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Gesprengte Geldautomaten: Polizei nimmt 13 Männer in mehreren Ländern fest

Es ist zumindest ein Teilerfolg gegen die organisierten Banden, die Geldautomaten in die Luft jagen und mittlerweile dabei immer rücksichtsloser vorgehen. In diesem Fall geht es um 12 Sprengungen.

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Insgesamt gab es am Dienstag 16 Durchsuchungen in Deutschland und den Niederlanden.

Foto: Polizei Osnabrück

Insgesamt gab es am Dienstag 16 Durchsuchungen in Deutschland und den Niederlanden. Foto: Polizei Osnabrück

Die Polizei hat in Deutschland und den Niederlanden 13 Männer festgenommen. Sie stehen unter dem Verdacht, mindestens 12 Geldautomaten gesprengt zu haben. Die Festnahmen seien "in mehreren Ländern" erfolgt. Das berichten die Polizeidirektion und Staatsanwaltschaft in Osnabrück am Mittwochmorgen in einer gemeinsamen Presserklärung. Demnach fanden die Festnahmen und Hausdurchsuchungen in einer internationalen Polizeiaktion zeitgleich statt. Über 100 Polizisten aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und den Niederlanden sind dabei im Einsatz gewesen.

Während der Aktion seien am Dienstag 16 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht worden, berichtet Marco Ellermann, Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück. Ein Schwerpunkt seien dabei Fahrzeugvermieter gewesen. 12 weitere Wohnungen und Geschäfte sind bereits im Vorfeld der Aktion durchsucht worden.

Niederländische Spezialkräfte der Polizei drangen am Dienstag in Amsterdam in eine Wohnung ein, in der ein mutmaßlicher Automaten-Sprenger festgenommen werden sollte.

Foto: Politie AmsterdamNiederländische Spezialkräfte der Polizei drangen am Dienstag in Amsterdam in eine Wohnung ein, in der ein mutmaßlicher Automaten-Sprenger festgenommen werden sollte. Foto: Politie Amsterdam

Dabei sind laut Polizeiangaben 80 Mobiltelefone, mehrere Computer und Tablets sowie zahlreiche Datenträger beschlagnahmt worden. Diese würden nun akribisch ausgewertet werden. Dass die gut organisierten Täter vor allem über Handy kommunizieren, habe einmal mehr die Durchsuchung einer Wohnung in Recklinghausen gezeigt. Allein hier fanden die Ermittler 35 Mobiltelefone. Es sei außerdem ein Jammer entdeckt worden. Mit diesem Gerät können Funksignale gestört oder gar unterbrochen werden.

Dieser Gruppe, der 17 Mitglieder zugeordnet werden, werden 12 Geldautomatensprengungen zur Last gelegt. 6 in Rheinland-Pfalz, 3 in Nordrhein-Westfalen, eine in Hessen – 2 in Niedersachsen. Ob dazu auch die jüngsten Fälle im Landkreis Vechta oder in der Nachbarschaft des Oldenburger Münsterlandes zählen, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit. Die jüngsten Tatorte im Oldenburger Münsterland liegen in Neuenkirchen-Vörden, Holdorf und Goldenstedt. Die Sprecher haben weitere Details im Rahmen einer Pressekonferenz am 1. Juli angekündigt. In einer ersten Einschätzung ist von einem entstandenen Schaden von 4 Millionen Euro die Rede.

Bei den Ermittlungen, die ein halbes Jahr in Anspruch nahmen, haben mehrere Behörden kooperiert: die Zentrale Kriminalinspektion der Staatsanwaltschaft Osnabrück, die Staatsanwaltschaft Mainz, das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das hessische Landeskriminalamt sowie das Polizeipräsidium Mittelhessen, die Staatsanwaltschaft und die Polizei in Amsterdam, die Bundespolizei und Europol.

Täter nutzen immer häufiger Festsprengstoff

Die alarmierende Erkenntnis: Die Täter nutzen bei den Sprengungen nicht mehr wie früher ein Gasgemisch, sondern Festsprengstoff. Dadurch wächst die Gefahr, dass durch die Explosionen Anwohner oder Passanten verletzt oder gar getötet werden. "Ein Trend, den auch das Bundeskriminalamt für das gesamte Bundesgebiet bestätigt", berichtet Polizeisprecher Ellermann. Wie bereits mehrfach berichtet, haben die Banken mittlerweile ihre Automaten dahingehend aufgerüstet, dass die Sprengungen durch Einleitung von Gas nicht mehr zum erhofften Erfolg der Täter führt. Detektoren lösen entweder Alarm aus. Oder das Geld im Automaten wird unbrauchbar gemacht.

Dieser Audi RS 6 wurde während der Flucht nach einer Geldautomatensprengung in Melle im Februar 2022 bei Osnabrück gestoppt. Jetzt konnten durch die Ermittlungen zwei der drei flüchtigen Täter gefasst werden.

Bild: Polizei OsnabrückDieser Audi RS 6 wurde während der Flucht nach einer Geldautomatensprengung in Melle im Februar 2022 bei Osnabrück gestoppt. Jetzt konnten durch die Ermittlungen zwei der drei flüchtigen Täter gefasst werden. Bild: Polizei Osnabrück

Eine weitere Erkenntnis: Die Fluchtfahrten nach den Sprengungen werden immer waghalsiger. Die Polizei berichtet von Fahrten mit über 250 Stundenkilometern. Gerade weil für die Taten hochmotorisierte Fahrzeuge genutzt werden, legten die Ermittler den Fokus in die Logistik der Banden. Dies hängt wiederum mit den Erkenntnissen einer früheren Polizeiaktion im Herbst 2021 zusammen. Damals sei es den Ermittlern erstmals gelungen, in die inneren Strukturen der Banden einzudringen. Aus diesem Grund sind auch verschiedene Fahrzeugverleiher Bestandteil der Razzia gewesen. Sie sollen den Verdächtigen ihre Fahrzeuge für die Taten vermietet haben. In den Niederlanden sind ein Audi S5 und ein Motorrad der Marke BMW beschlagnahmt worden.

"Ich bin mir sicher, diese Gemeinschaftsaktion der Sicherheitsbehörden wird sich bei den Tätern rumsprechen. Wir lassen nicht locker und bleiben dran", sagt Michael Maßmann, Präsident der Polizeidirektion Osnabrück am Mittwoch. Auch Bernard Südbeck, Leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Osnabrück, zeigte sich mit dem Erfolg zufrieden. Seit über 2 Jahren arbeitet die Ermittlungsgruppe „EK Beagle“ der Osnabrücker Polizei mit der Staatsanwaltschaft Osnabrück speziell an der Aufklärung der Geldautomatensprengungen in der gesamten Region.

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