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Unwissend zwischen Hoffen und Bangen

Thema: Die Infektionskette im Essener Schlachthof. Die Gamma-Variante ist schon nachgewiesen. Zurzeit entsteht eine völlig neue Corona-Lage. Sind die Antworten darauf noch zeitgemäß?

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Es soll also die Gamma-Variante sein, die für die steigenden Infektionszahlen mit Bezug zum Essener Schlachthof verantwortlich ist. Wie sich das Virus trotz Impfschutz ausbreiten konnte? Unklar. Wie sich die Lage weiter entwickelt? Unklar. Während die Delta-Variante mittlerweile das bundesweite Infektionsgeschehen – wenn auch noch auf niedrigem Niveau – dominiert, ist die Gamma-Mutation eher die Ausnahme. Aber: Auch sie ist hoch ansteckend.

Die Einwohner im Kreis Cloppenburg schauen mit Sorge auf die 7-Tage-Inzidenz. Die hat den Grenzwert für die größtmöglichen Lockerungen überschritten. Gibt's jetzt wieder Verschärfungen? Nein, sagt die Kreisverwaltung. Sie will die in der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen definierte "Härtefall-Regelung" in Anspruch nehmen. Die Infektionen hätten einen klar abgrenzbaren Schwerpunkt. Diese Argumentation darf kontrovers diskutiert werden: Der Arbeitsplatz mag klar definierbar sein – die Wohnorte sind es aber nicht. Die Unterkünfte verteilen sich auf mehrere Städte und Gemeinden – in 2 Landkreisen. Die Wohnsituationen in diesen Unterkünften sind hinlänglich bekannt. Da noch von einem eingrenzbaren Infektionsgeschehen sprechen zu können, darf bezweifelt werden. Zumal jetzt andere, weitere Unterkünfte für die Quarantänefälle gewählt werden.

Wir bewegen uns in einer neuen Situation mit einem alten Korsett

Niemand will die erst gerade gewonnenen Freiheiten abgeben, gar keine Frage. Die jetzige Situation zeigt aber: Wir bewegen uns in einer neuen Situation, tragen dabei das alte Korsett. Der starre Blick auf eine 7-Tage-Inzidenz, die schon bei einem leichten Anstieg für einen gesamten Landkreis zu Einschnitten im alltäglichen Leben führen kann, scheint nicht mehr zeitgemäß. Ohnehin: Laut Corona-Verordnung steht es einem Landkreis erst ab einer Inzidenz von 100 frei, nur in Teilen des Kreisgebietes gesonderte Anordnungen – zum Beispiel Kontaktbeschränkungen – zu treffen. Warum nicht früher?

Am 16. Juli läuft die aktuelle Corona-Verordnung in Niedersachsen aus. Es bleibt zu hoffen, dass es dann auch konkretere Antworten zum sich weiter verändernden Infektionsgeschehen gibt. Ein mit 5 Zeilen formulierter "Härtefall-Freibrief" im Verordnungstext ist es jedenfalls nicht. Da reagiert die Cloppenburg Kreisverwaltung mit Anpassungen bei Quarantäne, Impfungen und Tests durchaus angemessen, aber eben auch nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

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