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Gang auf die Weide sorgt für Glücksgefühle

Auf dem Sonnenhof in Langförden-Deindrup grasen jetzt wieder etwa 600 Schafe in der Natur. Die Tierhaltung hat auch einen hohen pädagogischen Stellenwert.

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Auf die Plätze, fertig, los: Für die Mutterschafe und ihre Lämmer gibt es kein Halten mehr, als sich die Klappe des Tiertransporters öffnet. Auch für die Mitarbeiter des Sonnenhofes ist der Weidegang immer wieder ein Glücksmoment.   Foto: Speckmann

Auf die Plätze, fertig, los: Für die Mutterschafe und ihre Lämmer gibt es kein Halten mehr, als sich die Klappe des Tiertransporters öffnet. Auch für die Mitarbeiter des Sonnenhofes ist der Weidegang immer wieder ein Glücksmoment.   Foto: Speckmann

Auf dem Sonnenhof in Langförden-Deindrup herrschen Frühlingsgefühle. Die Lämmer können es kaum abwarten, in die Natur gelassen zu werden. Sobald sich die Klappe des Transporters öffnet, stürmen die kleinen Schafe auf die Weide und beginnen, erstmals an dem frischen Gras zu knabbern. Immer ganz in der Nähe ihrer Muttertiere, die ihnen wie selbstverständlich den Weg weisen.

Für die Mitarbeiter der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Sonnenhof ist es jedes Frühjahr ein Glücksmoment, wenn sie die Tiere nach dem langen Winter wieder auf die Weide lassen können und sich die Fütterung dann quasi von selbst regelt. 4 Monate haben die Schafe im Stall verbracht. Hier sind im März die Lämmer zur Welt gekommen. Nun erleben sie bei frühlingshaften Temperaturen den Sonnenschein.

Der Lärmpegel im Tierstall steigt, als die landwirtschaftlichen Mitarbeiter unter der Regie von Werkstattleiter und Vorstand Conrad Traidl zur Tat schreiten. Gut 600 Schafe, darunter etwa 360 Lämmer, blöken förmlich im Chor. Sie rechnen ganz offensichtlich mit ihrer nächsten Mahlzeit. Aber Carlo Lo Bosco ist überzeugt: „Die freuen sich, dass es jetzt nach draußen geht. Dort können sie laufen und Gras fressen, wie sie es lieben.“

Carlo Lo Bosco ist einer von 45 Menschen mit Unterstützungsbedarf, wie es in der Fachsprache heißt, die auf dem Sonnenhof in vielfältiger Form beschäftigt sind. Der 37-Jährige kennt die Arbeit in- und auswendig, hat schon viel miterlebt, wie er berichtet. Warum er sich bei seinem Einstand 2004 für den landwirtschaftlichen Bereich entschieden hat, ist schnell gesagt: „Weil ich draußen an der frischen Luft bin.“

Auch Kollegin Stefanie Blümke gefällt die Arbeit in der Landwirtschaft. „Ich bin gerne an der frischen Luft und mache gerne etwas mit Tieren“, sagt die 25-Jährige. Im Umgang mit den Schafen und Rindern hat sie ausreichend Gelegenheit, ihren Fähigkeiten, Interessen und Begabungen nachzugehen. Die Landwirtschaft steht im Einklang mit der Natur, ist vielfältig aufgestellt und bietet somit ein breites Lernfeld.

Mutterschafherde ist deutlich gewachsen

In dem Bereich Landwirtschaft sind aktuell 17 Mitarbeiter im Einsatz. Sie bewirtschaften etwa 70 Hektar, davon entfallen 15 Hektar auf den Ackerbau mit Kartoffeln, Getreide und Gemüse. Seit dem Bau des großen Stalls im Jahr 2011 ist die Schafherde deutlich gewachsen. Sie umfasst 200 Muttertiere und deren 320 Lämmer. Hinzu kommen 50 Tiere in der Nachzucht und – nicht zu vergessen – 6 Zuchtböcke.

Kleiner Piks vor dem Auftrieb auf die Weide: Landwirtschaftsmeister Conrad Traidl verpasst den Schafen eine Schutzimpfung. Foto: SpeckmannKleiner Piks vor dem Auftrieb auf die Weide: Landwirtschaftsmeister Conrad Traidl verpasst den Schafen eine Schutzimpfung. Foto: Speckmann

„Für unsere Arbeit hat die Tierhaltung einen ganz hohen pädagogischen Stellenwert“, erläutert Traidl. Insbesondere der Umgang mit Schafen wirke beruhigend, ausgleichend und entschleunigend. Im Unterschied zum Montage-Bereich gehe es hier nicht um etwas Abstraktes. Die Versorgung und Pflege der Lebewesen sei eine nachvollziehbare Arbeit.

„Sie sind wichtige, unentbehrliche Mitarbeiter. Die Tätigkeit unterscheidet sich nicht von Arbeitsabläufen in anderen Schäfereien.“Conrad Traidl, Werkstattleiter und Vorstand der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Sonnenhof

Aus der Herdenverbundenheit der Schafe können die Menschen auch für sich etwas ableiten. Hier geht es um den Zusammenhalt. Trotz des sozialtherapeutischen Hintergrunds sollen die Menschen mit Behinderung aber nicht automatisch einen Sonderstatus im Job haben, wie Traidl betont: „Sie sind wichtige, unentbehrliche Mitarbeiter. Die Tätigkeit unterscheidet sich nicht von Arbeitsabläufen in anderen Schäfereien.“

Bei den Schafen handelt es sich um eine Kreuzung aus Texel und Charollais. Das Fleisch wird regional vermarktet, die Wolle in der hofeigenen Textilwerkstatt weiterverarbeitet. Ihren Düngewert will sich der Sonnenhof ebenfalls bald zunutze machen. Ziel ist die Herstellung von Düngepellets. „Die Produktionsanlage liegt schon in der Scheune, aber wir müssen noch eine Halle bauen. Im Herbst geht es dann los“, sagt Landwirtschaftsmeister Traidl.

Zunächst richtet sich der Blick erst einmal auf die neue Weidesaison. Ein- bis zweimal am Tag fahren die Mitarbeiter in das Naturschutzgebiet „Großes Bruch“, wo die kleinen und großen Schafe die Weiden abgrasen. Mehrere Herdenschutzhunde bewachen die Tiere, damit der Wolf keinen Schaden anrichtet. Es soll ein lebendiges, unbeschwertes Osterfest für die Lämmer werden.

Die landwirtschaftlichen Mitarbeiter des Sonnenhofes haben einige Lämmer auf dem Arm. Ihre Schafhaltung umfasst aktuell etwa 600 Tiere. Foto: SpeckmannDie landwirtschaftlichen Mitarbeiter des Sonnenhofes haben einige Lämmer auf dem Arm. Ihre Schafhaltung umfasst aktuell etwa 600 Tiere. Foto: Speckmann

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