Margarete von Schwarzkopf versteht es, ihr Publikum zu fesseln und rund um die präsentierten Bücher interessante Informationen zu vermitteln. 16 Bücher hatte sie für den Abend in Bussjans Hof in Dinklage herausgesucht. Eingeladen hatte sie Silvia Dierken von der Buchhandlung Thalia Diekmann.
Bereits der Auftakt mit Amor Towles „Lincoln Highway“ ließ einen unterhaltsamen Abend erahnen. Das Buch handelt von zwei Brüdern, die ein neues Leben beginnen wollen. Dabei suchen sie ihre Mutter, werden von zwei Gaunern bestohlen und erleben einige Abenteuer. „Es ist ein bisschen angelehnt an die Odyssee“, meint Margarete von Schwarzkopf. Towles verstehe es geschickt, die Weltliteratur in sein Buch einzubauen und ermögliche so eine spannende Suche nach den Anspielungen.
Miranda Cowley-Heller „Der Papierpalast“ handelt von einer Frau, die sich innerhalb eines Tages zwischen zwei Männern entscheiden muss. Mit ihrer Jugendliebe verbindet sie ein dunkles Geheimnis. Das Ende sei sehr offen und jeder Leser könne dieses für sich selbst finden. „Es ist ein sehr unterhaltsames, spannendes Buch, über das man sich sehr gut unterhalten kann.“ In den USA würden sich ganze Debattierclubs mit dem „richtigen Ende“ beschäftigen.
Feridun Zaimoglu schickt in „Bewältigung“ einen namenlosen Autor auf die Spuren Adolf Hitlers. „Es ist ein unglaublich spannendes Buch, das auch zeigt, wie Autoren arbeiten.“ Roddy Doyles „Lächeln“ beschäftigt sich auf ironische Art, gepaart mit schwarzem Humor, mit Vergangenheitsbewältigung. Die Hauptfigur „wurde von ihren Mitschülern erbarmungslos gemobbt“, erzählt von Schwarzkopf und ergänzt: „Es ist kein dickes Buch, aber ein sehr intensives.“
Takis Würger hat sein Buch „Unschuld“ Menschen mit der Huntingtonkrankheit gewidmet. Es ist ein Buch über eine Vater-Tochter-Beziehung. Der Vater hat die Krankheit und soll in 35 Tagen für einen Mord hingerichtet werden. Seine Tochter versucht, seine Unschuld zu beweisen, und muss entscheiden, ob sie wissen will, ob sie die Krankheit ebenfalls hat. Celeste Ng wurde durch Donald Trumps Präsidentschaft zu ihrem dystopischen Buch „Unsere verschwundenen Herzen“ animiert. Es ist eine Vater-Sohn-Geschichte und eine „Liebeserklärung an die Macht des Buches“. Es ist auch für junge Menschen geeignet, da es um zwei Kinder auf der Suche nach Geborgenheit, Liebe und Abenteuer geht.
Lauren Groff setzt ihrer Hauptfigur in "Matrix" ein literarisches Denkmal. Die Geschichte von Dichterin und Äbtissin Marie de France sei außerordentlich interessant und spannend. Tilman Röhrig habe immer ein bisschen viel Sex in seinen Büchern, das sei bei „Der Maler und das Blau des Himmels“ nicht anders. 3 Jahre habe der Autor an dem Buch über den Maler und Mitbegründer der „Blauen Reiter“, Franz Marc (1880 bis 1916), der im Ersten Weltkrieg bei Verdun fiel, geschrieben. Historisch geht es auch bei Jörg Bongs „Die Flamme der Freiheit“ zu. Es ist der Beginn einer Trilogie, die sich mit der Revolution 1848/49 und dem Paulskirchenparlament in Frankfurt auseinandersetzt.
Die letzten vier Bücher sind Kriminalromane, die heute die neuen Gesellschaftsromane seien. Tess Gerritsens „Mutterherz“, amüsant und spannend zugleich, ist das neueste Werk in der Jane-Rizzoli-und- Maura-Isles-Reihe. Friedrich Ani schreibt in „Bullauge“ über gesellschaftliche Außenseiter und den Verlust von Idealen, Moral und Werten sowie darüber, dass Recht und Gerechtigkeit nicht immer deckungsgleich sind.
Richard Osmans „Der Mann der zweimal starb“ behandelt eine Rentnergruppe – keiner ist jünger als 75 Jahre – und ihren detektivischen Spürsinn. Margarete von Schwarzkopf legt mit „Das Geheimnis des dunklen Hauses“ selbst einen neuen Krimi vor. Ebenfalls auf ihrer Vorstellungsliste standen noch Isabel Allendes „Violeta“, Dörthe Hansens „Zur See“, Ian McEwans „Lektionen“ und Rebecca Gablés „Drachenbanner“.