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Olaf Lies setzt auch beim Thema Moor auf den niedersächsischen Weg

Die Wiedervernässung landwirtschaftlich genutzter Moorflächen ist zwischen Politik und Landwirten heftig umstritten. Niedersachsens Umweltminister will das Thema im "Dialog auf Augenhöhe" lösen.

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Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (am Rednerpult) diskutierte bei einer Veranstaltung des Kreislandvolks im Friesoyther Forum am Hansaplatz mit 130 Teilnehmern über die Moor-Politik des Landes. Foto: Stix

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (am Rednerpult) diskutierte bei einer Veranstaltung des Kreislandvolks im Friesoyther Forum am Hansaplatz mit 130 Teilnehmern über die Moor-Politik des Landes. Foto: Stix

So richtig glücklich sind die Landwirte im Cloppenburger Nordkreis mit der deutschen Moor-Politik nicht. Bund und Länder wollen Moore künftig wieder vernässen, um den CO₂-Ausstoß der Flächen zu verringern. Das wiederum geht zulasten der Landwirte, die das auf ehemaligen Mooren entstandene Grünland als Futterquelle für die Tierhaltung benötigen. Auf einer Diskussionsveranstaltung mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD) formulierten sie am Montagabend im Friesoyther Forum am Hansaplatz ihre Befürchtungen und ihre Kritik an der Bund-Länder-Vereinbarung.

Hubertus Berges, der 1. Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, brachte die Position der Landwirte in seiner Begrüßung auf einen einfachen Nenner. Der Klimawandel sei ein Thema, das allen Bürgern viel abverlange, konstatierte er und warf der Politik vor, den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen. "Vielleicht ist es einfacher, sich mit ein paar Moorbewirtschaftern anzulegen, als den Bürgern noch mehr zuzumuten."

CO₂-Ausstoß aus Moorböden soll bis 2030 jährlich um 5 Millionen Tonnen sinken

Hintergrund ist die Bemühung der Politik, den klimaschädlichen CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Aus entwässerten Moorböden stammen derzeit etwa 53 Millionen Tonnen CO₂-Emissionen. Das sind rund 6,7 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland. Bis 2030 soll der Treibhausgas-Ausstoß aus Moorböden jährlich um 5 Millionen Tonnen sinken. Niedersachsen als moorreichstes Bundesland ist dabei besonders gefordert.

Die Forderungen der Landwirte in diesem Zusammenhang waren eindeutig. Eine unfreiwillige Wiedervernässung landwirtschaftlicher Flächen dürfe es, so Berges, ebenso wenig geben wie eine schleichende Enteignung. Vor allem aber forderte er eine frühzeitige Einbindung der Betroffenen. "Wir sollten bei diesem Thema den im Artenschutz eingeschlagenen niedersächsischen Weg anwenden, also miteinander statt übereinander reden", sagte er.

"Wir haben Investitionszyklen von 20 bis 30 Jahren, wir brauchen Planungssicherheit."Karsten Padeken, Arbeitsgemeinschaft Moorbauern im niedersächsischen Landvolk

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Moorbauern im niedersächsischen Landvolk, Karsten Padeken, kleidete die Befürchtungen der Landwirte in konkrete Fragen. "Wo sind die Gebietskulissen, wie werden die zu vernässenden Flächen ausgewählt, was wird zugelassen und wie wird es bezahlt?", wollte er wissen. Sein Wunsch: "Wir haben Investitionszyklen von 20 bis 30 Jahren, wir brauchen Planungssicherheit." Stephan Sandmann, Moorbauer aus Bösel-Hülsberg, wies zudem darauf hin, dass die Moorbewirtschaftung ein Kulturgut sei. Vor 70 Jahren habe man Moore noch mit staatlicher Hilfe versiegelt. "Will man", so seine Frage an den Minister, "uns Moorbauern heute Flächen wegnehmen, nur um das Gewissen zu beruhigen?"

Lies will Weg zur CO₂-Einsparung gemeinsam mit Landwirten gehen

Olaf Lies machte in seiner Rede von Anfang an klar, dass Nicht-Handeln für ihn keine Option ist. Zwar könne man im Rahmen der nationalen Strategie zum Klimaschutz sicher auch an Stellschrauben drehen, bei denen die wirtschaftlichen Folgen nicht so gravierend seien wie im Bereich der Moore. Aber: „Nichts ändern funktioniert nicht“, betonte er. "Es ist falsch zu sagen, das darf nicht passieren. Wir müssen einen Weg finden, wie es geht." Und dieser Weg, davon zeigte er sich überzeugt, könne nur gemeinsam mit den Landwirten gefunden und gegangen werden. "Wir brauchen den Dialog auf Augenhöhe mit den Praktikern, wir müssen den niedersächsischen Weg gehen", sagte er.

"Es muss Schluss sein mit einer Politik, die in Fachkreisen allein was erarbeitet und alle müssen sich dran halten."Olaf Lies, niedersächsischer Umweltminister

Das sei auch der Grund, warum er nicht mit fertigen Antworten zu der Veranstaltung gekommen sei. "Wenn ich weiß, wie es weitergeht, müssen wir gar nicht mehr darüber reden, dann steht ja alles fest", formulierte er. Stattdessen gehe es darum, zusammen Gebietskulissen festzulegen, die Potenzialstudie zu entwickeln und daraus Maßnahmen abzuleiten, um die geforderten CO₂-Einsparungen zu erreichen. "Ich will, dass wir das gemeinsam erarbeiten", sagte er. "Es muss Schluss sein mit einer Politik, die in Fachkreisen allein was erarbeitet und alle müssen sich dran halten." Einen Zeitplan hat er bereits im Kopf: Bis 2025 müssten die Maßnahmen stehen, anders sei das bis 2030 gesetzte Ziel nicht mehr zu erreichen.

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