Im Theater zeigt sich bei den Besucherzahlen ein leichter Aufwärtstrend
Vechta nimmt im Spielgebiet der Landesbühne die Rolle eines Musterschülers ein. Die sechs Stücke der LBNN sind zu fast 100 Prozent ausverkauft. Es ist daher angedacht die Stückzahl zu erhöhen.
Der Trend am Theater ist im Spielgebiet des Landesbühne Niedersachsen Nord (LBNN) aktuell positiv. Der Start in Vechta ist nach dem Auftakt mit Hamlet und den weiteren Vorstellungen in der laufenden Spielzeit hervorragend. Es waren spannende und beim Publikum äußerst positiv aufgenommene Inszenierungen. Ein traditionell großer Publikumserfolg ist das von Olaf Strieb inszenierte Musical. In diesem Jahr war es „The Addams Family“. Am Montag (18. Dezember) verabschiedet sich das Theater dann mit Agatha Christies "Und dann gab's keines mehr" für das laufende Jahr.
Olaf Strieb, Intendant der Landesbühne, verglich jetzt die Zahlen der weitgehend „pandemiefreien“ Spielzeit 2022/23 mit denen der Spielzeit 2018/19, der letzten vor der Pandemie. Betrachte man die Gesamtbesucherzahl, ist diese von 94.000 auf 76.000 gesunken. Geht der Blick aber auf das Kerngeschäft – also den Abendspielplan – dann seien die Zahlen nahezu konstant. Die Besucherzahl hat sich hier nur von 41.000 auf 40.000 abgeschwächt. Das Gros des festgestellten Gesamtrückganges betreffe vor allem den Kinder- und Jugendbereich.
Positiver Trend lässt das Intendantenherz vorsichtig höher schlagen
Ein Blick in die aktuelle Spielzeit offenbare aktuell einen anderen Trend. In den ersten 3 Monaten, also bis Ende Oktober dieses Jahres, stieg die Zahl der Besucher von 10.000 (2022) auf 16.000 (2023). „Es ist ein Trend“, sagt Olaf Strieb, der das Intendantenherz höher schlagen lasse. Die Besucher kehrten anscheinend wieder in die Theater zurück. Bleibe zu hoffen, dass sich dieser Trend bestätigt. In Vechta liegt die Auslastung bei den Stücken der LBNN bei nahezu 100 Prozent. Darüber hinaus sei das Weihnachtsstück "Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ äußerst stark nachgefragt. An 3 Tagen gebe es sechs Veranstaltungen für rund 1500 Schüler und das Abiturstück Woyzeck (23. Januar 2024) würden über 1000 Schüler in fünf eigenen Aufführungen sehen.
Hamlet ist ein zeitloser Klassiker der im modernen Gewand inszeniert wurde. Das Stück bildete den Auftakt der Vechtaer Theatersaison Foto: Heinzel
Für die nächste Spielzeit soll die Anzahl der Stücke der LBNN erweitert werden. Diese Vechtaer Verhältnisse herrschen aber nicht im gesamten Spielgebiet. „Es ist schwieriger geworden, Theater zu vermitteln“, berichtet Olaf Strieb. Seine Aufgabe sei es, stets die bestehenden Abonnenten zu halten und dabei gleichzeitig neue zu gewinnen. Und dabei dürfe er auch die Kunden von morgen nicht aus den Augen verlieren. Keine einfache Aufgabe, manchmal mute es einem Ritt auf einer Rasierklinge an. Man denke bereits über eine Renaissance der Plakatwerbung nach, neben den vielfältigen Aktivitäten über Social Media.
Theater habe drei große Säulen – klassische, zeitgenössisch-moderne und unterhaltungsliterarische Inszenierungen, beschreibt Olaf Strieb die Ausgangslage. Dabei lebe das Theater von seiner Zeitlosigkeit. Man benötige zudem zugkräftige Titel, mit denen das Publikum etwas anfangen könne. Dabei solle kein moralischer Zeigefinger erhoben werden. Es gelte, einfach „well made plays“ mit Unterhaltungswert auf die Bühne zu bringen. Dabei sei es ihm wichtig, die ihm gewährte künstlerische Freiheit an seine Regieteams weiterzugeben. Unterschiedliche Handschriften sollen innerhalb der Inszenierungen der LBNN deutlich werden. Trotzdem sei aber auch klar, dass bei einem Stück – etwa von Agatha Christie – die Erwartungshaltung des Publikums erfüllt werden müsse.
Agatha Christies "Und dann gabs keines mehr" wird von der LBNN am 18. Dezember in Vechta aufgeführt. Foto: Volker Beinhorn
Ein Dauerthema der Landesbühne Niedersachsen Nord ist jedoch deren Finanzierung. Die Einrichtung in Wilhelmshaven wird vom gleichnamigen Zweckverband getragen. Diesem gehören die Landkreise Aurich, Friesland, Wittmund und Leer sowie die Städte und Gemeinden Aurich, Emden, Esens, Jever, Leer, Norden, Norderney, Papenburg, Vechta, Weener, Wittmund und Wilhelmshaven an. Ein Spielgebiet mit etwa 720.000 Menschen. „Das Ziel des Zweckverbandes ist es, Theater in den ländlichen Raum zu holen“, berichtet Herbert Fischer. Er fügt hinzu, dass das Kulturprogramm einer Kommune inzwischen zu einem weichen Standortfaktor geworden ist. Den 16 Mitgliedern des Zweckverbandes und den Menschen im Spielgebiet sagt Olaf Strieb „Wir sind euer Stadttheater!“
Olaf Strieb sagt auch, dass die Mitglieder des kommunalen Zweckverbandes als Folge der Pandemie und der aktuellen politischen Entwicklungen teilweise mit dem Rücken zur Wand stehen. Dabei stellten diese die Spielstätten zur Verfügung, und zwar zusätzlich zur 50-Prozent-Finanzierung der LBNN. Die andere Hälfte steuere das Land Niedersachsen bei, welches aktuell keine langfristige Planungen eingehe. Bislang habe es immer Finanzierungszusagen für 3 Jahre gegeben. Im Frühjahr 2024 stünden allerdings wieder Verhandlungen an.