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Nora Luttmer weckt die Neugier der Besucher ihrer Lesung in Dinklage

Die gebürtige Kölnerin präsentierte ihren gerade publizierten Kriminalroman "Tiefergrund". Protagonistin ist Bette Hansen - eine Ex-Kommissarin die an Narkolepsie leidet und in Ochsenwerder lebt.

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Ein altes Verbrechen und ein verschwundenes Mädchen. "Tiefergrund" von Nora Luttmer verwebt die beiden Ereignisse miteinander. Foto: Heinzel

Ein altes Verbrechen und ein verschwundenes Mädchen. "Tiefergrund" von Nora Luttmer verwebt die beiden Ereignisse miteinander. Foto: Heinzel

Bette Hansen lebt in Ochsenwerder. Ihr Elternhaus teilt sich die 53-Jährige mit Hund Anton und Mitbewohner Tyler. Bette musste den Dienst bei der Mordkommission quittieren, da sie unter Narkolepsie leidet. Nun wird sie von ihrer alten Schulfreundin Helene um Hilfe gebeten, da deren Tochter Yasmin verschwunden ist. Anscheinend im Tiefergrund – genau wie Jahre zuvor das Entführungsopfer Anna. „Anna war nicht ertrunken, sondern im Elbschlick erstickt.“ Bette Hansen vermutet einen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen und forscht nach.

„Sie ist eine ganz tolle Autorin, die frischen Wind in die Kriminalliteratur gebracht hat.“Silvia Dierken, Thalia Dinklage

Das ist der Inhalt des neuesten Kriminalromans von Nora Luttmer, den die Autorin nun auf einer Lesung in Bussjans Hof in Dinklage präsentierte. Organisiert wurde die Veranstaltung durch Thalia. Die Buchhandlung plante mit rund 50 Gästen und schaffte es, fast alle Karten zu verkaufen. Man habe sich bewusst für einen kleineren Rahmen entschieden, meinte Silvia Dierken. Sie sagte in ihren Begrüßungsworten über Nora Luttmer: „Sie ist eine ganz tolle Autorin, die frischen Wind in die Kriminalliteratur gebracht hat.“

Während des Vortrags der Schriftstellerin herrschte eine gespannte und aufmerksame Stille. Charmant wickelte Nora Luttmer die Anwesenden um ihren Finger und machte sie neugierig auf die Geschichte um Bette Hansen, Daniel, Helene sowie den „Eismann“. Die freischaffende Journalistin gab dabei ebenfalls einen Einblick in ihre Arbeitsweise. „Ich brauchte eine Krankheit, um Bette Hansen aus dem Polizeidienst zu kriegen“, erzählt Nora Luttmer und begründet dies mit ihrer Einschätzung der eigentlichen Polizeiarbeit, die sie sich eher bürokratisch vorstellt.

„Ich schreibe so, wie ich es lesen möchte.“Nora Luttmer

Ihre Buchprojekte fingen meist mit einer Stimmung an und entwickelten sich dann nach und nach. In Gesprächen ergäben sich oft Ideen, etwa für einzelne Szenen, die dann im Buch hin- und hergeschoben würden. Ihre Art zu schreiben sei wie ein Puzzle, berichtet die Hamburgerin. Sie sei keine Konzeptautorin, die das Buch bereits beim Schreiben der ersten Buchstaben komplett durchgeplant habe. Im Gegenteil: Jeder Tag bringe neue Erkenntnisse für das Buch. Dabei sei ihre Leitlinie: „Ich schreibe so, wie ich es lesen möchte.“ Das bedeute, blutrünstige Details überlässt sie der Vorstellung ihrer Leser.

Foto: HeinzelFoto: Heinzel

Ihre vorgetragenen Passagen vermitteln wunderbar Stimmungen und Einsichten in die Emotionen der handelnden Personen. Dabei ist es hilfreich, dass das Buch aus mehreren Perspektiven erzählt wird. Durch die Kapitelüberschrift weiß der Leser, wessen Sichtweise er gerade einnimmt. Die gebürtige Kölnerin webt dadurch ein atmosphärisch dichtes (Beziehungs-)Netz. Während der Lesung überspringt die in Hamburg lebende Autorin geschickt Passagen, die zu viel verraten würden, streut gleichzeitig genug Informationsfetzen, um die Neugier weiter anzufachen. Ein Beispiel: Daniel kommt blutverschmiert nach Hause – und zwar in der Nacht, als Yasmin verschwindet, und wird von seiner Frau darauf angesprochen, wobei diese feststellt: „Dachte sie nicht allzu oft, dass sie ihn gar nicht kannte?“ Daniel wurde damals gemeinsam mit Anna entführt, überlebte jedoch und trägt seitdem eine unheimliche Wut in sich. „Die Normalität, nach der er sich sehnte, gibt es für ihn nicht.“

„Der liebe Gott weiß alles, die Nachbarn wissen mehr!“Nora Luttmer

Es gelingt ihr, das Interesse der Besucher zu wecken. Einige nutzen direkt die Gelegenheit, sich „Tiefergrund“ oder eines ihre anderen Werke zu kaufen und später signieren zu lassen. Der Abend ist entspannt und bietet immer wieder Gelegenheiten zum Austausch. So meint Nora Luttmer an einer Stelle – es geht um Ochsenwerder („Es ist Hamburg, aber unglaublich ländlich“): „Der liebe Gott weiß alles, die Nachbarn wissen mehr!“ Dafür bekommt sie viel Zustimmung aus den Reihen der Zuhörer, die am Ende der Lesung auch einige Fragen stellen. „Ich bin immer offen für tolle Mordideen“, meinte Nora Luttmer, und das Publikum hatte sofort Titel auf den Lippen wie „Mord im Burgwald“ oder „Mord im Muttentunnel“. Ob Nora Luttmer dafür Verwendung hat, ließ sie offen. Aktuell schreibt sie an ihrem 3. Krimi rund um Bette Hansen. Bislang steht fest, dass er im kalten Winter spielen wird.

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