Varnhorn feiert sein 1150-jähriges Bestehen
Die Bauerschaft in der Gemeinde Visbek wurde 872 erstmalig urkundlich erwähnt. Seitdem ist durchaus einiges in dem Ort passiert.
Carina Meyer | 27.07.2023
Die Bauerschaft in der Gemeinde Visbek wurde 872 erstmalig urkundlich erwähnt. Seitdem ist durchaus einiges in dem Ort passiert.
Carina Meyer | 27.07.2023

Das Organisationsteam für die Jubiläumsfeier: Fabia Warnke (von links), Carolin Borchers mit Sohn Piet, Philipp Borchers, Gerd Hermes, Klaus Muhle, Christoph Bruns und Felix Feldhaus. Foto: C. Meyer
Varnhorn ist mittlerweile 1150 Jahre alt. Zu diesem Anlass veranstaltet die Bauerschaft vom 22. bis 24. September ein Festwochenende. Eigentlich ist es eine "1150-Jahre-plus-1-Feier", sagt Klaus Muhle vom Organisationsteam. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Bauerschaft im Jahr 872. Varnhorn hatte seinen 1150. Geburtstag also schon im vergangenen Jahr, doch wegen der Corona-Pandemie sei "nichts draus geworden". 2022 seien die letzten Sicherheitsauflagen aufgrund des Virus‘ gerade aufgehoben worden und viele Feiern, die zuvor schon verschoben wurden, wurden dann nachgeholt, ergänzt Philipp Borchers. Zudem brauche man ja genug Zeit im Vorfeld für die Planung, sagt Christoph Bruns. Das neunköpfige Organisationsteam hat somit seit dem Frühjahr für den 22. (Freitag) bis 24. (Sonntag) September ein buntes Programm zusammengestellt. Der Freitag steht ganz im Zeichen der Dorfgemeinschaft, wie aus dem Gespräch mit dem Team hervorgeht. Die Varnhornerinnen und Varnhorner seien zu einem "gemütlichen Beisammensein" eingeladen, so Klaus Muhle. Bei dieser Gelegenheit werde ein "Highlight" eingeweiht. Das Geheimnis, worum es sich dabei handelt, wollen die Verantwortlichen aber noch nicht lüften. Damit folgt das Organisationsteam einer gewissen Tradition. Vor 25 Jahren – also zur 1125-Jahr-Feier – wurde der Gedenkstein gegenüber der Gaststätte Bramlage eingeweiht. Am Samstag soll dann mit der Öffentlichkeit gefeiert werden. Ab 19 Uhr treffen sich die Feierwilligen beim Sportplatz. Musikalisch begleitet wird die Jubiläumsfeier vom Musikverein Visbek sowie von einem DJ. Außerdem soll es am Abend eine Tombola geben. Ab 15 Uhr geht es am Sonntag auf dem Sportplatz weiter. Neben Kaffee und Kuchen stehen auch einige Aktionen auf dem Programm. So tritt unter anderem Jonas Stärk aus Damme auf. Besonders Shantys haben es dem Entertainer angetan, wovon sich die Besucherinnen und Besucher in Varnhorn dann selbst überzeugen können. Es wird darüber hinaus eine Planwagen-Tour durch den Ort geben sowie die Möglichkeit, Varnhorn von oben zu erleben. Ein Programm für die Kleinsten werde es ebenfalls geben, versichern die Organisatoren. Eingeladen sind neben den etwa 340 Einwohnerinnen und Einwohnern von Varnhorn sowie der allgemeinen Öffentlichkeit insbesondere die mehr als 300 gebürtigen Varnhornerinnen und Varnhorner, die nicht mehr in der Bauerschaft leben, aber zu der Jubiläumsfeier speziell eingeladen worden sind, sagt Gerd Hermes. Varnhorn feiert gerne und die Feste seien geradezu "legendär", sagt Philipp Borchers und lacht. Das Bestehen der Bauerschaft wird seit der 1100-Jahr-Feier alle 25 Jahre zelebriert. Seitdem seien zwei neue Baugebiete hinzugekommen, was vermutlich einen Anteil daran hat, dass Klaus Muhle von einem "gesunden Dorf" – also einer guten Mischung von älteren und jüngeren Menschen – spricht. Philipp Borchers ist selbst jemand, der aus dem Ort Visbek nach Varnhorn gezogen ist und das Dorfleben in der Bauerschaft sehr schätzt. "Jeder redet mit jedem. Man sitzt immer zusammen", sagt er. Das mache für ihn den Charme von Varnhorn aus. In der jüngeren Geschichte der Bauerschaft machte Varnhorn vor allem mit seinem Widerstand gegen das neue Gewerbegebiet an der Wildeshauser Straße (Siedenbögener Esch) auf sich aufmerksam. "Das war ein großes Thema hier", weiß Klaus Muhle, sogar eine Demonstration habe es gegeben. Über Jahre zogen sich die Planungen, die Debatten und Proteste, am Ende – die Erschließung erfolgte 2020 – wurde das Gewerbegebiet dann doch realisiert. Die Geschichte von Varnhorn geht allerdings sehr weit zurück. Vorgeschichtliche Steindenkmäler zeugen von einer frühen Besiedelung in der Jungsteinzeit. Erstmalig namentlich erwähnt wird die Ortschaft unter dem Namen "Farnthorpe" im Oldenburger Urkundenbuch im Jahr 872. Der 1997 errichtete Gedenkstein erinnert an das Datum. Eine weitere Gedenkstätte befindet sich in der Nähe der Großsteingrabanlage Schmeersteine, wo an das Schicksal von sechs Kinder erinnert wird, die am 12. Mai 1945, 4 Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, bei der Explosion einer Panzerfaust ums Leben kamen, als sie bei Aufräumarbeiten halfen. Das Wahrzeichen von Varnhorn ist aber der Schafstall, der im Jahr 1811 errichtet wurde. Und was ist so besonders an dem Stall? Nicht nur, dass er der einzig erhaltende aus der Zeit in der Gemeinde Visbek ist, wie aus der Chronik der Bauerschaft hervorgeht, es soll auch ein berühmter Feldherr darin übernachtet haben. Kaiser Napoleon I. soll angeblich zwischen 1811 und 1813 auf dem Rückweg nach einem Russland-Feldzug wegen eines Radschadens an seiner Kalesche in dem Stall übernachtet haben. Gesichert ist diese Anekdote allerdings nicht.Jubiläumsfeier ist am 23. September beim Sportplatz
Insbesondere Ehemalige sollen sich angesprochen fühlen
Im Schafstall soll schon Napoleon genächtigt haben
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