmertanger Weg. Es läuft nur immer dann weg, wenn die angrenzenden landwirtschaftlichen Betriebe Bedarf hätten. Mit einem Sperrwerkprojekt wollen die Friesoyther Wasseracht und der OOWV erkunden, ob und wie sich in der Region ein nachhaltiges Wassermanagement etablieren lässt. Bau- und Planungsphase ist jetzt abgeschlossen, das erste Sperrwerk in Betrieb.

Das Untersuchungsgebiet ist – wie die meisten landwirtschaftlichen Flächen der Region – von einem Netz an Gräben durchzogen, die vor etwa 50 Jahren angelegt wurden, um das Wasser aus dem Moorgebiet abzuführen. Heute stehen die Höfe vor der gegenteiligen Herausforderung: Im Sommer sinkt das Grundwasser so weit ab, dass erste Landwirte über Beregnungssysteme nachdenken. Ziel des Projektes ist es, das Grundwasser im Sommer so zurückzustauen, dass die Pflanzen auch in trockenen Zeiten genug davon haben.

Durchfluss kann in 10-Zentimeter-Schritten gesteuert werden

Nach langen Vorarbeiten, Untersuchungen zur Wasserqualität und einem aufwändigen Antragsverfahren entstand am Friesoyther Moorgraben ein eher unauffälliges Holzkonstrukt, mit dem der Wasserabfluss aus einem etwa 400 Hektar großen Gebiet bei Bedarf aufgestaut werden kann. Dicke Eichenbohlen halten das Wasser zurück, der Durchfluss kann in 10-Zentimeter-Schritten gesteuert werden, sodass der Rückstau sich auch in mehreren hundert Metern Entfernung noch am Grundwasserspiegel bemerkbar macht.

Das zumindest ist die Hoffnung des Projektteams um Wasseracht-Geschäftsführer Martin Windhaus. "Die Idee liegt an sich ja nahe", sagt er. "Aber es hat tatsächlich vor uns noch niemand gemacht." Zumindest nicht auf wissenschaftlicher Basis und mit penibler Datenerfassung. 9 Datenmesspunkte sind im Erfassungsgebiet verteilt, am Sperrwerk selbst misst ein Datensammler im 5-Minuten-Takt die Wasserhöhe im Staubecken auf den Zehntelmillimeter genau. "Schon beim Bau haben wir Veränderungen an den Messstellen bemerkt", sagt Windhaus.

"Wir gehen von einem positiven Effekt aus.“Uwe Süttering, OOWV

3 Jahre lang können Wasseracht, OOWV und ein beteiligtes Geoforschungsinstitut nun erfassen, wie sich das Wehr auf den Grundwasserhaushalt in der Fläche auswirkt. "Wir gehen von einem positiven Effekt aus“, sagt Uwe Süttering, Abteilungsleiter für Wasserbewirtschaftung und Wasserrechte beim OOWV. Für ihn wäre ein Erfolg des Projektes "ein wichtiger Beitrag für die Stabilisierung des Grundwasserhaushaltes und damit für eine sichere Trinkwasserversorgung", sagt er. Im besten Fall entfalle so die Notwendigkeit der Feldberegnung oder werde zumindest erheblich eingeschränkt.

Daten entscheiden darüber, ob weitere Sperrwerke sinnvoll sind

Martin Windhaus will die Entwicklung des Grundwasserspiegels jetzt zunächst einmal in Ruhe anhand der Messdaten beobachten und mit früheren Daten vergleichen. Niemand wisse, wie sich die Aufstauung in 300 oder 500 Meter Entfernung auswirke, sagt er. "Wir sammeln die Daten, und daraus entsteht dann ein hydrogeologisches Modell", erläutert er die nächsten Schritte. Anhand der Daten wolle man dann überlegen, ob man auch an anderen Stellen Stauwerke etablieren könne.

Landwirt Elmar Preut, der selbst Felder im Untersuchungsgebiet hat, ist sich da jetzt schon sicher. "Für mich ist das eine super Sache", sagt er. "Ich hab noch viele Stellen, wo man sowas noch hinbauen könnte." Denn das Problem sei in der Region weit verbreitet: "Wir haben so viel tolles Wasser, und es läuft uns einfach weg." Damit könnte, wenn die Daten es hergeben, bald Schluss sein.

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