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Corona-Mutationen: Das müssen Sie jetzt wissen

Die britische Variante des Coronavirus ist im Kreis Vechta mehrfach nachgewiesen worden. Doch was ist dieses B.1.1.7 und wann gibt es Hinweise, dass es sich um eine Mutation handelt?

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Symbolfoto: dpa

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Die ansteckendere Coronavirus-Mutation aus Großbritannien (B.1.1.7) ist viel stärker verbreitet als bisher gedacht. Das ist das Ergebnis einer Analyse von insgesamt 68 Proben, die das Vechtaer Gesundheitsamt bisher untersuchen ließ. Darüber informierten Landrat Herbert Winkel, Gesunheitsamtleiterin Sandra Guhe sowie der Erste Kreisrat Hartmut Heinen am Donnerstag bei einem Gespräch. Das müssen Sie nun wissen:

Was ist B.1.1.7?

Bei der Corona-Mutation B.1.1.7 handelt es sich um eine veränderte Variante des Coronavirus, die im Dezember 2020 zuerst in Großbritannien entdeckt wurde. Das Besondere: Nach derzeitigem Forschungsstand ist sie viel infektiöser, berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI). Das heißt, dass sich bei einem Kontakt mit Infizierten dieser Variante statistisch auch mehr Menschen anstecken als bei einem Kontakt mit Infizierten des ursprünglichen Coronavirus.

Zudem gibt es nach Angaben des RKI erste Hinweise, dass mit den Mutationen auch ein Anstieg von schweren Verläufen einhergeht. Damit gibt es in der Folge auch wahrscheinlich einer höheren Zahl an Todesfällen. Aber, Achtung: Die Datenlage ist begrenzt. Die Untersuchungen zu den Auswirkungen auf die Infektionszahlen und Krankheitsverläufe stehen gerade erst am Anfang – und werden derzeit ausweitet. Es ist also möglich, dass sich die ersten Hinweise nicht bestätigen.

Neben der britischen Variante gibt es auch noch eine in Südafrika entdeckte Mutation (B.1.351) sowie eine brasilianische (P.1). Bei dem veränderten Virus aus Südafrika gehen Experten ebenfalls von einer höheren Infektiösität aus, bei P.1 wird dies ebenfalls diskutiert. Beide Versionen wurden mit Stand vom 11. Februar aber bisher nicht im Kreis Vechta nachgewiesen.

Warum wird vor der britischen Variante gewarnt?

Das grundlegende Problem: Weil die britische Variante viel ansteckender ist, reichen auch nur wenige beziehungsweise flüchtige Kontakte, um weitere Menschen zu infizieren. Das bringt eine neue Dynamik in die Infektionslage, denn in kurzer Zeit infizieren sich viel mehr Menschen.

Das entspricht auch den Beobachtungen des Vechtaer Gesundheitsamts. Wie Sandra Guhe erklärte, gebe es ein Beispiel aus der Kinderbetreuung in Visbek. Nach einem positiven Coronafall haben weitere Test gezeigt, dass sämtliche Kinder der Gruppe sowie deren Eltern und die Kontaktpersonen infiziert sind. Guhe sprach von einer "neuen Dimension". Bisher hätten die Erfahrungen von Infektionen in Kitas gezeigt, dass nur wenige weitere Kontaktpersonen anschließend Corona-positiv sind. Kinder waren demnach kaum bis gar nicht betroffen. Hier habe sich die Situation "völlig geändert", sagte Guhe.

Wie viele Fälle wurden im Kreis Vechta bisher nachgewiesen?

Aufgrund der rasanten Ausbreitung des Virus wie in Visbek und gleichzeitig ähnlicher Beobachtungen bei anderen Infektionsherden hat das Gesundheitsamt zuletzt mehrere Tests zur Untersuchung eingeschickt. Von allen bisher 68 analysierten Proben waren bei 5 nicht verwendbaren 23 Fälle positiv. Darunter sind allerdings auch die bereits bekannten Mutations-Nachweise.

So war Anfang Januar die B.1.1.7-Variante erstmals bei 2 Reiserückkehren, die am 29. Dezember aus Großbritannien in den Landkreis zurückgekehrt waren, nachgewiesen worden. Im weiteren Verlauf hatte sich auch eine Kontaktperson dieser Reiserückkehrer bestätigt mit der Virusvariante angesteckt. Weitere Infektionen gingen von diesem Fall im Fortgang aber aufgrund der schnellen Isolierung nicht aus, betonte die Gesundheitsamtsleiterin. Anfang Februar lagen dann 2 weitere Nachweise vor: Dabei handelte es sich um eine Probe aus dem genannten Infektionsgeschehen in Visbek (die genannte Kindertagesstätte) sowie aus einem dynamischen Geschehen in Goldenstedt. Deshalb wurden weitere Proben der anderen Ausbrüche eingeschickt. Details zu dem Goldenstedter Fall nennt die Behörde nicht.

Wie stark ist die B.1.1.7-Mutation im Landkreis Vechta verbreitet?

Das lässt sich derzeit nicht genau sagen, dazu ist das Bild noch zu undifferenziert. Die eingeschickten Proben sind nicht repräsentativ, stellte Guhe klar. Allerdings lässt sich anhand der 23 Fällen bereits erkennen, dass das Virus im Kreis Vechta angekommen ist und deutlich stärker zirkuliert, als bisher gedacht. Darin waren sich auch die Vertreter des Landkreises einig. Die Mutationen sind bereits eine Ursache für den zuletzt starken Anstieg der Fallzahlen und somit der 7-Tagesinzidenz. Diese Entwicklung sei besorgniserregend, so Guhe.

Weitere Untersuchungen sollen nun das Lage-Bild konkretisieren und zeigen, wie stark die Verbreitung des Virus im Kreis Vechta ist. Der Landkreis Vechta habe hierfür bereits die Teststrategie geändert und ausgeweitet, heißt es aus dem Kreishaus.

Wann wird eine Probe auf eine Mutation untersucht?

Die 68 eingeschickten Proben sind keine Stichproben, erklärte Guhe auf Nachfrage. Vielmehr handelt es sich bei dem Großteil um gezielt ausgewählte Fälle, bei denen ein begründeter Verdacht auf eine Infektion mit Mutanten bestand. Das erklärt auch den hohen Anteil der bestätigten Nachweise an den eingeschickten Proben. Dieser liegt bei rund einem Drittel. Die Sequenzierung von solchen Verdachtsfällen ist dabei nach dem Robert-Koch-Institut eine von 2 wichtigen Säulen, um eine belastbare Datenbasis für die Beurteilung der Mutations-Verbreitung zu schaffen. Folgende Kriterien für begründete Verdachtsfälle weist das RKI im Infobrief 53 an die örtlichen Gesundheitsämter vom 22. Januar aus:

  • Reiseanamnese: Bei den Infizierten handelt es sich um Reiserückkehrer aus Ländern, in denen das Auftreten neuer Varianten bekannt geworden ist.
  • Verdacht auf Re-Infektion: Eine Person, die bereits als genesen und damit immun galt, hat sich erneut infiziert.
  • Unregelmäßigkeiten im Zuge Auswertung von PCR-Tests: Bereits bei dem üblichen Nachweis einer Corona-Infektion kann das Ergebnis der PCR-Auswertung den Laboren einen Verdacht liefern, das es sich um eine Mutation handelt. Die positiven PCR-Tests sind die Grundlage für spätere genauere Sequenzierung des Genoms. Es ist anhand der PCR-Auswertung demnach ein sogenannte "Typisierung" möglich. Für den finalen Nachweis ist aber eine Sequenzierung erforderlich.

Weitere Anzeichen für einen Verdachtsfall können sein:

  • Ein erhöhtes Übertragungspotenzial: Der Fall war selbst Kontakt eines anderen Verdachtsfalls bzw. eines bestätigten Mutations-Nachweises
  • Unerwartete Krankheitsschwere oder unerwarteter klinischer Verlauf
  • Impfdurchbrüche: Eine geimpfte Person erkrankt dennoch an der Krankheit Covid-19
  • Ungewöhnliches Ausbruchsgeschehen: Gibt es ein "super-spreading"-Ereignis oder infizieren sich etwa Kinder als Kontaktpersonen häufiger?
  • Vermutete zoonotische Infektion

Neben den Verdachtsfällen spielen als zweite Säule zufällige Stichproben-Analysen eine Rolle, um einen besseren Überblick über die zirkulierenden Varianten des Coronavirus zu bekommen. Nach der vom Bundesgesundheitsministerium erlassenen Coronavirus-Surveillanceverordnung (CorSurV) sollen dabei etwa die Labore von sich aus einen bestimmten Anteil zufälliger Proben analysieren oder einschicken. Ziel ist es, das je nach Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen zwischen 5 und 10 Prozent der positiven Fälle auf Mutationen untersucht werden.

Wie die Vechtaer Gesundheitsamtsleiterin am Donnerstag berichtete, kooperiert ihre Einrichtung bereits mit einem regionalen Labor, das seit Mittwoch selbst Mutations-Nachweise durchführen kann. Das Labor habe mit dem Start angefangen, diese Praxis umzusetzen.

Was heißt das nun für uns Bürgerinnen und Bürger?

Der dringende Rat der Behörde ist, sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten. "Gerade in Bereichen, in denen keine Maske getragen wird oder in Bereichen, in denen keine Masken getragen werden können, verbreitet sich die Virusvariante rasant, mitunter mit schwerwiegenden Folgen", sagte Landrat Herbert Winkel und ermahnte, auch das "Kontakthopping" zu vermeiden. Sprich: Wer sich mit mehreren Freunden über den Tag verteilt immer einzeln trifft, halte sich zwar formal an die Regel, führe diese aber ad absurdum.

Umgekehrt seien private Kontakte häufig die Indexfälle, die wiederum ein Infektionsgeschehen in verschiedenen Einrichtungen ausgelöst haben. Herbert Winkel: "Deswegen appelliere ich an alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises: Halten Sie sich streng an die vorgegebenen Regelungen und halten Sie weiterhin die AHA-Formel ein. Nur dann können wir alle dazu beitragen, dass sich die Mutation im Kreisgebiet nicht weiter verbreitet."


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