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Bewegende Geschichte(n) zum 75-jährigen Bestehen des VfL Oythe

Wie mit dem Sportverein alles anfing, wie sich der Club entwickelte und sogar nationale Berühmtheit im Volleyball erlangte, darüber berichtet das Buch "Geschichte(n) eines Sportvereins".

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Der 90-jährige Georg Rohenkohl (links) und Vorsitzender Hauke Anders blättern als Erste in dem Buch über 75 Jahre VfL Oythe. Foto: Freiwald

Der 90-jährige Georg Rohenkohl (links) und Vorsitzender Hauke Anders blättern als Erste in dem Buch über 75 Jahre VfL Oythe. Foto: Freiwald

Der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Die Waffen schweigen. Georg Rohenkohl und die anderen Kinder in Oythe müssen sich nicht mehr in den Straßengraben schmeißen, um sich vor britischen Tieffliegern zu schützen, weil sie es wieder nicht rechtzeitig in den Keller der Gaststätte Sextro geschafft haben. Einige Väter sind aus dem Krieg zurückgekehrt, etliche haben das Inferno nicht überlebt, viele harren noch in Gefangenschaft aus. Zahlreiche Kinder wissen nicht, wo ihre Väter sind, ob sie irgendwo interniert sind oder vielleicht tot.

Immerhin: Die Schule findet regelmäßig statt – sofern Kohle zum Heizen da ist. Gut, dass es da eine Sportart gibt, für die es nur einen Ball braucht und ein paar Jungs wie Georg Rohenkohl. Anfang Juni 1947, 2 Jahre nach dem verheerenden Krieg, in dem Deutschland ganz Europa ins Verderben gestürzt hat, trifft sich eine Gruppe um den Dorflehrer Bernd Schulte bei Sextro und gründet den Sportverein VfL Oythe. Der Zeitung ist das nicht mehr als eine kleine Notiz wert. Es ist der kleine Anfang eines bemerkenswerten Dorfvereins mit heute rund 1400 Mitgliedern. Georg Rohenkohl, Jahrgang 1932, gehört fast von Anfang an dazu, erst als Jugendspieler, später bei den Herren.


Oythe in den 1960ern: Postkarte der Gaststätte Tabeling.
Legende des VfL: Ewald Tönjes macht sich jahrzehntelang um den Verein verdient und erhält 2006 das Bundesverdienstkreuz.
Der Gründer: Dorflehrer Bernd Schulte bringt den Schülern das Fußballspielen bei.
Der Fußballplatz an der Hasenweide: Nicht immer ganz gerade aber Schauplatz so manches spannenden Spiels.
Immer noch mit sportlichem Ehrgeiz: Die Alte Herren ist in Oythe über viele Jahre erfolgreich.
Randvolle Sporthalle im Antonianum: Bundesliga-Volleyball in den 1980ern ist der Straßenfeger in Vechta.
Ungewöhnliches Spielfeld: Die Volleyballdamen zeigen in den 1980ern ihr Können im Stadion an der Hasenweide.
Von der Schülerinnen-AG zum Topteam der Bundesliga: Mit Manager Heinz Höhne (hinten Mitte) gelingt den Volleyballdamen mehr als 100 Siege am Stück.
Meister der Kreisklasse Nord. Im Jahr 1955 holt der noch junge Verein mit dem heute 90-jährigen Georg Rohenkohl (7. von links) den ersten Titel.
Erinnerungen werden wach: Georg Rohenkohl aus der allerersten Fußballmannschaft des VfL Oythe (links) und Vorsitzender Hauke Anders blättern in dem Jubiläumsbuch.
1947 fing alles an. In dem Jubiläumsbuch erinnert sich Georg Rohenkohl an die Anfänge.
Die Oyther Volleyballerin Birgit Rühmer-Bothe (rechts) schafft es in den 1980er-Jahren bis in die Nationalmannschaft. Sie spielt sogar bei den Olympischen Spielen in Los Angeles.
Auch das gab es beim VfL Oythe: Taekwondo. Oliver Schawe, der Ruller Riese,  gehört in den 1990er-Jahren zu den besten Kämpfern in Europa und zu den besten Kickboxern der Welt.

Der 90-Jährige ist der älteste Zeitzeuge und einer der Protagonisten des Buches „Geschichte(n) eines Sportvereins“, das 368 Seiten umfasst und anlässlich des 75-jährigen Bestehens des VfL Oythe erscheint. In aufwändiger, fast 2-jähriger Recherchearbeit, unter anderem in der Heimatbibliothek Oldenburger Münsterland und mit Hilfe des Oyther Heimatverein hat ein Team um Vorstandsmitglied Michael Surmann Bilder und Zeitungsartikel gesichtet, mit Zeitzeugen gesprochen und die Geschichte des Vereins und seiner Mitglieder aufbereitet. „Wir erzählen über die Menschen, die den VfL ausgemacht haben und heute noch ausmachen“, sagt Surmann. So sei das Buch weniger eine Chronik als vielmehr eine Zusammenstellung von Geschichten, die viel über den Sport und ebenso viel über den Stadtteil Oythe früher und heute aussagen. Professionelle Unterstützung fand das Team in der Grafikerin Carola Welter von der Agentur WelterWerk, die sich um die optische Aufbereitung des Materials und die Gestaltung des Buches gekümmert hat.

Lieber Fußballplatz als Kirche

Das erste Kapitel befasst sich mit der Gründungszeit vor 75 Jahren. Zeitzeuge Rohenkohl erinnert sich gut an die Anfänge, als Schiedsrichter noch mit Eiern und Schinken bezahlt wurden, es zu Auswärtsspielen mit dem Fahrrad ging und die Konflikte mit dem Pfarrer, weil er die jungen Leute lieber in der Kirche als auf dem Fußballplatz sehen wollte. „Das waren schöne Zeiten“, sagt Rohenkohl – trotz aller Entbehrungen damals.

Die erste Meisterschaft: Im Jahr 1955 wird Georg Rohenkohl (7. von links) mit dem VfL Oythe Erster in der Kreisklasse. Foto: privatDie erste Meisterschaft: Im Jahr 1955 wird Georg Rohenkohl (7. von links) mit dem VfL Oythe Erster in der Kreisklasse. Foto: privat

Weil sich die vielen Flüchtlinge, die nach Vechta gekommen waren, später Arbeit im Ruhrgebiet suchten, stand der Verein in den 1950er-Jahren fast vor dem Aus, berichtet der Heimatvereinsvorsitzende Georg "Fiti" Böske, der in dieser Zeit selbst in Oythe als Jugendlicher gegen den Ball trat. In den 1960er-Jahren wuchsen Vechta und Oythe langsam zusammen – und damit erlebte auch der VfL während des deutschen Wirtschaftswunders eine erste Blütezeit. „Der Sportverein bot damals eine von nur wenigen Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche“, erinnert sich Ortschronist Böske.

Im Jahr 1974 nahm der Verein eine Gruppe Volleyballerinnen aus einer Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums Antonianum auf. „Durch die Gründung einer eigenen Abteilung konnten die jungen Frauen endlich Punktspiele machen“, erzählt Michael Surmann. Es folgten mehr als 100 Siege am Stück und der Aufstieg bis in die erste Volleyball-Bundesliga, der den VfL Oythe mit einem Mal bundesweit bekannt machte.

Das Buch erzählt von den größten Erfolgen und auch vom finanziellen Desaster, das einige Jahre später durch das Bundesliga-Engagement entstanden war, vom darauffolgenden Neuanfang und vom Aufstieg der Frauen in die zweite Volleyball-Bundesliga, in der die Mannschaft auch heute noch erfolgreich spielt.

Triathlon, Taekwondo und Faustball

Neben den vielen Geschichten über die Zeitzeugen aus 75 Jahren Historie enthält das Buch auch Portraits der Vereinsabteilungen – einschließlich derer, die es längst nicht mehr gibt, wie Faustball, Triathlon, Voltigieren und Taekwondo. Zum Schluss wagen der Vorsitzende, Hauke Anders, und sein Vorgänger, Wolfgang Büssing, einen Blick in die Zukunft. Voller Vorfreude blicken sie auf den Neubau, der derzeit am Oyther Berg entsteht. Beide glauben: „In 75 Jahren ist der VfL immer noch der Mittelpunkt und Anker in Oythe.“

  • Info: Das Buch „Geschichte(n) eines Sportvereins“ ist zum Start der Jubiläumsfeierlichkeiten von Sonntag (3. Juli) an bei allen Veranstaltungen des Vereins während der Sportwoche sowie beim Heimatverein Oythe, bei der Volksbank Vechta und im Modehaus Börgerding zum von Sponsoren ermöglichten Preis von 19,47 Euro erhältlich.

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