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Nach Wolfsabschuss: NABU kritisiert "Wild-West"-Methoden

Die Naturschützer halten das Vorgehen in Löningen für nicht legitim. Das Umweltministerium sieht aber keine rechtlichen Bedenken.

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Streitobjekt Wolf: Der Abschuss einer Fähe bei Löningen stößt auf unterschiedliche Reaktionen. Foto: picture alliance/dpa | Carsten Rehder

Streitobjekt Wolf: Der Abschuss einer Fähe bei Löningen stößt auf unterschiedliche Reaktionen. Foto: picture alliance/dpa | Carsten Rehder

Nach dem Abschuss einer Wölfin im Raum Löningen hat der Naturschutzbund Zweifel an der Rechtmäßigkeit geäußert. „Wir sind hier nicht im Wilden Westen, wo nach Gutdünken Wölfe abgeschossen werden, bis man den richtigen Wolf irgendwann trifft“, erklärt Nabu-Vorsitzender Dr. Holger Buschmann. Das Landesumweltministerium sieht jedoch keine rechtlichen Verfehlungen.  

Die Fähe war in der Nacht zu Donnerstag erlegt worden (OM online berichtete). Sie gehörte zum Rudel Herzlake, in dessen Territorium seit 2018 rund 500 Schafe von Wölfen gerissen wurden. Wie das Umweltministerium mitteilt, hatte des NLWKN am 20. März 2020 eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung eines weiblichen Wolfs erteilt. Diese war bis zum 15. April 2020 befristet. Die darauffolgenden Risse konnten die Experten genetisch überwiegend einem männlichen Wolf des Rudels zurechnen. Im September vergangenen Jahres wurde dieses Tier zum Abschuss freigegeben. Trotzdem sei der Abschuss der Wölfin nach dem Bundesnaturschutzgesetz gedeckt, schreibt das Ministerium. Eine sichere Identifizierung des Tieres im Gelände sei nicht zweifelsfrei möglich. „Sie kann nur über den „räumlich-zeitlichen Zusammenhang in Anknüpfung an die Schadensereignisse erfolgen“.

NABU: Wölfin könnte trächtig gewesen sein

Der Nabu fordert das Ministerium auf, die Abschussgenehmigungen für auffällige Wölfe öffentlich zu machen und transparent darzulegen, weshalb einzelne Wölfe entnommen werden sollen. „Wir wissen nicht, wie dieser Abschuss sich auf die Rudelstruktur auswirken wird, denn ein Elternpaar bleibt meist lebenslang zusammen und besetzt gemeinsam ein Revier“, erklärt Dr. Buschmann. Sollte es sich um die Leitwölfin gehandelt haben, sei sie zu dieser Jahreszeit vermutlich trächtig gewesen. Der Verband fordert das Umweltministerium auf, statt auf Abschüsse vermehrt auf Herdenschutzmaßnahmen zu setzen.

Von Wolfsattacken betroffen war in den vergangenen Jahren vor allem der Löninger Schäfer Egbert Ostermann. Gegenüber OM online wollte er sich am Freitag nicht zu dem Abschuss äußern. „Es ist besser, das Ganze erst einmal sacken zu lassen“, sagte er am Telefon. Die Tötung der Fähe begrüßt hat dafür Petra Appeldorn. Sie ist Sprecherin einer Bürgerinitiative, die sich für den Schutz von Weidetieren einsetzt. In den vergangenen Monaten war es trotz Sichtungen ruhiger um die Wölfe im Raum Löningen geworden. Appeldorn vermutet, dass sie im Winter vor allem Wildtiere reißen.

"Unsere Meinung wird gar nicht wahrgenommen."Petra Appeldorn, Pferdehalterin 

Die Bürgerinititaive hatte vor einigen Wochen in einem Schreiben an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf den aus ihrer Sicht günstigen Erhaltungszustand des Wolfes hingewiesen und Obergrenzen gefordert. Eine Antwort aus Berlin habe sie nicht erhalten, bedauert Appeldorn. „Wir als Bürger haben den Eindruck, dass unsere Meinung gar nicht wahrgenommen wird.“ Sie hat sich jetzt hilfesuchend an die Europäische Union gewandt. „Die Bundesregierung verletzt mit ihrer Wolfspolitik ihre Verpflichtungen gegenüber dem Schutz seltener Nutztierrassen“, sagt die  Pferdehalterin. Die Löningerin beklagt auch den oft rüden Ton beim Thema Wolf in den sozialen Medien.

Mit der Fähe wurde in Niedersachsen seit 2016 erstmals wieder ein Wolf offiziell von Jägern geschossen. Damals traf es ein verhaltensauffälliges Tier aus der Lüneburger Heide, berichtet Wolfsberater Hermann Wreesmann. Wie sich das Fehlen der Wölfin im Rudel bemerkbar macht, mag der Experte nicht beurteilen. „Wenn es sich um eines der beiden Leittiere gehandelt hat, kann sich das Sozialverhalten ändern.“ Wreesmann geht aber davon aus, dass eine andere Wölfin den frei gewordenen Platz einnehmen wird.  

Zwischen Revieren verläuft unsichtbare Grenze

Im Westen des Landkreises beanspruchen aktuell zwei Wolfspopulationen Territorien für sich. Neben dem Herzlaker Rudel, das die Gebiete im Kreisdreieck Osnabrück, Emsland und Cloppenburg besetzt, beansprucht das Werlter Rudel den nördlichen Bereich vom Eleonorenwald bis zur Thülsfelder Talsperre. „Zwischen beiden Gebieten verläuft eine unsichtbare Grenze, die von den Wölfen nicht überschritten wird“, erklärt Wreesmann. Neben Rehwild würden sie sich jetzt vermutlich auch von Nutria ernähren. Die Nager seien wegen der Kälte geschwächt. Der Wolfsberater schätzt die Zahl der Wölfe auf sechs bis acht pro Rudel. „Sobald der Nachwuchs alt genug ist, wird er aus dem Revier vertrieben.“ Auch durchziehende Artgenossen sind nicht willkommen. „Es kommt dann zu Kämpfen, bei denen sich die Wölfe gegenseitig auch töten können“.

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