Miriam Bornewasser präsentierte ihr Buch "Dürreregen. Spuren eines Suchens"
Die "Artist in Residence" 2022 schreibt darin über ihre Erlebnisse in Vechta. 6 Wochen lang ging sie auf die Suche nach den Auswirkungen des Klimawandels und der Pandemie.
Miriam Bornewasser las aus ihrem Buch. Die vertikal geschriebenen Texte beschäftigen sich mit der Pandemie. Foto: Heinzel
Miriam Bornewasser ist zurück. Die "Artist in Residence 2022" kam jetzt wieder nach Vechta, um ihr Buch „Dürreregen. Spuren eines Suchens“ zu präsentieren. Im vollbesetzten Trauzimmer des Rathauses berichtete sie von ihren Erfahrungen in Vechta und las einige Passagen aus ihrem Werk vor. Umrahmt wurde der Vortrag durch Musik von Amanda Wurm. Im Anschluss zeigte sich das Publikum neugierig und stellte Miriam Bornewasser zahlreiche Fragen. Zuvor hatte es aber begeisterten Applaus gespendet.
Es fiel den Anwesenden leicht, der angenehmen Stimme der preisgekrönten Autorin zu lauschen, während diese ihre wohlformulierten Texte vorlas. Die Teaser machten Lust, das ganze Buch zu lesen. Miriam Bornewasser schildert ihre Erlebnisse und Gespräche sehr lebendig und mit hintergründigem Humor. Sie präsentierte Kunst in Schriftform. So finden sich auf den 197 Seiten Abschnitte mit einem vertikalen Text. Dies signalisiere dem Leser, dass sich der Part mit der Pandemie beschäftigt. Der Autorin war früh klar, dass sie dieses Stilmittel würde einsetzen wollen. Die Umsetzung war jedoch „mit ganz viel Frustration“ verbunden. Ihr Tipp: den Text erst ganz am Ende formatieren, sonst mache man die gleiche Arbeit zehnmal.
In „Dürreregen“ verzichtet sie zudem auf Kapitelüberschriften und verwendet zur Einleitung neuer Abschnitte Zitate wie „Den Eersten sien Dod, den Tweeten sien Not, den Drütten sien Brod“. Dieser Spruch stehe im Haus im Moor in Goldenstedt. Das Moor nimmt einen interessanten Teil ihres Werkes ein. „Ein gesundes Moor ist eine Senke klimaschädlicher Gase, das es mehr aufnimmt und bindet, als es abgibt, aber wenn es trocken fällt, wenn es umgepflügt, wenn es abgebaut wird, entfaltet es all seine negativen Potenziale.“ Informativ und anregend liest sich das Ganze angenehm und unkompliziert.
„Vechta ist ein Autoparadies. Selbst die Einkaufsstraße bleibt ihnen nicht versperrt.“
Miriam Bornewasser in „Dürreregen. Spuren eines Suchens“
Grundlage des Werkes sind die 6 Wochen die Miriam Bornewasser Ende 2022 in Vechta damit verbracht auf Spurensuche zu gehen. Sie suchte in Gesprächen die Auswirkungen des Klimawandels und der Pandemie zu ergründen. Ihre Einblicke und Erfahrungen finden sich nun im Buch. Sie schreibt: „Vechta ist ein Autoparadies. Selbst die Einkaufsstraße bleibt ihnen nicht versperrt.“ Es sei generell sehr interessant, wie über Mobilität in der Stadt gesprochen werde. Später geht es um ihr Dienstfahrrad, mit dem sie eine innere Karte Vechtas erarbeitet habe, und die Frage, ob Autofahrer das „Abkürzungspotenzial, das man durch nicht motorisierte Fortbewegung gewinnt“, kennen würden. Sie schreibt über eine Demonstration mit „Die In“, bei der eine Teilnehmerin sagt, es sei "wichtig, dass Menschen ihre Meinung sichtbar machten“.
Amanda Winter sorgte für die musikalische Umrahmung der Lesung im Trauzimmer des Vechtaer Rathauses. Foto: Heinzel
Der "Artist in Residence" sei immer eine Wundertüte, die bislang immer tolle Ergebnisse präsentiert habe, sagt Katharina Genn-Blümlein von der Universität Vechta. Die Organisatoren – also Stadt und Universität Vechta – wünschten sich den künstlerischen Austausch zu spannenden Themen. Was bereits auch über ihren Blog passiert sei. Aus diesem trägt Miriam Bornewasser ebenfalls etwas vor und zwar zum Klimawandel, dem Vergissmeinnicht unter den Krisen. Der Klimawandel sei Zyklen des Vergessens unterworfen.
Nimmt man den Applaus als Gradmesser für den Erfolg des Abends, hat die Veranstaltung den Anwesenden äußerst gut gefallen. Einige der Besucher nutzten die Gelegenheit, sich das Buch „Dürreregen. Spuren eines Suchens“, welches vom Visbeker Geest-Verlag in einer Auflage von 300 Stück gedruckt worden ist, nicht nur zu kaufen, sondern von der Autorin auch signieren zu lassen.
Info: Seit 2013 schreiben die Stadt Vechta und die Universität jedes Jahr ein gemeinsames „Artist-in-Residence-Programm“ aus. Es bietet Künstlern die Möglichkeit, für 4 bis 6 Wochen in der Stadt zu leben und themenbezogen zu arbeiten.