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Für Fische im Bakumer Bach gibt es jetzt weniger Hindernisse

Die Hase-Wasseracht hat den Sohlabsturz im Bereich Rosenbaumshof entfernt und eine Sohlgleite eingerichtet. Diese Renaturierung hat für Wassertiere viele Vorteile.

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Naturnah: Der Bakumer Bach darf nach der Maßnahme durch die Hase-Wasseracht wieder mäandrieren. Foto: C. Meyer

Naturnah: Der Bakumer Bach darf nach der Maßnahme durch die Hase-Wasseracht wieder mäandrieren. Foto: C. Meyer

Jahrzehntelang gab es dieses unüberwindbare Hindernis. Doch jetzt heißt es für Wassertiere: Der Weg ist frei. In Bakum hat die Hase-Wasseracht den sogenannten Sohlabsturz im Bach entlang der Straße Am Rosenbaums Hof entfernt und eine sogenannte Sohlgleite eingerichtet. Konnten die Fische zuvor wegen des Absturzes aus Beton den Bach an der Stelle nicht passieren, ist dies jetzt wieder möglich. „2 Biotope sind wieder miteinander verbunden“, sagte Florian Runge, Verbandsingenieur bei der Hase-Wasseracht, bei einem Pressetermin, bei dem das Ergebnis vorgestellt wurde.

Sohlabsturz, Sohlgleite – was hat es genau damit auf sich? Der Ingenieur erklärte, in welchem Zustand die Wasseracht den Bach an der Stelle vorfand und wie sie das Gewässer naturnah wiederherstellte. Denn bis vor Kurzem war der Bach am Rosenbaums Hof ein „begradigter Strich“, sagte Runge. Eine Art Treppe aus Beton – ein Sohlabsturz – verlief quer zur Strömungsrichtung. Das Wasser sollte so das Gefälle auf kurzer Distanz überwinden. „Das Wasser rutschte so herunter“, beschrieb Runge. Das brachte auch einen gewissen Geräuschpegel mit sich, wie ein Anwohner wissen ließ.

So sah es vorher aus: Ein Hindernis aus Beton machte es für Fische unmöglich, auf die andere Seite zu kommen. Foto: RungeHase-WasserachtSo sah es vorher aus: Ein Hindernis aus Beton machte es für Fische unmöglich, auf die andere Seite zu kommen. Foto: Runge/Hase-Wasseracht

Ein begradigter Bach, ein Sohlabsturz – dabei handele es sich um den „Stand der Technik der 70er Jahre“, so der Ingenieur. Fische konnten die Stelle nicht mehr passieren, aber damals habe man sich nicht sonderlich um Fische gekümmert. Ziel sei es schlicht gewesen, die anliegenden Flächen zugunsten der Landwirtschaft zu entwässern. Mithilfe der Begradigung des Gewässers könne das Wasser schneller abfließen. Heute sei klar: Umgekehrt bestehe die Gefahr von Hochwasser. An ein solches kann sich ein Anwohner noch erinnern. 1998 habe sich das Wasser den Weg bis zu seinem Wohnhaus gebahnt.

Heutzutage werde jedoch versucht, dies wieder auszugleichen, sagte Florian Runge. Eine Renaturierung findet statt. Die Begradigung weicht einer Mäandrierung. Das Fließgewässer nimmt einen natürlicheren Weg, verläuft nicht gerade, sondern macht Kurven. An den engsten Stellen ist der Bach jetzt etwa 50 Zentimeter breit, an den weiteren Stellen etwa 1,50 Meter. „Wir spielen mit der Breite, damit es naturnah ist“, sagte Runge.

Der Sohlabsturz wurde entfernt, eine Sohlgleite eingerichtet. Der Fisch müsse das Gefälle – der Höhenunterschied in Bakum liegt bei 80 Zentimetern – nicht mehr an einer Stelle, an dem Betonabsturz, überwinden. Das ist sowieso nicht möglich. Er kann dies jetzt auf einer Strecke von 40 Metern schaffen, sagte der Ingenieur. Dafür musste das Bodenprofil an der Stelle des Absturzes angehoben werden. Dies wurde mit einer Steinschüttung realisiert, erläuterte Runge.

Fische können Kräfte sparen

Außerdem wurden Furte (Flachstellen) und Kolke (Vertiefungen) entlang der 40 Meter geschaffen. Zwischen den Furten werde ein gewisser Höhenunterschied eingehalten, damit das Wasser gleichmäßig abfließen kann, so der Experte. In den „größeren Becken“ – der Bach ist dort breiter und tiefer – ist die Strömungsgeschwindigkeit geringer, der Fisch muss nicht so viel Kraft aufwenden. Dies sei insgesamt das Hauptaugenmerk des Projekts gewesen, sagte Runge. Dass die Fische wieder problemlos den Bach passieren können.

Und welche Tiere tummeln sich dort? Aale wurden bereits gesichtet und auch Bachflohkrebse, die unter anderem Zeigertiere für gute Wasserqualität sind, sagte der Ingenieur. Es sei aber auch möglich, dass Forellen sich dort blicken lassen. Oder wie Manfred Kramer, Geschäftsführer der Hase-Wasseracht, es formulierte: „Zuerst muss das Hotel gebaut werden, dann kommen die Gäste.“

Mit schwerem Gerät rückten die Mitarbeitenden der Hase-Wasseracht an, um den Bachverlauf zu renaturieren. Foto: RungeHase-WasserachtMit schwerem Gerät rückten die Mitarbeitenden der Hase-Wasseracht an, um den Bachverlauf zu renaturieren. Foto: Runge/Hase-Wasseracht

Insgesamt 3 Wochen hat die Hase-Wasseracht in Bakum gearbeitet. „Es war keine einfache Sache, hier zu arbeiten“, sagte Kramer. Dieser Einschätzung schloss sich Florian Runge an. „Es war eine besondere Baustelle.“ Es musste ein Garten überwunden werden, die Zufahrt war schmal. „Mit Baggermatratzen haben wir uns den Weg durch den Garten gebahnt“, sagte der Ingenieur. Der Bagger arbeitete sich schließlich den Bach entlang entgegen der Strömungsrichtung vor. Normalerweise habe die Wasseracht bei solchen Arbeiten viel mehr Platz. „Das war recht tricky zwischendurch“, sagte Runge. Aber schließlich sei alles gut verlaufen.

Dabei sei es auch wichtig, dass die Anlieger „mitspielen“, ergänzte Kramer. Auch das sei hier erfreulicherweise der Fall gewesen. Für den Anlieger entstehen durch die Maßnahme keine Benachteiligungen, versicherte Florian Runge. Der Bach wurde mit einer Steinschüttung gesichert. Um die Böschung zu sichern und zu stabilisieren, wurde vorerst lediglich Grad angepflanzt. „Die restlichen Pflanzen kommen schnell von selbst“, sagte Runge.

Mit dem Ergebnis zufrieden: Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck (von links), Franz Hölscher (CDU-Ratsmitglied), Manfred Kramer (Geschäftsführer Hase-Wasseracht), Landrat Herbert Winkel, Florian Runge (Verbandsingenieur Hase-Wasseracht), Josef Kolbeck (Verbandsvorsteher Hase-Wasseracht) sowie Winfried Stuntebeck (Amtsleiter für Umwelt und Tiefbau beim Landkreis Vechta). Foto: C. MeyerMit dem Ergebnis zufrieden: Bakums Bürgermeister Tobias Averbeck (von links), Franz Hölscher (CDU-Ratsmitglied), Manfred Kramer (Geschäftsführer Hase-Wasseracht), Landrat Herbert Winkel, Florian Runge (Verbandsingenieur Hase-Wasseracht), Josef Kolbeck (Verbandsvorsteher Hase-Wasseracht) sowie Winfried Stuntebeck (Amtsleiter für Umwelt und Tiefbau beim Landkreis Vechta). Foto: C. Meyer

Herbert Winkel, Landrat des Kreises Vechta, äußerte seine Freude über diese Maßnahme. Mithilfe des Naturschutzfachlichen Ersatz- und Ausgleichsfonds (NEF), mit dem Kompensationsmaßnahmen realisiert werden, wurde die Renaturierung des Bakumer Bachs finanziert. 85.000 Euro hat der Landkreis daraus bereitgestellt. Dabei soll es nicht bei diesem einen Projekt in Bakum bleiben, ließ der Bakumer Bürgermeister, Tobias Averbeck, wissen. Es liegt das Konzept vor, weitere Abschnitte zu renaturieren. 

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