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Der Zölibat ist eine unzumutbare Bürde

Thema: Die Causa Kenkel in Lindern – Sie ist ein weiterer Beleg, dass die meisten Priester dem auferlegten Verzicht auf Bedürfnisse nicht gewachsen sind. Sie sind auch nur Menschen, keine Heiligen.

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Die Causa Kenkel in Lindern ist – unabhängig von der Frage, was genau passiert ist – ein weiterer Beleg für die Tatsache, dass der Zölibat für katholische Priester eine unzumutbare, nicht länger zu akzeptierende Bürde ist. Alle Beteiligten tun einem leid, denn es braucht schon lange keine weiteren Belege mehr für die Unsinnigkeit des Zölibats.

Zu viele Seelsorger, die wir in unseren Gemeinden doch so dringend benötigen und deren Arbeit wir schätzen, sind unter diesem Joch bereits zusammengebrochen. Seit Langem beschreiben glaubwürdige Quellen die scheinheilige klerikale Welt in den schillerndsten Farben. Wer sehen will, der sieht. Die allermeisten Priester sind, ob homo- oder heterosexuell veranlagt, dem Zölibat nicht gewachsen und leisten sich – im Verständnis der katholischen Kirche – zwangsläufig moralische Verfehlungen.

Leider schaffen es die wenigsten Kandidaten im Priesterseminar, rechtzeitig in den Spiegel zu schauen und die Überforderung zu beenden – bevor sie zur lebenslangen Qual wird. Vielmehr lassen sich die allermeisten der ehrlichen Herzens von Christus Berufenen tragischerweise auf ein scheinheiliges Doppelleben ein – im vermeintlichen Schutz eines Kartells des schweigenden Wissens.

"Die sexuelle Orientierung kann nicht maßgebend für die Frage sein, ob ein Priester seine Berufung bewältigt oder nicht."Ulrich Suffner, Chefredakteur

Dieses Kartell bereitet den Berufenen nicht auf die Welt vor, sondern schützt vor ihr in fataler Weise. Dieses Kartell hievt Männer, die Probleme mit ihrer Persönlichkeit oder Sexualität haben, in Machtpositionen, für die sie nicht geeignet sind. Dieses Kartell verstößt gegen eigene Gesetze, indem es Männer im Wissen um ihre Beziehungen verbotenerweise zu Priestern weiht.

Den Zölibat, den die katholische Kirche nach außen als heilige Sache verkauft, nimmt dieses Kartell selbst nicht ernst. Das ist skandalös, aber auch nachvollziehbar, denn Priester sind eben auch nur Menschen und keine Heiligen.

Warum dürfen diese Männer nicht wie andere Menschen auch selbstverständlich eine Sexualität haben und diese auch leben? Die sexuelle Orientierung kann nicht maßgebend für die Frage sein, ob ein Priester seine Berufung bewältigt oder nicht. Die Gemeinde wird für dumm verkauft, wenn gepredigt wird, dass Verzicht etwas Bereicherndes sei. Wie sollen Lügen gegen sich selbst und andere das Leben bereichern? Stattdessen sollten Priester offen und mit ihrer ganzen Existenz sagen können: Ich habe Bedürfnisse, und daran ist nichts Verwerfliches.

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