Partner wollen 170 Jahre gedruckte Geschichte retten: Die Digitalisierung historischer OV-Ausgaben beginnt
In den Archiven lagern Ausgaben der Oldenburgischen Volkszeitung bis zurück ins Jahr 1834. Sie werden Teil einer großen Datenbank über die Geschichte der Region.
Aufwendig: Alle Zeitungsseiten müssen von Hand eingescannt werden. Sabrina Tabeling (4. von links) erklärt, wie das funktioniert. Foto: Chowanietz
Der Heimatbund für das Oldenburger Münsterland und die OM-Medien starten die Digitalisierung der historischen Ausgaben der Oldenburgischen Volkszeitung (OV) bis zurück ins Jahr 1834. Die Beteiligten wollen die Daten damit in den kommenden Jahren Stück für Stück weltweit kostenlos verfügbar machen und vor dem Zerfall retten. Viele Ausgaben sind bereits in einem schlechten Zustand.
Für die Präsidentin des Heimatbunds, Steinfelds frühere Bürgermeisterin Manuela Honkomp, ist der Start des Digitalisierungsprojekts ein großer Schritt zur Rettung der gedruckten Regionalgeschichte. Ziel sei es, künftig allen Interessierten weltweit das Gedächtnis des Oldenburger Münsterlands zur Verfügung zu stellen. Sämtliche Zeitungsseiten sollen durch die Verarbeitung der Texterkennung nach Begriffen und Schlagwörtern durchsuchbar sein – auch bei Texten in Frakturschrift.
Der Heimatbund ist in dem Projekt federführend und hat nach einer öffentlichen Ausschreibung den aufwendigsten Teil der Arbeit an das Andreaswerk vergeben. Die Beschäftigten des Trägers sollen in der Werkstatt am Brägeler Forst in Lohne die 600.000 Seiten der archivierten Zeitungsbände einscannen – per Hand. Maschinell sei das bei den empfindlichen, alten Zeitungsseiten nicht möglich, sagt Sabrina Tabeling, Leiterin der Heimatbibliothek des Heimatbunds. Bis zu drei Jahre werde die Umsetzung des Projekts wegen der aufwendigen Handarbeit dauern.
Rennen mit der Zeit
Die Initiatoren stecken insgesamt 275.000 Euro in das Projekt. Den Großteil der Summe stemmt der Heimatbund über EU-Fördergelder aus dem Topf der Leader Region Vechta und einer Kofinanzierung der Kommunen aus dem gesamten Landkreis Vechta. Das Amt für Regionale Landentwicklung in Oldenburg (ArL) hat den Antrag des Verbands bewilligt. Den Rest von rund 20.000 Euro übernehmen die VR-Stiftung, die Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken im Kreis Vechta, die LzO-Stiftung Vechta und Gesellschafter der OM-Medien.
Spuren der Zeit: Das Papier dieser Ausgabe aus dem Jahr 1933 bröckelt langsam vor sich hin. Die Seiten sind stellenweise unleserlich. Foto: Chowanietz
Für den Verlag ist die Digitalisierung der historischen Ausgaben schon lange ein Thema. Das Vorhaben sei allerdings immer wieder an den hohen Kosten gescheitert, sagt OM-Medien-Chefredakteur Ulrich Suffner. In den Jahren haben sich die Kosten allerdings mehr als halbiert. Das Projekt sei gleichzeitig aber immer dringender geworden. Die Digitalisierung sei im Kampf gegen den Verfall der alten Papierseiten auch ein Rennen mit der Zeit. Für Heimat- und Regionalforscher seien die alten Zeitungen ein großer Schatz.
Konkret geht es in dem Projekt um die gedruckten Ausgaben der Oldenburgischen Volkszeitung der Jahre 1834 bis 2006. Danach hat der Verlag selbst sämtliche Ausgaben digital archiviert und stellt diese auch für die neue Datenbank zur Verfügung.
Eine gerichtsfeste Lösung musste her
Online veröffentlichen werden die Beteiligten zunächst allerdings nur die Zeitungen bis 1945. Der Heimatbund macht die alten OV-Ausgaben über das Online-Portal der Landesbibliothek in Oldenburg kostenlos nutzbar. Alle späteren Ausgaben – nach Zwangspause für die OV nach Kriegsende bis 1949 –gibt es zur Einsicht vorerst nur an Geräten in der Heimatbibliothek. Jahr für Jahr soll dann aber ein weiterer Jahrgang freigeschaltet werden.
Grund für das Vorgehen sind Urheberrechte. Diese verfallen üblicherweise erst 70 Jahre nach dem Tod des jeweiligen Autors oder Fotografen. Danach wäre die Online-Nutzung von Texten und Fotos nur mit Genehmigung der Urheber oder ihrer Nachfahren möglich.
Heimatbund-Geschäftsführerin Gisela Lünnemann erklärt aber: Die Beteiligten hätten sich wegen der Urheberrechtsfragen vor dem Start des Projekts eingehend juristisch beraten lassen. Die Lösung mit der sogenannten Bibliotheksschranke sei gerichtsfest. Es gebe damit kein Risiko eines Urheberrechtsstreits. Das Thema sei bereits abschließend vor Gericht ausgefochten worden.
Digitales Gedächtnis
Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug ist Vorsitzender der Lokalen Arbeitsgemeinschaft des Leader-Programms im Kreis Vechta. Er sagt: Die Digitalisierung der historischen Zeitungen sei ein absolutes Leuchtturmprojekt, etwas ganz Besonderes. Das Projekt sei eine Riesen-Chance, die lokale Geschichte für die Zukunft zu erhalten; für Forscher und für Vereine, die etwa Informationen für ihre Chroniken brauchten.
Die EU-Mittel kommen: (von links) vom Leader-Projekt Irene Lammers, Antonius Haverkamp und Dr. Wolfgang Krug, vom Amt für Landentwicklung Patricia Bonney, für den Heimatbund Präsidentin Manuela Honkomp, Kathrin Öenbrink, Gisela Lünnemann und Sabrina Tabeling sowie OM-Medien-Chefredakteuer Ulrich Suffner. Foto: Chowanietz
Nach den Richtlinien für die Leader-Förderung müssen sich alle Kommunen mit einem gleich hohen Anteil an dem Projekt mit dem offiziellen Titel „Heimat hat Zukunft – Digitalisierung der Oldenburgischen Volkszeitung“ beteiligen: in Summe 70.060 Euro aus den Kassen der Städte und Gemeinden und des Landkreises. 157.829 Euro kommen laut Zuwendungsbescheid aus EU-Mitteln.
Das ArL unterstützt das Projekt. Referatsleiterin Particia Bonney sagt: Es sei wichtig, dass die Zeitungen als Gedächtnis der Region nicht verloren gingen.