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Wieder neue Coronafälle im Garreler Schlachtbetrieb

Die Corona-Lage im Kreis Cloppenburg: Es sind auch Lehrer an 3 verschiedenen Schulen positiv getestet worden. Die Zahl der Patienten in stationärer Behandlung ist am Dienstag deutlich gestiegen.

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19 infizierte Patienten müssen im Kreis Cloppenburg stationär behandelt werden - das sind 6 mehr als am Vortag. Symbolfoto: dpa 

19 infizierte Patienten müssen im Kreis Cloppenburg stationär behandelt werden - das sind 6 mehr als am Vortag. Symbolfoto: dpa 

Im Landkreis Cloppenburg gibt es einen weiteren Todesfall, der in Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus steht. Das bestätigt Kreissprecher Sascha Sebastian Rühl am Dienstag: "Es handelt sich dabei um eine 80-jährige Frau aus Cloppenburg." Damit erhöht sich die Zahl der Todesfälle auf 132.

Darüber hinaus meldet das Gesundheitsamt am Dienstag 5 neue Coronafälle beim Garreler Schlachtbetrieb der Böseler Goldschmaus. Derweil bestätigt Kreissprecher Frank Beumker auf Anfrage von OM online, dass sich dieser Hotspot bis in die Gemeinden Bösel und Molbergen erstreckt, weil auch dort Mitarbeiter des Betriebes wohnen. Das Cloppenburger Gesundheitsamt kontrolliert mit der Hilfe des Unternehmens die Einhaltung der Quarantäne in den Unterkünften. Gleichwohl: "Nichtsdestotrotz ist eine lückenlose Kontrolle natürlich nie zu gewährleisten", räumt Beumker ein.

Im Auftrag des Unternehmens werden laut Beumkers Aussage "Versorgungs-Pakete" verteilt, damit niemand die Unterkunft für einen Einkauf verlassen muss. Im Schlachtbetrieb selbst werde gewährleistet, dass Mitarbeiter, die eigentlich unter Quarantäne stehen, nicht doch beim Arbeitsplatz in Garrel auftauchen. Dies geschehe schon bei der Eingangsschleuse zum Schlachthof. "Die Chips der Betroffenen wurden gesperrt", erklärt Beumker.

Maßnahmen wie diese und ein "umfassenden Hygienekonzept" hätten zu der Entscheidung geführt, dass der Betrieb trotz der vielen Infektionen in dem Schlacht- und Zerlegebetrieb fortgesetzt werden dürfe, so Beumker.  Allerdings seien weitere Auflagen ausgesprochen worden: Der fortlaufende Datenaustausch mit dem Gesundheitsamt müsse gewährleistet sein. Und:  Die Mitarbeiter müssen derzeit täglich getestet werden.

Binnen einer Woche über 4200 Abstriche genommen

Allein zwischen 22. und 28. Februar seien durch das Unternehmen 4186 Abstriche genommen worden. Das Gesundheitsamt habe zusätzlich 54 Coronatests in den Unterkünften durchgeführt. Erkenntnisse, wie es zur Infektionskette im Schlachthof kommen konnte, gibt es derzeit noch nicht. " Das Gesundheitsamt sei "in dieser Angelegenheit intensiv tätig", versicherte Beumker. Erfahrungsgemäß gestalte es sich aber "schwierig, den Ursprung der Infektionskette auszumachen."

Insgesamt liegen dem Cloppenburger Gesundheitsamt am Dienstag 29 neue positive Testergebnisse aus 9 von 13 Städten und Gemeinden vor. Demgegenüber stehen 33 Personen, die seit Dienstag als genesen gelten. Dementsprechend sinkt die Zahl der aktiven und nachgewiesenen Infektionen im Kreisgebiet auf aktuell 453.

Unten den neuen Fällen sind außerdem drei Lehrer an drei verschiedenen Schulen: An der Oberschule in Bösel, an der Marienschule in Barßel und an der Grundschule in Markhausen. Das Gesundheitsamt habe entsprechende Maßnahmen veranlasst.

Die Infektionen nach der interfraktionellen Ratssitzung in Bösel ziehen unterdessen Kreise bis in die Verwaltungsspitze. Wie bereits am Dienstagmittag berichtet, ist Bürgermeister Hermann Block ebenfalls positiv getestet worden. Weil sein allgemeiner Vertreter, Rainer Hollje, als K1-Person unter Quarantäne steht, ist da sRathaus derzeit fürhrungslos. Die Verwaltungsgeschäfte werden derzeit aus dem Home-Office geführt.

Ratlosigkeit herrscht auch im Barßeler Rathaus: Die Nordkreis-Gemeinde hat derzeit eine 7-Tagesinzidenz von 280. Der Grund für die vielen Neuinfektion ist aber unklar. Die Verwaltung reagiert nun mit eigenen Maßnahmen auf die steigenden Coronazahlen.

19 infizierte Patienten in stationärer Behandlung

Die Lage in den 3 Krankenhäusern im Kreisgebiet: Zurzeit müssen 19 infizierte Patienten stationär behandelt werden - das sind 6 mehr als am Vortag. 4 von ihnen liegen auf der Intensivstation. Laut Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (kurz: DIVI) sind es 3, von denen 2 Patienten beatmet werden müssen. Nach derzeitigem Stand (2. März, 12.15 Uhr) sind 26 von 28 Intensivbetten belegt.

Wie bereits berichtet hat das Landesgesundheitsamt für den Landkreis Cloppenburg am Dienstag eine 7-Tagesinzidenz von 136,5 gemeldet. Das ist erneut der niedersachsenweit höchste Wert. Aktuell stehen 860 Einwohner des Landkreises unter amtlich angeordneter Quarantäne.


Ein Kommentar zu dem Thema von Matthias Bänsch (Redakteur):

Da schwant einem Böses, wenn man regelmäßig auf die Corona-Karte des Landkreises schaut. Ausgerechnet der Cloppenburger Nordkreis, der bislang während der Pandemie mit verhältnismäßig niedrigen Coronazahlen auffiel, sieht sich jetzt mit rasant steigenden Neuinfektionen konfrontiert. In Garrel und Friesoythe ist die britische Variante des Coronavirus bereits nachgewiesen worden - mit einer relativ zeitaufwändigen Gen-Analyse.

Gerade weil man bereits weiß, dass die Mutante noch ansteckender als das ursprüngliche Virus ist, scheint zumindest die Befürchtung berechtigt: Die Mutation breitet sich schon längst aus. Das kommt nicht überraschend - Virologen haben bereits vorausgesagt, dass die Mutation das ursprüngliche Virus vollständig ersetzen wird. Und das könnte in diesem Moment im relativ Verborgenen passieren. Denn der Nachweis auf Mutation dauert im Verhältnis zur Ausbreitung offenkundig zu lange. Doch nun sei im gleichen Atemzug die Frage erlaubt: Selbst wenn dieser Nachweis schneller gehen würde, was würde es uns bringen? Mehr Schutzmaßnahmen und Einschränkungen im Alltag sind kaum möglich.

Auch wenn die Ausbreitung der Mutation nicht überraschend kommt - sie kommt zur Unzeit. Die Gesellschaft und Wirtschaft sind müde vom Lockdown, die Rufe nach Lockerungen und Öffnungen zurück zum Alltag sind unüberhörbar. Nach dem Corona-Gipfel am Mittwoch gibt es angesichts der derzeitigen Entwicklung - nicht nur im Kreis Cloppenburg - eigentlich nur zwei Szenarien: Entweder die Maßnahmen gehen in eine weitere Verlängerung, die die Ausbreitung der Mutation allenfalls verlangsamt. Oder es gibt Lockerungen - die dann aber einen hohen Preis haben und uns sehr weit zurückwerfen könnten.

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