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Der Start im Impfzentrum Lohne gelingt nicht ganz ohne Probleme

Am ersten Tag der stationären Coronaimpfung im Kreis Vechta streiken die mit Landesbehörden verbundenen EDV-Programme. Die Impfungen klappen reibungslos. Bis Freitag werden 564 Dosen Vakzin verimpft.

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Eine der ersten im Impfzentrum Lohne geimpften Personen: Die Dammerin Paula Stärk (81) erhielt ihren Pieks von Intensivschwester Simone Doll. Foto: Steinkamp

Eine der ersten im Impfzentrum Lohne geimpften Personen: Die Dammerin Paula Stärk (81) erhielt ihren Pieks von Intensivschwester Simone Doll. Foto: Steinkamp

Seit Dienstag wird im zentralen Vechtaer Corona-Impfzentrum im Motorpark in Lohne geimpft. Am ersten Tag wurden 120 Menschen auf den 3 Impfstraßen der Einrichtung behandelt. Erst einmal bis Freitag kann mit den für die stationäre Coronaimpfung im Kreis Vechta vom Land Niedersachsen zugeteilten 564 Impfdosen gearbeitet werden. Am Freitag wird das Zentrum dann wieder wegen fehlenden Vakzins geschlossen. Bis zum Montag (8. Februar) werden noch die mobilen Impfteams unterwegs sein und in den Alten- und Pflegeheimen Bewohnern und Mitarbeitern die Zweitimpfungen verabreichen.

"Da ist Aufbruchstimmung, alle spüren, es geht endlich voran."Christian Ewald, Verwaltungsleiter des Impfzentrums Lohne

Der für die Verwaltungsleitung des Zentrums zuständige Christian Ewald beschrieb die Stimmung bei Personal und Impflingen als "hervorragend". Er bezeichnete die Arbeitsaufnahme im Zentrum, das sich seit dem 15. Dezember im Bereitschaftsmodus befand, als "Befreiungsschlag. Da ist Aufbruchstimmung, alle spüren, es geht endlich voran". Angesichts des knappen Vakzins zeigten auch die Impflinge, meist alle mehr als 80 Jahre alt, die älteste übrigens 94 Lenze jung, "große Dankbarkeit von Anfang an dabei zu sein, einen Impftermin und die Impfung erhalten zu haben", weiß der medizinische Leiter, Dr. Frank Hammersen, aus vielen Gesprächen mit Geimpften. Die meisten Impflinge des ersten Tages werden sich am 23. Februar ihre Zweitimpfung abholen können.

Mobile Teams verabreichen Impfdosen in Krankenhäusern 

Die 3 beim Impfzentrum angesiedelten mobilen Teams verteilten am Dienstag Impfstoff in den Krankenhäusern in Vechta, Lohne und Damme. Die Menge des jetzt gelieferten Vakzin von Biontech reicht allerdings nicht aus, um alle gefährdeten Mitarbeiter der Häuser zu impfen. Das sorgt für viel Unmut unter den Belegschaften. Umso bemerkenswerter, dass die Häuser in Vechta und Lohne einen Teil ihrer Impfdosen an die im Notfallrettungsdienst Aktiven abtraten. Hammersen bezeichnete die "Impfstoffspende" an 24 Sanitäter des Malteser-Hilfsdienstes als einen "besonders bemerkenswerten Akt der Solidarität unter den hiesigen Rettern".

Der Tag Eins im Impfzentrum Lohne verlief nicht ganz reibungslos: Am Dienstagmorgen bereiteten die mit der EDV des Landes gekoppelten Computerprogramme in der Einrichtung Probleme, berichtet Christian Ewald. Danach konnten Unterlagen von Menschen, die im Zentrum einen Impftermin erhalten hatten, nicht per Computer abgeglichen werden. "Das mussten wir alles händisch abklären", sagt Ewald. Inzwischen habe er "6 Mails an das Land gesendet, um zu erfahren, was da los war, Antwort habe ich aber noch keine", ist er am Nachmittag immer noch sauer.

Das Impfen im Zentrum gelingt reibungslos

Das Impfen im Zentrum funktioniert inzwischen allerdings reibungslos, berichtet Hammersen. Der medizinische Leiter sieht den gesamten Vorgang von der Annahme der Unterlagen der Impfwilligen bis zur Ruhephase nach der Impfung im angestrebten Zeitrahmen von einer halben Stunde.

Landkreis-Pressesprecher Jochen Steinkamp, der am Morgen Gespräche mit den ersten Impflingen im Zentrum führen durfte, berichtet, dass diese sich gewundert hätten, dass es "so schnell ging mit dem Pieks". Angesichts des gesamten vorbereitenden organisatorischen Aufwandes, den Impfwillige wie Behörden zu bewältigen hätten, sei "die ganze Impfangelegenheit tatsächlich sehr kurz".

Dass es angesichts der ganzen zeitlichen Mühe, einen "Termin zu ergattern", dann schließlich "sehr schnell ging mit dem Impfen und ohne jegliche Komplikation", berichten auch Impfling Karl Denker (81 Jahre) und seine Frau Heidi ("Leider erst 79") aus Lemförde. Sie loben das Personal im Zentrum als "wahnsinnig freundlich und besorgt".

Seine Impfung in Lohne klappte gut: Karl Denker. Foto: KühnSeine Impfung in Lohne klappte gut: Karl Denker. Foto: Kühn

Denker berichtet kurz von seiner Odyssee, einen Termin über die landesweite Hotline zu erhalten. "Das war nichts, ständig besetzt, und auch online hat das nicht geklappt. Wir hätten noch immer keinen Termin, hätte uns ein Bekannter nicht seinen Trick verraten, mit dem er seinen Termin bekam." Der Trick? "Die 116 117 wählen, die Nummer des ärztlichen Notdienstes. Da konnte man dann nach einer Bandansage auswählen, ob man einen Termin für die Corona-Impfung wünscht. Und nach Bestätigung hatten wir eine sehr freundliche Frau am Telefon, die uns bei der Terminsuche und der Auswahl des nächst gelegenen Zentrums half. So, und nun waren wir hier und kommen am 23. Februar wieder", ist der Senior froh, auch zur Zweitimpfung wieder nach Lohne fahren zu können.

"Wir mussten heute auch schon Leute wegschicken."Christian Ewald, Verwaltungsleiter des Impfzentrums Lohne

Den Weg über den ärztlichen Notdienst kennen Ewald und Hammersen. Es gab wohl einige, die sich ihren Impftermin auf diesem Weg geholt haben. Grundsätzlich gilt weiter, dass es eine Impfung im Lohner Zentrum nicht ohne einen nachweislich vom Land vergebenen und bestätigten Termin gibt. "Wir mussten heute auch schon Leute wegschicken", bedauert Ewald. "Wir würden gerne alle impfen, uns bleibt aber angesichts der Zuteilung des Impfstoffes für die Personen mit Termin nichts anderes übrig, als Unberechtigte abzuweisen."

Impfwillige aus benachbarten Kreisen könnten bald in weniger großer Anzahl Termine in Lohne buchen. Am 29. Januar (Freitag) hatte der Landkreis Vechta bei einer Pressekonferenz noch mehr Impfstoffdosen für sein Zentrum in Lohne gefordert. Hintergrund war der "Impftourismus" aus Nachbarlandkreisen nach Lohne: Impfwillige konnten zunächst das Impfzentrum ihrer Wahl aufsuchen. Ewald und Hammersen bestätigen, dass es gleich nach der Pressekonferenz des Landkreises Vechta am 29. Januar (Freitag) eine Reaktion des Sozialministeriums gegeben habe. Danach will Landesministerin Carola Reimann (SPD) die freie Wahl nicht mehr ohne Weiteres erlauben. Rechtliche Vorschriften gäbe es aber noch nicht, sagt Ewald.

Auch eine andere Frage, die Übernahme von Fahrtkosten, die den Impfwilligen entstehen, ist laut Hammersen noch nicht geklärt. Es gebe dazu bislang weder klare Aussagen der Politik noch von den Krankenkassen.

Impfungen für Krankenhaus-Mitarbeiter gestartet

In den Krankenhäusern der Region starteten derweil am Dienstag die Impfungen der Mitarbeiter. Seit den Morgenstunden werde geimpft, berichtet die Klinikmanagerin im St. Marienhospital Vechta, Katharina Rindfleisch. Die Spritze erhält nur das Personal, das aufgrund der Tätigkeit "priorisiert" ist. Dazu zählen unter anderen die Mitarbeiter in der Notaufnahme und der Intensivstation. Die Impfungen im Vechtaer Krankenhaus werden vom eigenen Personal durchgeführt. Im Hospital sind Dr. Christian Denne, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, und Betriebsärztin Dr. Heike Borrosch zuständig.

Dr. Christian Denne, Chefarzt der Kinder und Jugendklinik sowie Reiseimpfstellenleiter des Krankenhauses impft eine Kollegin. Foto: ScholzDr. Christian Denne, Chefarzt der Kinder und Jugendklinik sowie Reiseimpfstellenleiter des Krankenhauses impft eine Kollegin. Foto: Scholz

Auch im St.-Franziskus-Hospital in Lohne erhielten am Dienstag 120 Mitarbeiter das SARS-CoV-2-Vakzin. Nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Meyer steht der Liefertermin für die zweite Impfrunde bislang noch aus.

Im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Damme haben am Dienstag 174 Beschäftigte der Intensiv-, Aufnahme- und Covidstation die erste von zwei Schutzimpfungen gegen Corona bekommen. Die Beschäftigten, die die erste der beiden Schutzimpfungen erhalten haben, gehören zu der Gruppe mit der Priorität 1. Insgesamt zählen zu dieser Gruppe 246 Beschäftigte des Krankenhauses. Da aber wegen der gelieferten Zahl von 29 Phiolen maximal 174 Impfungen möglich waren, war innerhalb der Mitarbeiter aus der Gruppe mit Priorität 1 eine weitere Auswahl getroffen worden.

Der Zahl der Mitarbeiter, die sich impfen lassen wollen, liegt nach Angaben des Krankenhauses bei 569. Insgesamt zählt die Einrichtung 904 Beschäftigte. Es fehlten aber noch Rückmeldungen von Mitarbeitern. Die Geschäftsführung des Hauses geht davon aus, dass sich aktuell 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten impfen lassen würden. Wann der nächste Impftermin im Krankenhaus sein wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Das hänge davon ab, wann wieder Impfstoff geliefert wird, hieß es.

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