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Hunderte Landwirte blockieren Lidl-Lager in Cloppenburg

Die Wut ist groß. Seit Sonntag protestieren viele Bauern vor dem Cloppenburger Zentrallager gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels. Die Polizei versucht vor Ort zu vermitteln. (Update)

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Protest in Cloppenburg: Die Landwirte fordern ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Lebensmittel-Discounters. Foto: Hermes

Protest in Cloppenburg: Die Landwirte fordern ein Gespräch mit dem Geschäftsführer des Lebensmittel-Discounters. Foto: Hermes

Nach einer kalten Nacht haben auch am Montag mehrere hundert Landwirte vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg weiter protestiert. Wie berichtet, waren am Sonntagabend zahlreiche Trecker am Brookweg vorgefahren, um dort die Zufahrt zu versperren.

Am Montagmittag wollten sich viele Teilnehmer gegenüber Pressevertretern nicht offiziell äußern. Die angesprochenen Demonstranten verwiesen darauf, dass sie nur als Privatperson vor Ort und nicht zuständig seien. Nach eigenen Angaben war auch kein Verein oder Verband für die Demonstration verantwortlich. „Wir sind als Familienväter und Hof-Nachfolger hier vor Ort“, so der Tenor der Demonstranten in einem Gespräch mit Polizei-Einsatzleiter Walter Sieveke.

Zentrale Forderung war ein „persönliches Gespräch auf Augenhöhe“ in Cloppenburg mit Klaus Gehrig, Leiter der Schwarz-Gruppe und Aufsichtsrat-Chef von Lidl und Kaufland. Dieser sollte aus in Neckarsulm anreisen. „Wir stehen seit Sonntagabend hier, er hatte jetzt schon zwölf Stunden Zeit“, sagten die Demonstranten bereits am Montagvormittag.

Anschließend wurden mehrere Termine angekündigt: Erst sollte sich etwas um 12 Uhr ergeben, dann um 15 Uhr und auch für 15.45 Uhr wurde eine Stellungnahme des Unternehmens angekündigt. Weil alles wortlos verstrich, sprachen die Landwirte von Arroganz der Gegenseite. Es müsse endlich etwas passieren, man sei schon lange genug auf der Straße gewesen. Es könne nicht sein, dass man immer wieder zu solch Blockaden greifen müsse, um sich Gehör zu verschaffen: „Und von Gesprächen können wir uns kein Brot kaufen, es geht um die Zukunft für junge Landwirte.“

Am Abend, gegen 17.30 Uhr, trat dann schließlich Zentrallager-Geschäftsführer Ludger Otten vor die Demonstranten: „Wir wollen gemeinsam Wege und Lösungen finden und sind gesprächsbereit. Zurzeit stehen wir auch im Austausch mit Verbänden.“ Allerdings teilte Otten auch mit, dass Klaus Gehrig am Montag nicht nach Cloppenburg kommen werde.

Antwort des Unternehmens stellt Demonstranten nicht zufrieden

Dies stellte die Landwirte erwartungsgemäß nicht zufrieden. „Verbände interessieren uns jetzt nicht, wir von der Basis wollen ein Gespräch auf Augenhöhe“, hieß es aus der Gruppe heraus. Das Unternehmen sei nicht auf die Forderung eingegangen, deshalb werde man das Lager auch weiter blockieren.

„Aus Sicht der Polizei müssen wir schauen, wie lange wir so etwas noch dulden. Irgendwann ist es auch gut gewesen“, erklärte Sieveke direkt nach dem Statement von Otten gegenüber OM Online. Er lobte die Demonstranten jedoch auch für die Einhaltung der Maskenpflicht und Corona-Vorgaben.

„Wir können auch mehrere Nächte bleiben“

Sieveke war dabei nicht zu beneiden. Der Einsatzleiter trat als Vermittler zwischen Landwirten, Vertretern des Cloppenburger Lidl-Lagers sowie der Geschäftsführung des Gesamtunternehmens in Neckarsulm auf. Immer wieder pendelte er von der Auffahrt zum Lager den Büroräumen und wieder zurück, das Telefon dabei stets am Ohr.

Die Landwirte jedenfalls hatten sich auf eine längere Aktion vorbereitet. Feuertonnen halfen gegen die Kälte, Brötchen und Kaffee gegen Hunger und Durst. „Wir können auch mehrere Nächte bleiben“, war immer wieder zu hören. Sie scheinen gut vernetzt, denn mit einem Rotationsprinzip sorgten sie dafür, dass immer wieder zahlreiche Trecker nachkamen.

Sieveke nahm am Montagvormittag das Gespräch mit den Teilnehmern auf. Dabei wies er schon daraufhin, dass aus polizeilicher Sicht eine Nötigung vorliege. Schließlich würden andere Personen in ihrer Freiheit und an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. Beamte der Cloppenburger Polizei notierten sich Kennzeichen, zudem wurden Luftbilder per Drohne angefertigt. Es könne auch einen möglichen Regressanspruch seitens des Unternehmens geben. „Ich möchte offen und transparent sein und informiere sie darüber“, sagte Sieveke.

Nach einer kalten Nacht haben auch am Montag mehrere hundert Landwirte vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg weiter protestiert. Fotos: Hemes
Foto: Hermes
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Die Traktoren-Kolonne machte sich bereits am Sonntagabend auf dem Weg nach Cloppenburg. Fotos: Meyer

Die Demonstranten kritisierten derweil unter anderem, dass die Lebensmittelketten ihre Bestellungen erst nach vier bis sechs Wochen zahlen. Aufgrund der gesellschaftlichen Anforderungen an die Landwirtschaft sollten zudem auf dem deutschen Markt auch nur Produkte verkauft werden, die den deutschen Produktionsstandards entsprechen.

„Wir brauchen zwingend deutlich höhere Erlöse für die Erzeugnisse aus unserer heimischen Landwirtschaft. Um unsere Betriebe erhalten und wirtschaftlich nachhaltig weiterentwickeln zu können, brauchen wir jetzt von unseren Verarbeitern mehr Geld auf den Höfen“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Landwirte.

Die Lage sei sehr prekär: Momentan müssten Landwirte Geld mitbringen, um arbeiten zu können. Ein weiterer Kritikpunkt ist die große Differenz zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen. Während die Schweinehalter um ihre Existenzen kämpften, würden die Verbraucher an der Ladentheke ähnlich hohe Preise für Fleisch zahlen wie vor dem Corona- und ASP-bedingten Verfall der Erzeugerpreise, kritisierte Cloppenburgs Kreislandvolkvorsitzender Hubertus Berges vergangene Woche.

Im Zuge der Demo war es rund um das Lidl-Gelände in Emstekerfeld zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Auch im Ecopark in Drantum kam es zu Stauzeiten von Lkw, ersten Erkenntnissen zufolge musste Lidl gestern rund 150 Fahrzeuge umdisponieren.

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