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Felix Leibrock hält ein Plädoyer für Literatur

Der Seelsorger der Bayrischen Bereitschaftspolizei stellt auf Bredemeyers Hof in Goldenstedt zwei Bücher vor. Dabei geht es um die 18-jährige Selma.

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En guter Geschichtenerzähler: Felix Leibrock. Fotos: Heinzel

En guter Geschichtenerzähler: Felix Leibrock. Fotos: Heinzel

„Ein Affe saß auf einem Baum und warf einem weisen Mann eine Kokosnuss an den Kopf“, erzählte Felix Leibrock während seiner jetzt stattgefundenen Lesung auf Bredemeyers Hof in Goldenstedt. Nur um sich zu unterbrechen und direkt die Frage zu stellen: Wie hätten sie reagiert? Die Antwort der Besucher lautete: die Kokosnuss zurückzuwerfen.  Das sei eine typische Reaktion, meinte der Pfarrer, der Geschäftsführer des evangelischen Bildungswerkes und Seelsorger bei der Bayrischen Bereitschaftspolizei ist. Seine Polizeischüler würden regelmäßig ähnlich reagieren. Doch diese Metapher von Anthony de Mello gehe so weiter: „Der Mann hob die Kokosnuss auf, trank die Milch, aß das Fruchtfleisch und machte aus der Schale eine Schüssel.“

Für Felix Leibrock beinhalten diese zwei Sätze eine seiner zentralen Botschaften: Eine neue Perspektive einnehmen und aus etwas vermeintlich Negativen etwas Positives zu machen oder anders formuliert: wie man mit einem Schicksalsschlag umgehen kann.
In seinen beiden Büchern, die er in Goldenstedt vorstellte, geht es um Selma, eine 18-jährige Abiturientin, die durch einen Unfall ihr Augenlicht verliert und Stalter, der in die Obdachlosigkeit absinkt. 

Die Lesung veranstalteten die Anna-und-Heinz-von-Döllen-Stiftung, Elisabeth Vatterodt und die Katholische Öffentliche Bücherei Goldenstedt. Für das Werk mit Selma als Protagonistin - „Wenn der Sommer kommt, tanzen die Träume. Eine Erzählung für Hoffende“ - war es die Deutschlandpremiere.

Selma findet nur mühsam einen Weg zurück ins Leben, den sie sich hart erkämpft. Dabei sind ihr die Gespräche mit Bewohnern eines Altenheims eine große Hilfe, denn über diese findet sie Antworten auf Fragen, die sie quälen. Aus jeder der fünf Unterhaltungen nimmt sie drei Leitsätze nimmt, so dass am Ende des Buches sozusagen 15 Lebensweisheiten stehen. Für Leibrock ist es ein „Mutmacherbuch“. Das Schöne an seiner Hilfestellung ist, dass sie nicht theoretisch ist, sondern plastisch und greifbar wird, indem Felix Leibrock konkrete Lebensbeispiele beschreibt. Er nennt es die „Weisheit der Alten“.

Für seine Bücher hat er zum einen recherchiert und mit zahlreichen Menschen gesprochen und zum anderen haben die behandelten Themen stets einen Bezug zu seiner eigenen Lebenswirklichkeit. Was er damit meinte wurde sehr schnell deutlich. Es war nämlich keine klassische Lesung, sondern der Autor ist ein Geschichtenerzähler. Er versteht es, seine Zuhörer in seinen Bann zu ziehen und einem Spannungsbogen fesselnd und lebendig zu folgen. Er schilderte etwa seine Motivation zum Schreiben des Buches. Bereits als Jugendlicher litt Felix Leibrock an einer Hornhautverkrümmung.

Im Alter von 22 Jahren konnte schließlich nur die Transplantation einer Spenderhornhaut sein Augenlicht retten. In sein Buch „Nur im Dunklen leuchten die Sterne. Eine Erzählung für Suchende“, mit dem Protagonisten Stalter, flossen seine zweieinhalb Jahre als Wohnungsloser in München und die damalige Begegnung mit Obdachlosen ein.

Felix Leibrock ist empathisch und versteht es Lebenslagen anschaulich zu beschreiben und in den Köpfen der Besucher lebendig werden zu lassen. Auch die Liebe zum Schreiben und zu Büchern merkte man dem ehemaligen Antiquariatsbuchhändler sichtlich an. Er führte auch andere Literaturwerke an, die ihn inspiriert oder geholfen hätten. Etwa Velma Wallis und ihr Werk: „Zwei alte Frauen. Eine Legende von Verrat und Tapferkeit“. Oder Selma Meerbaum-Eisinger, deren Gedichte für seine Romanfigur eine große Hilfe sind. Er hält letztlich auch ein leidenschaftliches Plädoyer für die Literatur, in der er auch in seinen dunklen oder schweren Stunden Hilfe findet.


Ein Kommentar zum Thema von Florian Ferber (Reporter)

Ob nun ökumenischer Gottesdienst, Backtage, Weihnachtsmarkt oder die zahlreichen Führungen: Dass das sanierte, historische Industriedenkmal Bredemeyers Hof mit seiner wohl einzigartigen Atmosphäre zwischen Turbinenhaus und Wagenremise Menschen aus Nah und Fern anlockt, hat die Vergangenheit bereits bewiesen. Da ist es eigentlich ein logischer Schritt, dass auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal auch kulturelle Veranstaltungen, seien es nun Lesungen, Konzerte, Kabarett oder Freilufttheater, in Zukunft stattfinden. Gerade, wenn Corona Indoor-Events noch für längere Zeit unmöglich macht, ist so eine besondere Open-Air-Location eine reizvolle Alternative.

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