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Im Porträt: Silvia Dierken – Bücher sind ihre ganz große Leidenschaft

Vor 3 Jahren übergab die 63-Jährige ihre Buchhandlung in Dinklage an Thalia. Im Ruhestand ist die Bücherfreundin aber nicht. Und auch Lesungen organisiert sie weiterhin.

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Eines von Silvia Dierkens aktuellen Lieblingsbüchern ist "Leonard und Paul". Foto: Heinzel

Eines von Silvia Dierkens aktuellen Lieblingsbüchern ist "Leonard und Paul". Foto: Heinzel

„Bücher, Bücher! Hunderttausend Bücher! … Mark Aurel und Augustinus. Tacitus, Tibull, und Plato. Peregrinus und Taquinus. Caesar, Cicero und Cato. Schon beim Tasten wird man zum Enthusiasten!“,  stellt Professor Abronsius im Musical „Tanz der Vampire“ fest und drückt damit seine Leidenschaft für Bücher aus. Ein Leben ohne Bücher kann sich auch Silvia Dierken nicht vorstellen. Mindestens drei Bücher liest die 63-Jährige in der Woche. Aktuell schwärmt sie von „Leonard und Paul“ von Rónán Hession.

„Es ist das Abenteuer im Kopf und sich beispielsweise in eine andere Zeitebene hineinzuversetzen, was mich so fasziniert.“

Silvia Dierken

Die Begeisterung ist der gelernten Buchhändlerin stets anzumerken, wenn sie über Inhalte und Autoren spricht, Kundinnen und Kunden etwas empfiehlt oder auf Lesungen Tipps gibt. „Es ist das Abenteuer im Kopf und sich beispielsweise in eine andere Zeitebene hineinzuversetzen, was mich so fasziniert“, erzählt Dierken.

Was die Bücherfreundin besonders mag? Krimis, Historisches oder Biografien. Die favorisierten Autorinnen aktuell? Eva Almstädt oder Linda Costello.

„Ich finde es immer gut, wenn ich beim Lesen etwas lernen kann.“

Silvia Dierken

„Ich finde es immer gut, wenn ich beim Lesen etwas lernen kann“, berichtet die Dinklagerin. Als Beispiel nennt sie den Roman „Die Kinder von Beauvallon“ von Bettina Storks. Das Buch basiere auf wahren Begebenheiten. Es erzähle vom Mut zum Widerstand und die Rettung vieler jüdischer Kinder in Frankreich während des Zweiten Weltkrieges. Bei solchen Büchern recherchiere sie anschließend, was Fiktion sei und was nicht. Das müsse sein; sie sei halt neugierig, sagt Dierken.

Silvia Dierken (links) schätzt den Austausch mit Autorinnen wie Margarete von Schwarzkopf (rechts). Foto: HeinzelSilvia Dierken (links) schätzt den Austausch mit Autorinnen wie Margarete von Schwarzkopf (rechts). Foto: Heinzel

Die gebürtige Brockdorferin begann sehr früh zu lesen und sagt: „Ich habe die Bücherei in Brockdorf hoch und runter gelesen. Simmel, Konsalik und Utta Danella – viel mehr gab es damals nicht.“ Für sie war klar, dass nach ihrem Realschulabschluss in Lohne eine Lehre zur Buchhändlerin folgen sollte. Nach einem praktischen Jahr in der Buchhandlung von Adolf Braun konnte sie 1978 dort eine Lehrstelle antreten und wechselte nach der Ausbildung zu Heimann nach Dinklage. Mit 21 Jahren bekam sie dann ihr erstes Kind. Zwei weitere folgten. Die Liebe zu den Büchern wurde zum Privatvergnügen. Ihr Geld verdiente Dierken mit anderen Jobs, bis sie 1996 in der Lohner Buchhandlung Rießelmann erneut in ihrem gelernten Beruf tätig werden konnte.

„Bestseller machen wir selbst.“

Silvia Dierken

In der Folgezeit eröffnete sich ihr aber noch eine Chance, als sie Marianne und Gertrud Diekmann davon überzeugen konnte, ihr die Buchhandlung Diekmann in Dinklage zu übergeben. 1998 wagte Silvia Dierken den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich wusste nicht wirklich, worauf ich mich einließ.“ Aber irgendwie habe es funktioniert. Sie habe vielleicht ein Gespür, was in Dinklage und umzu ankomme. „Bestseller machen wir selbst.“ Sie schätze zudem den Austausch mit Autorinnen und Autoren wie etwa Margarete von Schwarzkopf, mit der sie schon häufig in der Vorweihnachtszeit Bücher für den Gabentisch präsentierte.

Die Geschäftsräume änderten sich und die Quadratmeterzahl wuchs kontinuierlich. Bis zu 14 Mitarbeiter beschäftigte die Dinklagerin zu Spitzenzeiten. Für 5 Jahre betrieb Silvia Dierken eine weitere Buchhandlung in Holdorf, die sie vor 3 Jahren an eine Mitarbeiterin übergab. Zeitgleich gab sie ihre Dinklager Buchhandlung an Thalia ab und arbeitet seitdem bei Thalia Diekmann. Ohne Nachfolgerin habe sie sich einen Übergang in den Ruhestand bereiten wollen. Und das funktioniere.

Tim Bergmann (links) und Margarete von Schwarzkopf (rechts) lasen 2017 auf dem Hof Scherbring Auszüge aus Im Wald von Nele Neuhaus. Foto: HeinzelTim Bergmann (links) und Margarete von Schwarzkopf (rechts) lasen 2017 auf dem Hof Scherbring Auszüge aus "Im Wald" von Nele Neuhaus. Foto: Heinzel

Bei Thalia Diekmann organisiert Dierken weiterhin regelmäßig Lesungen. Vor 23 Jahren bat sie zu ihrem ersten Event. Sie holte Rebecca Gablé nach Dinklage. Weitere Größen der Buchszene wie Nele Neuhaus (unter anderem mit Tim Bergmann), Ludger Abeln, Angelika Kallwass, Mechtild Borrmann, Angelika Svensson, Nora Luttmer oder Sky du Mont zusammen mit Christine Schütze – um nur einige zu nennen – folgten. Das erfolgreichste Event war 2011 mit Heikko Deutschmann, Margarete von Schwarzkopf und Cody McFadyen. 600 Besucherinnen und Besucher waren damals in der Aula der Oberschule und nahezu alle kauften anschließend ein Buch. Am meisten fasziniert habe sie aber Avi Primor, erzählt Dierken. Der israelische Diplomat war lange Zeit Botschafter in Deutschland und kam 2014 nach Dinklage. „Das war ein echtes Highlight.“

Neben den Büchern ist Reisen eine weitere Passion von Silvia Dierken. Eine der schönsten Destinationen für sie? Kanada. Gerne würde sie noch einmal dorthin fahren, um das Land mit dem Zug zu durchqueren. Natürlich mit einigen Büchern im Gepäck. Welches zum Beispiel? „Die Hochzeit der Chani Kaufmann“, das Debüt der Autorin Eve Harris. 

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