Verkauf von Heidemark? Eine Meldung nach dem Motto „Viel Lärm um nichts“
Jahresrückblick: Ein Bericht der Lebensmittelzeitung verursachte Unruhe. Der Ahlhorner Putenspezialist und Arbeitgeber für über 2000 Menschen bezeichnet die Meldung als Spekulation.
Heidemark in Ahlhorn ist Deutschlands führender Putenschlachter und -vermarkter, Foto: dpa/Hoppe
Große Aufregung in der Region. Gemäß einem Bericht der „Lebensmittelzeitung“ Mitte November, die sich auf einen „Insider“ berief, sollte Putenspezialist Heidemark (Ahlhorn) kurz vor dem Verkauf stehen. Die Gesellschafter der Unternehmensgruppe, die Brüder Christopher und Jan-Bernd Kalvelage, sollten bereits mit renommierten Wettbewerbern am Geflügelmarkt konkret verhandeln. Am Ende hieß es zu dieser Meldung frei nach Shakespeare: „Viel Lärm um nichts.“ Unternehmenssprecherin Susanne Ponick verwies auf Anfrage der OM-Medien die weite Kreise ziehende Meldung in das Reich der Spekulation. Das seien „Gerüchte, die aufgrund ihrer Fehlerhaftigkeit von uns nicht kommentiert werden“, so Ponick.
Stattdessen verwies die Sprecherin darauf, dass man „in Ahlhorn mit finanziellem Engagement und Innovationskraft an der Weiterentwicklung von Heidemark“ arbeite. „Die in den vergangenen Monaten erfolgten Übernahmen und die nun anstehende Integration in die Unternehmensgruppe sowie der Aufbau einer Hähnchenproduktion als weiteres Standbein neben Puten sorgen für Gesprächsstoff in der Branche.“ Sollte es Neues zu berichten geben, würde Heidemark das öffentlich tun. An dieser Aussage hat sich laut Ponick auch nach neuerlicher Anfrage der OM-Medien nichts geändert.
Blick auf die Heidemark-Schlachtung in Ahlhorn. Allein an diesem Standort arbeiten rund 1600 Mitarbeiter der Unternehmensgruppe. Foto: Heidemark
Tatsächlich dürften die jüngsten Akquisen von Heidemark der Anlass zu Spekulationen gewesen sein. Seit der Berufung von Andres Ruff Anfang Februar als neuen Geschäftsführer, hatte der Putenspezialist eine „Einkaufstour“ im Oldenburger Münsterland gestartet. Ende April kam der Geflügelproduzent Gut Bergmark (Steinfeld) zur Gruppe, zuletzt war die Putenschlachterei Dabe in Cloppenburg übernommen worden.
Ruff brachte in seinen neuen Job bei den Ahlhornern umfangreiche Erfahrungen aus der Lebensmittelindustrie ein, war unter anderem beim Milchkonzern Theo Müller, dem TK-Hersteller „Apetito“ sowie auch beim Fleischgiganten Tönnies als Co-Geschäftsführer von Clemens Tönnies tätig. Unternehmen von Tönnies aus dem Bereich der Geflügelverarbeitung sollen langjährige Kunden von Heidemark sein.
Heidemark schafft sich gerade ein weiteres Standbein durch die Einrichtung einer Hähnchenschlachtung
Die Neuerwerbungen von Heidemark standen und stehen allerdings laut eigener Mitteilung im Zusammenhang mit einer Diversifizierung der Geschäfte des in Deutschland führenden Putenschlachters und -vermarkters. Dieser schafft sich zurzeit durch Umgestaltung der Schlachtung in Ahlhorn ein zusätzliches Standbein im Hähnchenbereich.
Die Brüder Kalvelage hatten das Unternehmen mit Wurzeln in Höltinghausen von ihrem Vater Bernd übernommen. Gerüchte über Verkaufsabsichten hatten besonders auch deshalb Nahrung erhalten, weil sich Christopher Kalvelage nach fast 10 Jahren in der Position des geschäftsführenden Gesellschafters im Juli dieses Jahres aus der operativen Geschäftsführung in den Beirat zurückgezogen hatte. Dort hat er den Vorsitz übernommen.
Wechselte vom Geschäftsführerposten in den Vorsitz des Beirates: Gesellschafter Christopher Kalvelage. Foto: Heidemark
Den Jahresumsatz bezifferte Heidemark im Jahr 2023 selbst mit 713 Millionen Euro. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor. Nach dem Erwerb von Gut Bergmark in Steinfeld sollte sich der Gruppenumsatz inzwischen weiter der Milliardengrenze angenähert haben. Der Umsatz der Steinfelder wird auf rund 130 Millionen Euro geschätzt. Ponick beschreibt Heidemark als „finanziell sehr gut aufgestellt“ und „als sehr gesundes Unternehmen“.
Nach dem Erwerb von Gut Bergmark dürften jetzt insgesamt weit über 2100 Mitarbeiter für die Heidemark-Gruppe arbeiten. Am Standort Ahlhorn waren es zuletzt 1600 Mitarbeiter, in Steinfeld rund 100.
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