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Zentralklinikum in Vechta: die drittbeste Lösung, immerhin

Die Krankenhäuser von Vechta und Lohne sollen im Zentrum der Kreisstadt fusionieren - das ist aber nur die drittbeste Lösung. Die beste wäre die Klinik vor den Toren der Kreisstadt gewesen.

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Das war eine schwere Geburt: Die Fusion der Krankenhäuser von Vechta und Lohne soll nun doch nicht auf der grünen Wiese vor den Toren der Kreisstadt erfolgen, sondern im Zentrum, am Standort des heutigen Marienhospitals. Selbstverständlich verkauft die katholische Trägerstiftung die Entscheidung als beste Lösung. Sie ist aber nur die drittbeste.

Die beste Lösung wäre die zunächst angestrebte Klinik vor den Toren der Kreisstadt gewesen – mit Platz für Erweiterungen, Patienten und Belegschaft, nach neuesten Erkenntnissen funktional gebaut, von allen Seiten gut und schnell erreichbar. Die Ostfriesen machen es richtig und die Nachbarn im Landkreis Diepholz auch. Weihbischof Wilfried Theising fehlte für diesen großen Wurf, der finanzielle Risiken mit sich gebracht hätte, der Mut.

Die zweitbeste Lösung wäre die Verlagerung der katholischen Liebfrauenschule gewesen, um mit dem Abriss des benachbarten Gebäudes mehr Fläche für einen Klinikneubau in der City zu erhalten. Bei dieser Gelegenheit hätte man in Vechta das Thomas-Kolleg der Dominikaner und das katholische Mädchengymnasium zu einem katholischen Bildungszentrum mit Strahlkraft zusammenführen können. Doch es fehlt an Fantasie. Man baut lieber an und um und auch schon mal um Liebgewonnenes herum.

„Die Ansprüche an Kommunalpolitik und Kirche muss man als Bürger offensichtlich zurückschrauben.“Ulrich Suffner

So bleibt nun die Liebfrauenschule stehen und die Kinderklinik auch und irgendwie passt auch noch ein neues Krankenhaus dazwischen. Wachsen kann das künftig allerdings nur noch in den Himmel. Parkplatz–Chaos ist programmiert, auch wenn auf dem heutigen Hubschrauberlandeplatz ein Parkhaus entsteht. Der Baubetrieb wird für die Patienten die helle Freude und auch an der Liebfrauenschule wird noch herumgerissen. Dabei wird alles besser, obwohl die Klinik der Schule gehörig zu Leibe rücken dürfte. Immerhin ist das Wäldchen am Stadtrand gerettet.

Das Land Niedersachsen mag diese Planung „zukunftsweisend“ nennen, weil sie billiger zu haben ist als ein Neubau vor der Stadt. Doch die Verantwortlichen in Vechta sollten das Gemurkse der vergangenen Jahre und das nun immerhin Erreichte nicht in den Himmel loben.

Es ist die drittbeste Lösung. Die Ansprüche an Kommunalpolitik und Kirche muss man als Bürger offensichtlich zurückschrauben. Noch immer ist im Oldenburger Münsterland Politik vor allem Kirchturmpolitik. Das aktuelle Thema ist dafür ein gutes Beispiel. Politisch sind für Gesundheit die Landkreise zuständig. Der Landkreis Vechta hat in den vergangenen Jahrzehnten vor allem eines getan: Sich auf die Kirche als Klinikträger und die Bürgermeister vor Ort verlassen. Nun stehen alle gemeinsam in Hannover in der letzten Reihe, wenn das Geld verteilt wird. Nun besteht die Gefahr, im Konzentrationsprozess der niedersächsischen Kliniklandschaft den Anschluss zu verlieren. Man kann nur wünschen, dass das Land in Kriegszeiten wie diesen die notwendigen Millionen Jahr für Jahr zur Verfügung stellen wird. Noch ist die Finanzierung des Vechtaer Vorhabens nicht ansatzweise gesichert.

„Wie genau wird die Lohner Einrichtung nachgenutzt?“Ulrich Suffner

Dass die Großklinik Vechta-Lohne notwendig ist, um im Oldenburger Münsterland die Gesundheitsversorgung in der Fläche auf Dauer zu sichern, ist unbestritten. Die landes- und bundespolitischen Vorgaben werden selten ausgesprochen, sind aber eindeutig: Bundesweit müssen Krankenhäuser wachsen oder schließen. Die Großklinik sichert den Bestand der heute in Vechta und Lohne vorhandenen Betten.

Hinter diesem Ziel müssen insbesondere die lokalen Interessen der Lohner zurückstecken. Gleichwohl will sich die neue Bürgermeisterin nicht mit unverbindlichen Versprechungen abspeisen lassen. Wie genau wird die Lohner Einrichtung nachgenutzt? Diese Frage könnte noch für Streit sorgen. Zumindest aber muss man nicht befürchten, dass die am Donnerstag vorgestellten Planungen demnächst schon wieder Makulatur sind. Dieser mittlerweile dritte Planungsanlauf soll nun ernst gemeint sein. Das wird auch höchste Zeit.

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