Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Arkeburg und Bredemeyers Hof befinden sich weiter im "Dornröschenschlaf"

Die Von-Döllen-Stiftung möchte mit den beiden Einrichtungen bis 2024/25 als außerschulischer Lernstandort anerkannt sein. Das Kinderprogramm soll im Sommer wieder stattfinden.

Artikel teilen:
Hoffen auf einen baldigen Neustart (v.l.): Peter und Petra Schaumlöffel sowie Heinz-Georg Lück. Foto: Heinzel

Hoffen auf einen baldigen Neustart (v.l.): Peter und Petra Schaumlöffel sowie Heinz-Georg Lück. Foto: Heinzel

„Wir sind immer noch im Dornröschenschlaf“, sagt Petra Schaumlöffel und zwar seit dem Frühjahr 2020. Es gab praktisch nur zwei Ausnahmen davon: Zum einen die Lesung von Felix Leibrock im August 2020 und zum anderen die Sommeraktionen „Schatzsuche bei der Arkeburg“ und „Backen auf Bredemeyers Hof“ in den Jahren 2020 und 2021. „Das waren die Renner“, sagt Petra Schaumlöffel, die für Termine und Organisation auf Bredemeyers Hof zuständig ist.

Die Pandemie bremst die "Anna-und-Heinz-von-Döllen-Stiftung" mit ihren Kulturdenkmälern in ihrer Entwicklung derzeit aus. Die Besucherzahlen lagen 2018 bei 300 Personen, stieg 2019 auf 2.000 Besucher und fiel praktisch 2020 und 2021 auf Null zurück. Ähnlich sieht die Entwicklung bei den Gästeführungen aus. Gab es 2018 vier Führungen in der Arkeburg und sechs Führungen auf Bredemeyers Hof stieg diese Zahl ein Jahr später auf 7 respektive 36 Führungen an. Bevor auch hier die Pandemie zuschlug. Neben den Führungen wird das Gebäudeensemble auch für Veranstaltungen wie beispielsweise Lesungen oder die beiden jährlichen Veranstaltungen – also Sommerfest und Weihnachtsmarkt – genutzt. Darüber hinaus können Interessierte die Räumlichkeiten mieten und für ihre Zwecke nutzen. Wobei aktuell nichts davon stattfindet.

Zuletzt war die Durchführung des bereits 2020 pandemiebedingt ausgefallenen Weihnachtsmarktes geplant. Traditionell findet der Markt immer am zweiten Adventswochenende statt. Das war bereits in den Jahren 2018 und 2019 der Fall. Die Absage Ende letzten Jahres traf die Verantwortlichen und Marktteilnehmer besonders hart. „Das war schon frustrierend“, sagt Peter Schaumlöffel, „da steckt so viel Arbeit dahinter.“ Alles war vorbereitet und organisiert gewesen. Die Plakate waren gedruckt und verteilt. Doch aufgrund der hohen Inzidenzzahlen konnte die Von-Döllen-Stiftung als Veranstalter die Durchführung nicht mehr verantworten.

Arkeburg und Bredemeyers Hof sollen außerschulischer Lernstandort werden

Zwar liegen Arkeburg und Bredemeyers Hof im „Dornröschenschlaf“, aber das betrifft nicht die Planungen und Arbeiten im Hintergrund. Mittelfristig sollen Arkeburg und Bredemeyers Hof zusätzlich zu einem außerschulischen Lernstandort werden. „Das ist unser nächstes Ziel“, sagt Petra Schaumlöffel. Hierzu wird gerade an einem pädagogischen Konzept gearbeitet und die weiteren notwendigen Schritte geplant.

Die infrastrukturellen Voraussetzungen seien in den vergangenen Jahren geschaffen worden. Gerade erst wurde im Mai 2021 die Rekonstruktion eines Sachsenhauses aus dem 8. Jahrhundert an der Arkeburg eingeweiht. Es ist angedacht, Schulklassen, die den Standort nutzen wollen, auf beide Orte aufzuteilen und nach der Hälfte der Besuchszeit den Lernort zu wechseln. Die Stiftung könnte sich hier durchaus eine Kooperation mit den Schulen in der Gemeinde vorstellen. Allerdings stehe man noch am Anfang der Planungen für den außerschulischen Lernstandort. Petra Schaumlöffel kann sich vorstellen, dass das Projekt bis 2024/25 realisiert wird.

Zustand 2015 nachdem das Gelände zugänglich gemacht worden.
Foto: Von-Döllen-Stiftung
Es war alles zugewuchert, bevor es an die Sanierung und Wiederherstellung ging. 
Foto: Von-Döllen-Stiftung
Mühle und Dampfkraftwerk.
Foto: Heinzel
Wagenremise und Steinbackofen. Letzterer eine Eigenentwicklung von Peter Schaumlöffel
Foto: Heinzel
Die Scheune stammt aus Aschen bei Diepholz und wurde 2018 in Goldenstedt wiederaufgebaut.
Foto: Heinzel
Rekonstruktion eines Sachsenhauses aus dem 8. Jahrhundert. Es wurde im letzten Jahr fertiggestellt.
Foto: Heinzel
Die größte Doppel-Ringwallanlage in Nordwestdeutschland wurde vor 1200 Jahren erbaut. (Hier eine Rekonstruktion)
Foto: Heinzel
Die heidnischen Sachsen unter Herzog Widukind bauten die Anlage zum Schutz gegen die Bedrohung durch die christlichen Franken unter Karl dem Großen.
Foto: Heinzel
Sommerfest auf Bredemeyers Hof: Es ist ein Backtag mit ökumenischem Gottesdienst. Soll eigentlich jährlich am Pfingstmontag stattfinden.
Foto: Von-Döllen-Stiftung
Die zweite jährliche Veranstaltung auf Bredemeyers Hof ist der Weihnachtsmarkt immer am 2. Adventswochenende. Er musste nach dem Start 2018 und 2019 in den letzten beiden Jahren abgesagt werden.
Foto: Von-Döllen-Stiftung
Ferienaktion auf dem Gelände des historischen Industriedenkmals in Goldenstedt.
Foto: Von-Döllen-Stiftung
Spanferkelessen auf Bredemeyers Hof (2019)
Foto: Von-Döllen-Stiftung

Die "größte Doppel-Ringwallanlage in Nordwestdeutschland" und das historische Industriedenkmal Bredemeyers Hof wurden ab 2015 saniert und rekonstruiert. Bei der Arkeburg fanden zwischen 2014 und 2017 archäologische Grabungen statt. Die Forschungsergebnisse wurden bei der Arkeburg in Szene gesetzt. So gibt es einen mit sechs Lehrtafeln versehenen Lehrpfad. Besucher werden hier darüber informiert, dass die Anlage vor rund 1200 Jahren gebaut wurde von den heidnischen Sachsen unter Herzog Widukind. Die Anlage diente dem Schutz vor der Bedrohung durch die christlichen Franken unter Karl dem Großen.

Motor und treibende Kraft dieser Entwicklung ist das Ehepaar von Döllen mit ihrer „Anna-und-Heinz-von-Döllen-Stiftung“, berichten Hans-Georg Lück und Peter Schaumlöffel. Beide sind von Anfang an als ehrenamtliche Helfer dabei und sitzen aktuell im Vorstand der Stiftung. Was hier entstanden ist, sei „einmalig für unsere Region“, meint Hans-Georg Lück. Beide Stätten wurden sozusagen parallel entwickelt und erforscht. Bredemeyers Hof wurde in der „Rekordzeit“ von 9 Monaten saniert und wieder hergerichtet, erzählt Peter Schaumlöffel. Dann waren die ersten Gebäude fertig. 2017 wurde die Wagenremise umgesetzt und verkürzt sowie der Backofen rekonstruiert. 2018 kam die Scheune hinzu. Sie wurde in Aschen bei Diepholz abgebaut und auf dem Gelände an der Huntestraße wieder aufgebaut.

Die Mühle samt Kesselhaus und Schornstein. Von hier aus wurde Goldenstedt anfangs mit Strom versorgt. Foto: HeinzelDie Mühle samt Kesselhaus und Schornstein. Von hier aus wurde Goldenstedt anfangs mit Strom versorgt. Foto: Heinzel

Der historische Gebäudekomplex steht auf einem 3.000 Quadratmetern großen Grundstück. Darauf steht eine Wassermühle (Turbinenhaus). Sie ist das älteste Gebäude auf Bredemeyers Hof und wurde vor dem 30-Jährigen Krieg (1618 bis 1648) erbaut. Der Speicher stammt aus dem Jahr 1722 und diente der Räucherung von Schweineschinken und Fisch, welcher dann in Hamburg und Bremen verkauft wurde. Mühle und Backhaus dienten der Versorgung von Goldenstedt und Umgebung. 1881 wurde das Dampfkraftwerk mit seinen beiden Kesseln und einem 17 Meter hohen Schornstein erbaut. Von dort aus wurde die Gemeinde später mit Strom versorgt. Für die Entwicklung Goldenstedts habe der Hof durchaus eine besondere Bedeutung, erklärt Hans-Georg Lück, der vor Ort auch Gästeführer ist.

Bredemeyers Hof versorgte Goldenstedt bis 1956 mit Strom

Bis 1956 wurden dort jährlich ca. 500.000 Kilowattstunden elektrische Energie erzeugt. Dabei wurden die beiden Kessel mit Kohle aus dem Ruhrgebiet betrieben, welche mittels Pferdewagen vom Goldenstedter Bahnhof an die Huntestraße transportiert wurde. 1957 übernahm dann die EWE die Energieversorgung von Goldenstedt. Die Hofanlage wurde im September 2017 eingeweiht und ist inzwischen auch eine „beliebte Fotokulisse“, berichten Hans-Georg Lück und Petra Schaumlöffel.

„Wir hoffen den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr veranstalten zu können.“Peter Schaumlöffel

Die Verantwortlichen würden sich freuen, wenn wieder Leben einkehrt an den beiden Kulturstandorten. „Wir hoffen den Weihnachtsmarkt in diesem Jahr veranstalten zu können“, sagt Peter Schaumlöffel, „die meisten Vereine haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.“ Auch die beiden Aktionen im Rahmen des Goldenstedter Sommerprogramms sollen wieder stattfinden. Es gibt zudem weitere Ideen, wie etwa „eine Sommernachtslesung bei der Arkeburg“. An eine Umsetzung kann aber erst nach dem Neustart, nach der Pandemie gedacht werden. Wann die Arkeburg und Bredemeyers Hof aus ihrem Dornröschenschlaf wieder erwachen, ist aktuell noch nicht abzusehen.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Arkeburg und Bredemeyers Hof befinden sich weiter im "Dornröschenschlaf" - OM online