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Arkeburg: Sachsenhaus öffnet für Besucher

Die Stiftungsinhaber Anna und Heinz von Döllen erweiterten in der Corona-Zeit das Angebot der Arkeburg. Nun lässt sich mehr erfahren über die Geschichte, die erst 2014 durch Grabungen erforscht wurde.

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Infotafeln wie diese können bald auch am Eingangstor bestaunt werden. Die Stiftungsinhaber Anna und Heinz von Döllen arbeiten unaufhörlich daran, die Historie der Arkeburg erfahrbar zu machen. Foto: Hahn

Infotafeln wie diese können bald auch am Eingangstor bestaunt werden. Die Stiftungsinhaber Anna und Heinz von Döllen arbeiten unaufhörlich daran, die Historie der Arkeburg erfahrbar zu machen. Foto: Hahn

Seit 1.200 Jahren gibt es sie bereits: die Ringwallanlage in der Goldenstedter Bauerschaft Arkeburg. Sie ist die größte Doppel-Ringwallanlage in Nordwestdeutschland und zählt zu den wichtigsten archäologischen Bodendenkmalen im norddeutschen Raum. Doch lange Zeit wusste kaum jemand etwas über die Geschichte der Arkeburg. Das Ehepaar Anna und Heinz von Döllen machte es sich mit ihrer gleichnamigen Stiftung zur Aufgabe, das zu ändern. Sie pachteten das Gelände und starteten ihr Projekt.

Zwangspause durch Corona für Bauarbeiten genutzt

Aktuell wartet das Ehepaar darauf, dass sich die Corona-Lage entspannt, damit wieder Führungen angeboten werden können. Die Wartezeit haben die Stiftungsinhaber aber sinnvoll genutzt und fleißig gebaut. Empfangen werden die Gäste neuerdings von einem neuen Eingangstor. In das Tor, das mit runden Holzbohlen in das Bild der historischen Anlage passen soll, werden bald Informationstafeln eingelassen.

Das Sachsenhaus von innen: Die Wände sind aus Lehm. Das Dach ist mit Reet gedeckt. Runde Holzbalken bilden das Gerüst. Foto: HahnDas Sachsenhaus von innen: Die Wände sind aus Lehm. Das Dach ist mit Reet gedeckt. Runde Holzbalken bilden das Gerüst. Foto: Hahn

Zudem wurde das Sachsenhaus fertiggestellt. Der Bau ist dem Stil nachempfunden, den die Sachsen im 8. Jahrhundert pflegten. So historisch korrekt wie möglich, versichern die von Döllens. Das ist ihnen wichtig. Die Wände und der Boden sind daher aus Lehm. Das Dach ist mit Reet gedeckt. 

"Als ich mich darüber informiert habe, sagte man mir: 'So große Flächen aus Lehm? Das hat noch nie jemand gemacht. Das geht nicht.'“ Heinz von Döllen ließ sich davon indes nicht beeindrucken. Auch dass sich keine Handwerker fanden, stoppte das Projekt nicht. Die von Döllens legten kurzerhand selbst Hand an; mit Erfolg. Das Sachsenhaus steht. Auch die neuen Tische und Bänke aus Holz fertigten die Stiftungsinhaber. Heinz von Döllen ist Zimmermeister, deshalb fällt ihm die Umsetzung nicht schwer. "Wir haben die Vorstellungen im Kopf – und umgesetzt werden kann es dann nur mit Handwerkskunst", sagt er.

In naher Zukunft soll noch ein Toilettengebäude im gleichen Baustil entstehen. Vor dem Sachsenhaus ist auch ein neuer Zaun entstanden, er ist aus Holz geflochten – wie damals üblich.

"Uns ist es wichtig, den Gästen die Stimmung und Erfahrungen der damaligen Zeit rüberzubringen, damit sie hier die Geschichte erfahren können.“Heinz von Döllen

"Uns ist es wichtig, den Gästen die Stimmung und die Erfahrungen der damaligen Zeit rüberzubringen, damit sie hier Geschichte erfahren können“, sagt Heinz von Döllen.


Heinz von Döllen wuchs in Goldenstedt auf und war schon früh von der Arkeburg fasziniert. "Als Kinder mussten wir zum Torfstechen ins Moor. Wir wussten von der Arkeburg, kannten aber die Geschichte nicht und durften auch das Gelände nicht betreten", erzählt er.

Arkeburg vor 1.200 Jahren als Wehranlage erbaut

Das Areal befindet sich bis heute im Privatbesitz einer Familie, die es bereits 1886 vom preußischen Staat geschenkt bekam – unter der Auflage, dass die Wallanlagen erhalten bleiben. Das Ehepaar hatte bei der Recherche zu der Geschichte der Arkeburg nicht viel gefunden und stieß deswegen ein Forschungsprojekt der Universität Vechta an. "Es war schwer die Zustimmung der Behörden für die Ausgrabungen zu bekommen. Nach deren Meinung haben wir mit den Ausgrabungen etwas zerstört“, erläuterte Heinz von Döllen. Letztendlich klappte es aber und ab 2014 wurde unter der Federführung von Professor Dr. Bernd Ulrich Hucker das Areal historisch und archäologisch erforscht.

Das Sachsenhaus von außen: Davor steht die 4,50 Meter große Abbild des Heerführers der Sachsen - Herzog Widukind. Foto: HahnDas Sachsenhaus von außen: Davor steht die 4,50 Meter große Abbild des Heerführers der Sachsen - Herzog Widukind. Foto: Hahn

Die Bodenproben wurden nach Wilhelmshaven geschickt, von da aus  weiter in ein polnisches Labor. Doch die Mühen haben sich gelohnt: Durch die Grabungen fanden die Experten heraus, dass die Arkeburg vor ungefähr 1.200 Jahren als Wehranlage von den Sachsen unter dem Herzog Widukind gebaut wurde. Die Anlage sollte offenbar als Schutz für 10. 000 Menschen vor Karl dem Großen dienen. Der Frankenkönig führte in den Jahren 772 bis 804 Kriegszüge gegen die heidnischen Sachsen, um sie zu christianisieren. Die Sachsen mussten sich unterwerfen und die Franken nutzten die Anlage vermutlich weiter.

Widukind – der Heerführer der Sachsen – wurde vor dem Ringwall der Arkeburg von den von Döllens verewigt. Die 4,50 Meter hohe Holzstatue wacht über die Anlage. Der Herzog gehörte damals einem einflussreichen westfälischen Adelsgeschlecht an. Nachdem er seinen Widerstand aufgegeben hatte, wurde er unter Beisein von Karl dem Großen zum Christen getauft.

Widukind wurde nach der Niederlage getauft

Alle Forschungsergebnisse der Grabungen sind auf dem Gelände der Arkeburg spannend aufbereitet, sodass jeder Spaziergänger sich informieren kann. An jeder der 6 Grabungsstellen stehen Informationstafeln.

Wer mehr erfahren möchte, kann geführte Begehungen buchen. Um den großen Gästegruppen bei den Führungen gerecht zu werden, suchen Heinz und Anna von Döllen nach Interessenten, die nach einer Schulung als ehrenamtliche Gästeführer aktiv werden möchten.

  • Info: Gästeführungen lassen sich vereinbaren unter: 0174/3157985. Interessenten, die Gästeführer werden möchten, können sich melden unter: 0172/3610180. Mehr zu Arkeburg findet sich hier

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