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Die Puten- und die Schweineställe in der Region bleiben immer öfter leer

Der Genossenschaftsverband Weser-Ems präsentiert die Zahlen des Jahres 2021. Die hohen Preise führen zu höheren Umsätzen. Probleme haben die Tierhalter und auch die Futtermittelbranche.

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Nicht nur die Putenställe bleiben leer: Da sich die Schweinemast nicht mehr lohnt, geht in der Folge auch die Zahl von Sauen und Ferkeln zurück. Foto: dpa / Jaspersen

Nicht nur die Putenställe bleiben leer: Da sich die Schweinemast nicht mehr lohnt, geht in der Folge auch die Zahl von Sauen und Ferkeln zurück. Foto: dpa / Jaspersen

135 Unternehmen, die im Jahr 2021 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro generierten, 12.000 Menschen, die in diesen arbeiten: Der ländliche Genossenschaftssektor ist wichtiger Wirtschaftsfaktor in Weser-Ems. Die Unternehmen aus Milchwirtschaft, Warenhandel, Viehvermarktung und Energie hätten sich trotz schwieriger Bedingungen „im Markt erfolgreich behauptet“, so die Direktoren des Genossenschaftsverbands Weser-Ems e.V. (GVWE) Johannes Freundlieb und Axel Schwengels bei der Präsentation der Zahlen aus 2021 in Rastede.

Mit Blick auf die Auswirkungen des Ukraine-Krieges betonte Freundlieb, dass die Versorgung der Landwirtschaft auch angesichts einer unsicheren Lage insbesondere im Bereich Futtermittel und Dünger „weiterhin gesichert“ sei. Dies sei wichtig, damit die Verbraucher weiter gefüllte Regale vorfänden.

Genossenschaftliche Unternehmen geben ihre hohen Einstandspreise weiter

„Wir tragen unseren Teil dazu bei, um das Land am Laufen zu halten“, meinte Freundlieb. Hohe Kosten für die Unternehmen führten letztlich zu steigenden Verbraucherpreisen, durchaus auch zur „eingeschränkten Verfügbarkeit von Produkten“.

Die Bedeutung der regionalen Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte und deren Vermarktung steige. „Dies stärkt grundsätzlich unsere Genossenschaften“. Von der Politik forderten beide Direktoren verlässliche Rahmenbedingungen sowie die Systemrelevanz der Genossenschaften zu berücksichtigen.

Die Ertragslage habe 2021 in allen Sparten im Vergleich zum Vorjahr weiter gestärkt werden können, erklärten die Direktoren. Die Warengenossenschaften hätten ihr Jahresergebnis mit 14,7 Millionen Euro um plus 3,5 Millionen Euro steigern können. So hätten etwa die Raiffeisenmärkte inklusive des Baustoffhandels von einer verstärkten privaten Nachfrage profitiert. Durch den Boom im Haus- und Gartenbereich habe sich der Umsatz um 13 Prozent auf 158,6 Millionen Euro erhöht.

Trotz widriger Marktbedingungen waren die ländlichen Genossenschaften in Weser-Ems durchaus erfolgreich. Manche Branche macht aber Sorgen, stellen die Verbandsdirektoren Axel Schwengels (links) und Johannes Freundlieb fest. Foto: VerbandTrotz widriger Marktbedingungen waren die ländlichen Genossenschaften in Weser-Ems durchaus erfolgreich. Manche Branche macht aber Sorgen, stellen die Verbandsdirektoren Axel Schwengels (links) und Johannes Freundlieb fest. Foto: Verband

Die 37 Warengenossenschaften konnten ihre Marktstellung festigen. Mit einem Jahresergebnis von 14,7 Millionen Euro (plus 3,5 Millionen Euro) seien die Betriebe leistungsfähig aufgestellt, meinte Freundlieb.

Die beiden Direktoren betonten, dass der Verdrängungswettbewerb in der Futtermittelbranche anhalten werde: „Wir rechnen mit rückläufigen Nachfragemengen“, das verschärfe den Wettbewerb. Die Preise von Futtermitteln und Dünger seien „2022 nochmals gestiegen und nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine förmlich explodiert“, sagte Freundlieb. Aus eigener genossenschaftlicher Herstellung kamen 2,7 Millionen Tonnen Futter – ein Rückgang um 1,4 Prozent. Dennoch stieg der Umsatz wegen der hohen Preise um 7,5 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro.

Auszahlungspreise der Molkereien steigen

Die Molkereien konnten das addierte Gesamtjahresergebnis mit 33,4 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Millionen Euro deutlich steigern. Weltweit hohe Nachfrage bei tendenziell sinkendem Angebot habe für das Gewinnplus gesorgt. Der durchschnittliche Auszahlungspreis der Molkereien habe sich auf mehr als 36 Cent pro Kilogramm erhöht. Dieser Trend gehe in Richtung 60 Cent.

Sorge bereitet dem Verband die Lage der Tierhalter. Die Rinderhalter stünden noch gut da. Anhaltend niedrige Preise, die Afrikanische Schweinepest, und ein rückläufiger Fleischkonsum hätten aber die Schweine haltenden Betriebe stark getroffen.

Die Zahl aller vermarkteten Tiere über die 23 Genossenschaften im Verbandsgebiet ging im Vergleich zum Vorjahr mit 6,9 Millionen um rund 100.000 leicht zurück. Bei Ferkeln und Sauen gab es deutliche Rückgänge. Dies decke sich mit den jüngsten Viehzählungen, die bundesweit einen um 9 Prozent sinkenden Schweinebestand festgestellt hätten. Derzeit seien außerdem etwa 20 Prozent der Putenställe in Niedersachsen nicht belegt, weil die Futtermittelversorgung unklar sei.

Trotz sinkender Umsätze können die Viehvermarkter das Betriebsergebnis steigern

Dennoch sei es den genossenschaftlichen Viehvermarktern trotz sinkender Umsätze von rund 1 Milliarde Euro in 2020 auf etwa 900 Millionen Euro gelungen, das Betriebsergebnis 2021 um 1,1 Millionen auf 4,8 Millionen Euro zu steigern.

In Weser-Ems gibt es heute 70 Energiegenossenschaften mit etwa 22.500 Mitgliedern. Die Umsätze sind auf 116 Millionen Euro gestiegen. 2021 wurden knapp 236.000 Megawattstunden Strom aus Sonne, Wind und in Blockheizkraftwerken produziert. Schwengels kritisierte den aktuellen Entwurf der EEG-Novelle: Die vorgeschlagenen Vergütungssätze und Marktprämien seien zu gering, die Auflagen zu hoch, Vorgaben wenig praxistauglich.


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