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#Luxusleben

Kolumne: Irgendwas mit # – Was bedeutet eigentlich Luxus? Geld, Autos und teure Klamotten? Oder ist ein #Luxusleben ein Leben in Frieden?

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Angst. Sie ist unser ständiger Begleiter im Leben. Jeder weiß, wie sich Angst anfühlt. Manchmal sind wir panisch, manchmal sind die Sorgen klein. Mit dem Älterwerden können wir einiges abschütteln, dafür kommt neues hinzu.

Wir haben Angst, nicht gemocht zu werden. Angst vor Veränderung, Angst vor Höhe, vor Hunden, vorm Zahnarzt, Angst in ein Flugzeug zu steigen oder Angst vor einer Prüfung. Wir haben Angst vor Montagen, Angst vor Krankheiten, Angst vor dem Tod, Angst in der Dunkelheit. Angst vor Krieg?

Wir lernen unser Leben lang mit den Gefühlen umzugehen. Aber am leichtesten ist es, Hand aufs Herz, sie einfach von sich zu schieben, sie zu unterdrücken. Oder: Ablenkung zu finden.

Die Corona-Sorgen scheinen wie weggeblasen 

2 Jahre lang war das mit der Ablenkung allerdings gar nicht so einfach. Das Leben stand still. Und die Angst wurde präsenter. Einsamkeit, Existenzängste, Angst vor einer Infektion, Angst um die Familie. Wie sollte es nur weitergehen?

Doch mit einem Schlag scheinen die Corona-Sorgen wie weggeblasen. Ersetzt werden sie durch eine neue (schlimmere?) Angst. Zeitungsartikel, Fernsehsendungen, Tweets, Posts, Gespräche, Demos: Alles dreht sich um den Krieg in Europa.

"Meine Generation kennt keinen Krieg. Keine Nächte im Bunker. Keine Angst vor Raketeneinschlägen. Keine Flucht." Joanna Abou Boutros 

Es ist verrückt, aber die eigenen Sorgen, so echt und so bedrohlich sie auch sein mögen, erscheinen plötzlich winzig klein. Zumindest ich denke mir: Was die Menschen in der Ukraine grade erleben, ist viel schlimmer als das, was ich durchmache. Und: Wie gut wir es haben, dass wir in Deutschland so aufgewachsen sind. Ohne Krieg. Meine Generation kennt keinen Krieg. Keine Nächte im Bunker. Keine Angst vor Raketeneinschlägen. Keine Flucht.

„Ihr lebt ein Luxusleben.“ Den Satz hat mein Vater mir und meinem Bruder immer und immer wieder gesagt. Als Kind habe ich’s nicht wirklich verstanden. Heute aber kommt's mir ständig in den Sinn.

„Ihr lebt ein Luxusleben.“ Wir haben genickt. Gelacht. Uns gefreut, an schlechten Tagen genervt reagiert oder auch einfach mal gar nichts gesagt. Warum auch? Wo war er denn, unser Luxus? Wo war das große Haus? Die dicken Autos, die teuren Klamotten?

Was bedeutet Luxus?

Sicher, mit der Zeit habe ich verstanden, was mein Vater, der in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist, mit Luxus meint. Nicht Geld. Frieden. Und all das, was wir für selbstverständlich nehmen: das Recht auf Bildung. Ein Dach über dem Kopf. Sauberes Wasser. Strom. Essen und Trinken. Dass andere Menschen das alles nicht haben, ist fast unvorstellbar – aber auch bittere Realität. Nicht nur in der Ukraine.

Doch neben all den schlechten Nachrichten – aus der Ukraine und Corona ist natürlich auch noch da – gibt es eine Sache, die mich in diesen Tagen glücklich macht: die Hilfsbereitschaft der Menschen vor Ort. Überall im Oldenburger Münsterland werden Hilfsgüter gespendet, verpackt und an die ukrainische Grenze gebracht. Andere helfen vor Ort und nehmen Geflüchtete bei sich auf. Das OM hält zusammen. Ein schönes Gefühl, das die Angst erträglicher macht.


Zur Person:

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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