Gibt es in Holdorf zu wenig Mülleimer und öffentliche Toiletten?
Nein, findet Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Die Entscheidungen der Politik im jüngsten Fachausschuss sind jedoch nicht für alle Bürger nachvollziehbar.
Frederik Böckmann | 02.04.2021
Nein, findet Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Die Entscheidungen der Politik im jüngsten Fachausschuss sind jedoch nicht für alle Bürger nachvollziehbar.
Frederik Böckmann | 02.04.2021

Sollen an Wander- und Fahrradwegen mehr Mülleimer stehen? Ja, finden einige Holdorfer. Nein, sagen Politik und Verwaltung. Foto: Pixabay
Spielplätze, Straßen, Beschilderung – in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Sicherheitsausschusses diskutierten die Holdorfer Politiker zu einigen Themen in gewohnter Manier ausführlicher. Sie wogen Vor- und Nachteile möglicher Entscheidungen ab und sprachen dann einstimmige Empfehlungen aus. Verhältnismäßig extrem kurz war die Aussprache indes zu diesem Punkt: Sollten an einigen beliebten Wander- und Fahrradwegen mehr Mülleimer aufgestellt werden? Das hatten Bürger angeregt. Mehr Mülleimer? Nein, fand der Ausschuss und folgte damit auch einer Empfehlung der Tourist-Information Dammer Berge. Einstimmig lehnte der Ausschuss auch den Vorschlag von Peter Ostendorf (FDP) ab, im Industriegebiet Toiletten und gegebenenfalls auch Mülleimer aufzustellen. Damit die Lkw-Fahrer, die nachts vermehrt entlang der Industriestraße parken, nicht ihren Unrat und ihre Exkremente in der Natur entsorgten. Was sie wohl vermehrt tun. Die ablehnende Haltung des Fachausschusses in Bezug auf Toiletten und Mülleimer im Industriegebiet respektive an den Naherhohlungswegen hat jedoch einige Holdorfer überrascht. Dazu gab es in der OV jüngst zwei Leserbriefe. In einem schimpfte Dirk. gr. Schlarmann: "Die Gemeinde Holdorf stellt öffentlichkeitswirksam Bänke (ohne Mülleimer) auf und wirbt um Touristen. Gleichzeitig wirbt die Gemeinde dafür, doch bitte an der Müllsammelaktion am 27. März teilzunehmen. Ich halte das für eine Frechheit." Wer Touristen wolle, der müsse auch in die Müllentsorgung investieren. Norbert gr. Schlarmann schrieb in der vergangenen Woche unterdessen einen Brief an die Verwaltung. Er hatte sich an der Müllsammelaktion beteiligt und schüttelte über "manchen Becher, zerknüllte Burgerverpackung, leere Schnapsflasche und sonstigen Wohlstandsmüll" am Straßenrand den Kopf. Verärgert war der langjährige CDU-Vorsitzende vor allem über das Ausmaß der "voll gepinkelten Saftflaschen". Eine Ursache dafür sieht Norbert gr. Schlarmann darin: Entlang der Bundesstraße 214 gebe es zwischen Holdorf und Ankum zum Beispiel nur einen einzigen Parkplatz – allerdings ohne Mülleimer und ohne Toilette. Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug hat die Schreiben sehr wohl registriert. Von Toiletten im Industriegebiet hält der Verwaltungschef nach wie vor nichts. Es gebe schließlich die Autohöfe. Beim Thema Müll wolle die Gemeinde ihre Verantwortung indes "keinesfalls wegschieben". Es sei eine Gratwanderung, ob mehr oder weniger Abfallbehälter die Lösung seien. Im Fall der Gemeinde Holdorf ist er aber überzeugt: Stellt der Bauhof mehr Mülleimer auf, dann "schlägt der Kosten-Nutzen-Faktor ins Negative aus". Denn: Die Anschaffung und Leerung von Abfallbehältern kostet Geld. Mehr Mülleimer bedeuten auch: Der Bauhof benötigt mehr Zeit, um diese zu leeren. Und wichtige andere Arbeiten blieben dann möglicherweise auf der Strecke. Zudem stelle sich die Frage: Wie groß sollen Mülleimer sein? Wo sollen die Abfallbehälter stehen? Denn Wander- und Fahrradwege sind für den Bauhof auch nicht immer leicht zu erreichen. Zum Beispiel entlang des Kardinalswegs. Und der Bürgermeister weist auch darauf hin: Mülleimer werden schnell Opfer von Vandalismus. Die von Dirk gr. Schlarmann am Beispiel des Haseradwegs als beispielhaft genannten Müllfangkörbe findet auch Dr. Krug eine tolle Idee. Die 2003 auf dem Radweg zwischen Holdorf und Damme von der Tourist-Information 3 aufgestellten Müllfangeimer wurden jedoch alle beschädigt. Wie ist der zunehmende Müllberg denn zu verhindern? Bürgermeister Krug findet: Es müsse frühzeitig und nachhaltig im Bewusstsein der Bürger verankert werden, dass Müll nicht einfach achtlos in die Natur zu schmeißen sei. Seinen Abfall solle jeder wieder selber einpacken, findet der Rathauschef. Dies sei eine Daueraufgabe. "Sehr bemerkenswert" findet Dr. Krug die Aktionen der Vereine, Gruppen und Privatpersonen, die sich an der Umweltwoche Ende März beteiligt haben. Rund 100 Bürgerinnen und Bürger sammelten den Unrat in der Gemeinde auf. Das waren zwar etwas weniger als in Vor-Corona-Zeiten, wie Ralf Bolles aus dem Bauamt mitteilte. Unter anderem, weil sich die Schulen dieses Mal nicht beteiligten. Allerdings sind auch noch Aktionen geplant, zum Beispiel vom Heimatverein. Bolles findet: "Die Sammelaktion ist ein Selbstgänger." Die ganz spektakulären Müllfunde gab's in diesem Jahr zwar nicht. Gefunden wurden aber einmal mehr Altreifen (40 Stück) und Bauschutt im Wald oder die üblichen Fast-Food-Verpackungen. Die von Norbert gr. Schlarmann angesprochenen voll urinierten Flaschen seien "ein großes Ärgernis", wie Ralf Bolles berichtete. Die Gemeinde Holdorf ist übrigens im nächsten Jahr Ausrichterin der Umweltwoche. Bürgermeister Krug kann sich gut vorstellen, dass die Gemeinde neben der Sammelaktion auch Veranstaltungen wie Vorträge anbietet. Um das Bewusstsein für die Umwelt weiter zu schärfen.Leserbriefe und Schreiben an die Verwaltung
Müllfangkörbe eine gute Idee, aber ...
100 Holdorfer räumen in der Gemeinde auf
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