Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Konflikt auf dem Balkan: Ein Funke reicht – und es brennt wieder lichterloh

Thema: Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo – Vordergründig wird um die Gültigkeit von Autokennzeichen gestritten. Die eigentliche Ursache liegt natürlich tiefer.

Artikel teilen:

Selbst im Angesicht des Ukraine-Krieges mutet es grotesk an, dass ein Streit um Autokennzeichen in einem militärischen Konflikt münden könnte. Doch in der Realität bahnt sich genau solch ein schreckliches Szenario gerade an – in nur 1500 Kilometern Entfernung von uns. Auf dem Balkan stehen sich aktuell Serbien und das Kosovo gegenüber. Das geschieht also in einer Region, in der es zwischen 1991 und 2001 zu verheerenden Völkermorden, Massakern und Kriegsverbrechen gekommen war und an dessen (vorläufigem) Ende mehr als 200.000 Tote zu beklagen sind. Heißt: Hier ist jetzt die allerhöchste Kunst der Diplomatie gefordert, um eine erneute Eskalation zu verhindern.

Entfacht hatte sich der Streit im vergangenen Jahr tatsächlich an Kfz-Nummernschildern. Serbien erkennt die kosovarischen Embleme nicht an, die Gegenseite wollte in gleicher Weise reagieren. Folge: Kampfjets flogen auf, Panzer wurden an die Grenze verlegt. Offene Gewalthandlungen konnten nach Vermittlung der EU zunächst verhindert werden. Eine Übergangslösung sah vor, dass die Kennzeichen bei Grenzübertritten mit Aufklebern überdeckt werden.

Diese Regelung ist mittlerweile ausgelaufen. Daraufhin kündigte das Kosovo erneut an, die Einreiseregeln zu verschärfen. Das führte zu Grenzbarrikaden und Schüssen. Nun gibt es wieder eine vorübergehende Lösung: Die neuen Einreiseregeln werden für einen Monat ausgesetzt.

Problem: Viele erkennen Unabhängigkeit nicht an

Dauerhaft wird dieses Hangeln von einer zur anderen Übergangslösung aber nicht helfen. Denn: Die Ursache des Konflikts liegt natürlich tiefer – und weiter zurück als der Autokennzeichen-Streit. Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo gehörte bis 1999 zu Serbien. Nach einem bewaffneten Aufstand der Kosovo-Albaner zwang die Nato den serbischen Staat mit Luftangriffen zum Rückzug. Serbien erkennt die von den Kosovaren im Jahr 2008 ausgerufene Unabhängigkeit bis heute nicht an.

Das gilt übrigens auch für einige EU-Länder wie Spanien oder Griechenland sowie unter anderem China, Russland und die Ukraine. Solange sich das nicht ändert, birgt jeder einzelne Funke das Risiko, dass es wieder lichterloh brennt.

Zeit für ein Update! Mit der jüngsten Überarbeitung unserer App haben wir das Nachrichten-Erlebnis auf dem Smartphone weiter verbessert und ausgebaut. Jetzt im Google-Playstore und im  Apple App-Store updaten oder downloaden.

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Konflikt auf dem Balkan: Ein Funke reicht – und es brennt wieder lichterloh - OM online