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Britische Corona-Mutation breitet sich rasant im Kreis Vechta aus

Das Vechtaer Gesundheitsamt hat 68 Proben auf mögliche Corona-Mutationen untersuchen lassen. Bei 23 wurde die britische Variante B.1.1.7 festgestellt. Der Inzidenzwert schnellt derweil in die Höhe.

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Coronaviren unter dem Mikroskop. Symbolfoto: dpa/Center for Disease Control

Coronaviren unter dem Mikroskop. Symbolfoto: dpa/Center for Disease Control

Der Landkreis Vechta ist inzwischen ein doppelter Corona-Hotspot. Denn: Die Fallzahlen sind seit Tagen wieder sehr hoch. Zudem breitet sich vor Ort die britische Mutation "B.1.1.7" des Virus rasant aus. Die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Sandra Guhe, spricht von einer "neuen Dimension" des Infektionsgeschehens im Vergleich zum Vorjahr.

Landrat Herbert Winkel kündigte gegenüber OM online an, das öffentliche Leben noch schärfer einzuschränken, wenn der Inzidenzwert "nachhaltig" über 200 liege. Was das in Tagen ausgedrückt bedeutet, darauf wollte Winkel sich nicht festlegen. Allerdings sagte er klar, er erwäge auch nächtliche Ausgangssperren nach dem Vorbild der Vorgehensweise in der Grafschaft Bentheim.

Mutante breitet sich mit enormer Geschwindigkeit aus

Im Landkreis Vechta liegt der Inzidenzwert (Infektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner) laut Landesgesundheitsamt (NLGA) aktuell bei 183,5. Das ist ein niedersachsenweiter Spitzenwert. Und auch bei der Anzahl der festgestellten Mutationen in der britischen Variante liegt der Landkreis vorn. Guhe berichtete es seien 68 Proben von PCR-Tests an Labore verschickt worden – darunter auch jenes der renommierten Berliner Charité-Klinik. Das Ergebnis: In 23 Fällen ist die Mutante B.1.1.7 festgestellt worden. 5 der eingesandten Abstriche seien nicht verwertbar gewesen. Dennoch gilt anhand der Befunde: Die Mutante breitet sich im Landkreis Vechta mit enormer Geschwindigkeit aus. Das sei "besorgniserregend". Um weitere Fälle vom B.1.1.7 aufzudecken, kooperiert das Gesundheitsamt unterdessen auch mit einem regionalen Labor.

Die mittlerweile ebenfalls bekannten Mutation aus Südafrika und Brasilien seien bislang vor Ort noch nicht festgestellt worden. Wie das niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) mitgeteilt hatte, lagen bis Mittwoch landesweit 259 Mutations-Nachweise vor – 258 mit B.1.1.7 und eine mit B.1.351 (südafrikanische Variante).

Die britische Mutation gilt als aggressiver als die ursprüngliche Form von Sars-CoV-2. Sogar flüchtige Kontakte könnten zur Ansteckung führen, sagte Guhe. Die Verbreitung sei insbesondere auf Orte zurückzuführen, an denen keine Masken getragen werden können, etwa in Einrichtungen der Kinderbetreuung. Das sei ein neues „Phänomen“, sagte Guhe. In einer Großtagespflege in Visbek sei ein „rasant schnelles Infektionsgeschehen“ festgestellt worden. Ähnlich sei es in Betreuungseinrichtungen in Lutten, Oythe und Dinklage gewesen.

Kreis hat als Reaktion die Tests ausgeweitet

Die Mutation gilt als eine wesentliche Ursache für den erneut starken Anstieg der Fallzahlen. Angesichts dieser Entwicklung seit Ende Dezember ist die Zahl der Abstriche erhöht worden. Im Januar wurden 1364 Testungen laut Guhe gemacht. Nun seien es allein vom 1. bis zum 8. Februar 2344 gewesen. Es würden nicht nur enge Kontaktpersonen auf das Corona-Virus getestet, sondern auch „sofort die ganze Umgebung“. Auch flüchtige Begegnungen führten zu einer Übertragung der Mutante. Als die Mitarbeiter des Gesundheitsamts festgestellt hatten, dass häufig die Kontaktpersonen von Kontaktpersonen eines Infizierten einen positiven Befund eines Corona-Tests hatten, habe sich der Verdacht aufgedrängt, dass vor Ort eine Mutation kursiert.

Ungewöhnlich im Vergleich zu den vorangegangenen Monaten sei auch gewesen, dass in der Gruppe der engen Kontakte bis zu neun von zehn Personen ein positives Testergebnis hatten. Insbesondere auch private Zusammenkünfte gelten als Infektionsquelle. In zehn Prozent der zuletzt identifizieren Neuinfektionen sei der Ursprung nicht nachzuverfolgen. Ansonsten gelte: „Wir können sehr gut nachvollziehen, wer mit wem Kontakt hatte“, sagte Guhe. So sei es kein unkontrolliertes Infektionsgeschehen – trotz vieler Herde. Der Landkreis verfolgt eine schärfere Strategie als bundesweit. So dauert die Quarantäne für Kontaktpersonen 14 Tage. Von der Möglichkeit, diese mit einem negativen Test nach 10 Tagen zu verlassen wird abgesehen.

200 Personen werden in Zusammenhang mit Arztpraxis untersucht

Der Fall eines Goldenstedter Arztes, der trotz Erkrankung mit Symptomen weiter behandelt haben soll, war derweil am Donnerstag Thema im Gesundheitsausschuss des Landtags in Hannover. Landrat Herbert Winkel bestätigte, dass das Gesundheitsamt mehr als 200 Patienten untersuche, die der Mediziner in dieser Zeit betreut habe. Das hatte der Leiter des Niedersächsischen Krisenstabs, Heiger Scholz, am Morgen im Gesundheitsausschuss berichtet.

Laut Scholz soll neben dem Hausarzt eine junge Mutter zur Verbreitung des Virus beigetragen haben, wie die Deutsche Presse-Agentur meldete. Die Frau hatte den Angaben zufolge nach einer Geburt – den Corona-Regeln entsprechend – nacheinander mehrere Freunde und Verwandte zu Besuch. Winkel warnte grundsätzlich vor der Gefahr der gestaffelten Kontakte über den Tag hinweg. Er appellierte eindringlich, dieses "Kontakthopping" zu vermeiden und sich an alle Regeln zum Schutz vor einer Ansteckung zu halten.


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