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Eine sehr beachtliche Zahl: Naturschützer retten mehr als 25.000 Amphibien

In Damme-Ossenbeck werden in Zukunft keine Schutzzäune mehr stehen. Die Tümpel, in denen Amphibien jahrzehntelang gelaicht haben, sind ausgetrocknet. Es gibt längst einen Ersatztümpel.

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Immer wieder hat Werner Schiller in den vergangenen 30 Jahren im Rahmen des Amphibienschutzes in Ossenbeck einen Frosch geküsst (der auf dem Bild ist aus Kunststoff), eine Prinzessin fand sich so allerdings nie. Foto: Lammert

Ein Bild mit Symbolcharakter: Immer wieder hat Werner Schiller in den vergangenen 30 Jahren im Rahmen des Amphibienschutzes in Ossenbeck einen Frosch geküsst (der auf dem Bild ist aus Kunststoff), eine Prinzessin fand sich so allerdings nie. Foto: Lammert

30 Jahre Amphibienschutz in Damme-Ossenbeck sind zu Ende gegangen. Der Grund: Die Tümpel an der Kreisstraße nach Neuenkirchen sind ausgetrocknet.

Zum letzten Mal haben jetzt Mitarbeiter des Ludgerus-Werks Lohne die Folienzäune abgebaut, die die Amphibien daran hinderten, die Straße auf dem Weg zum Ablaichen in den Tümpeln zu überqueren, was für viele von ihnen den sicheren Tod bedeutete.

In den ersten Jahren sammelten die ehrenamtlichen Helfer und Mitglieder der Dammer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) im Durchschnitt 2000 Kröten, Frösche und Co. ein. Insgesamt dürften es in den rund 30 Jahren zirka 25.000 Amphibien gewesen sein, die die Naturschützer retteten.

"Amphibienschutz ist die einfachste Methode, Kinder an den Naturschutz heranzuführen."Werner Schiller, Naturschützer

"Das sind schon beeindruckende Zahlen", sagte Werner Schiller, der von Beginn an federführend bei dieser Aktion tätig war und dabei stets auf die Hilfe vieler Kinder zählen konnte. "Amphibienschutz ist die einfachste Methode, Kinder an den Naturschutz heranzuführen. Hier sind Herz, Hand und Kopf gefragt, große Vorkenntnisse sind nicht notwendig", erklärte der frühere Biologielehrer des Dammer Gymnasiums, der dafür bekannt war, den Biologieunterricht gerne in der Natur durchzuführen.

Als er sich jetzt zusammen mit dem Nabu-Kreisvorsitzenden Ludger Frye, Rüdiger Wohlers von der Nabu-Landesgeschäftsstelle, Antonius Viefhues vom Vorstand der Dammer Nabu-Ortsgruppe sowie Helmut Schlarmann und Holger Schürstedt vom Landkreis als Untere Naturschutzbehörde zu einem letzten Ortstermin traf, erinnerte Werner Schiller an die Anfänge des Amphibienschutzes in Damme. Ihr schloss sich kurz darauf eine solche Aktion in Handorf-Langenberg an, die in Zukunft weitergehen wird.

Christian Westerhoff machte auf viele überfahrene Amphibien aufmerksam

Begonnen hatte das Projekt in Oassenbeck, als Werner Schillers damaliger Schüler Christian Westerhoff, heute längst ein promovierter Historiker, den Biologielehrer auf viele überfahrene Amphibien auf der Kreisstraße aufmerksam machte. Werner Schiller überlegte nicht lange, sondern handelte. Mithilfe des Landkreises errichtete er zusammen mit Helfern Schutzzäune auf einer Gesamtlänge von mehr als einem Kilometer.

"Damals noch aus Karnickeldraht", erinnerte er sich. Die Folienzäune, die für die Tiere unüberwindbar sind, kamen erst später auf. "Es sollte 1991 etwas sein, was wiederverwendbar ist", nannte Helmut Schlarmann den Grund, warum die Wahl auf den nicht einfach zu handhabenden Karnickeldraht gefallen war.

Im Laufe der vergangenen Jahre sank der Wasserstand in beiden Tümpeln in Ossenbeck aber mehr und mehr ab. Das habe wohl auch mit dem sinkenden Grundwasserspiegel zu tun, vermutete Werner Schiller.

Bereits seit 2014 haben Naturschützer in Absprache mit dem Landkreis die Amphibien abgefangen, die zu den Tümpeln wollten, um dort zu laichen. Sie brachten sie zu einem Ersatztümpel, der etwa 500 Meter entfernt südwestlich von den beiden Teichen in einem früheren Sandabbaubereich entstanden ist.

In diesem Jahr waren es noch knapp 70 Amphibien gewesen, die die Helfer umsiedeln mussten. Da lohne sich der Bau eines Schutzzaunes nicht mehr, erklärte Ludger Frye.

Schiller bleibt im Amphibienschutz weiter aktiv

Ungeachtet dessen wird die Nabu-Ortsgruppe das Gebiet zu Zeiten der sogenannten Krötenwanderung im Auge behalten und bei Bedarf weiter Tiere einfangen und umsiedeln.

Aber nicht nur die Nabu-Ortsgruppe, der Landkreis und das Ludgeruswerk  waren an dem Projekt in Ossenbeck beteiligt. Die Stiftung Umwelt- und Naturschutz (SUN) finanzierte den Aufbau der Zäune. Die Kreisstraßenmeister stellte die entsprechenden Schilder auf und lagerte das Material nach dem Abschluss der Aktion ein.

Dank sagten jetzt aber die Kreis- und Nabu-Vertreter vor allem Werner Schiller für sein Engagement. Der versprach, auch in Zukunft im Amphibienschutz aktiv zu bleiben.

Geschenke am Ende einer Aktion: Werner Schiller (Zweiter von links) startete vor 30 Jahren den Amphibienschutz in Ossenbeck. Seine Arbeit würdigten mit Präsenten (von links) Helmut Schlarmann, Ludger Frye, Antonius Viefhues und Rüdiger Wohlers.  Foto: LammertGeschenke am Ende einer Aktion: Werner Schiller (Zweiter von links) startete vor 30 Jahren den Amphibienschutz in Ossenbeck. Seine Arbeit würdigten mit Präsenten (von links) Helmut Schlarmann, Ludger Frye, Antonius Viefhues und Rüdiger Wohlers.  Foto: Lammert

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