Hamlet eröffnet Vechtaer Theatersaison in modernen, minimalistischen Gewand
Im ausverkauften Metropoltheater spielte das Ensemble der Landesbühne Niedersachsen Nord das Drama von William Shakespeare intensiv und beeindruckend. Das Publikum spendete lang anhaltenden Applaus.
Die Figuren (v.l.): Gregor Scheil (Laertes), Thomas Marx (Polonius), Wiktor Grduszak (Horatio), Andreas Möckel (Claudius), Félicien Moisset (Hamlet), Aida-Ira El-Eslambouly (Gertrud) und Hannah Jaitner (Ophelia). Foto: Heinzel
Mit einer Tragödie eröffnete die Theatersaison in Vechta. William Shakespeares „Hamlet. Prinz von Dänemark“ wurde jetzt im ausverkauften Metropol-Theater von der Landesbühne Niedersachsen Nord (LBNN) aufgeführt. Regisseur Daniel Kunze inszenierte das Stück reduziert und modernisiert, mit einem Bühnenbild und Kostümen von Sophie Leypold sowie der Musik von Vasko Damjanov. Die Zuschauer zeigten sich angetan von der Aufführung und spendeten lang anhaltenden Applaus.
Sieben Schauspieler trugen das Stück um Verrat und Mord, Rache und Vergeltung, Sein oder nicht Sein. Félicien Moisset spielte Hamlet, Andreas Möckel seinen Onkel Claudius und König von Dänemark, Aida-Ira El-Eslambouly agierte als Gertrud, die Königin von Dänemark, Thomas Marx stellte Staatsrat Polonius dar, Hannah Jaitner wandelte als dessen Tochter Ophelia über die Bühne, Gregor Scheil spielte ihren Bruder Laertes und Wiktor Grduszak spielte Horatio, den Vertrauten Hamlets. Das Ensemble harmonierte hervorragend und trieb die Tragödie gekonnt dem Höhepunkt entgegen. Sie alle spielten eine Doppelrolle, da sie anfangs und zwischendurch als mehrstimmiger Horatiochor vor das Publikum traten und so als Erzähler und handelnde Figuren die Geschichte von Hamlet vortrugen.
„Die Pasteten vom Leichenschmaus gibt es zum Hochzeitsmahl.“
Hamlet
Zum Inhalt: Hamlet erfährt vom Tod seines Vaters, der angeblich durch einen Schlangenbiss umkam und der Heirat seiner Mutter Gertrud mit seinem Onkel Claudius, der dadurch König von Dänemark wird. Hamlet kommentiert den schnellen Ablauf der Ereignisse folgendermaßen: „Die Pasteten vom Leichenschmaus gibt es zum Hochzeitsmahl.“ Dann erscheint ihm sein Vater als Geist, der Hamlet offenbart, dass er von Claudius ermordet wurde und von seinem Sohn Rache verlangt. Und hier beginnt die Abwärtsspirale von Hamlet. Der nur noch an Rache denken kann.
Hamlet treiben grundlegende Fragen des Humanismus um. Dabei wird die Schere zwischen seinem Denken und seinem Handeln immer größer.
Hamlet (Félicien Moisset) stößt Ophelia (Hannah Jaitner) mehr als einmal vor den Kopf, obwohl sich beide lieben. Er sieht letztlich nur noch den Weg zu seiner Rache.
Hamlet erfährt durch den Geist von seinem Vater von der schändlichen Mordtat seines Onkel Claudius.
Claudius (Andreas Möckel, rechts), der König von Dänemark beauftragt Staatsrat Polonius (Thomas Marx, links) damit Hamlet auszuspionieren.
Polonius (Thomas Marx, links) hat keinen Erfolg hinter die Fassade von Hamlet (Félicien Moisset, rechts) zu schauen.
Claudius offenbart seine Motivation: Ehrgeiz, die Krone und die Königin.
Hamlet (Félicien Moisset, rechts) hat offensichtlich mit seiner Mutter Gertrud (Aida-Ira El-Eslambouly) einiges zu klären.
Polonius (Thomas Marx, rechts) meint sehr trocken über die Tat Hamlets (Félicien Moisset, links): Oh, ich bin umgebracht!
Bei Hamlet geht die Schere zwischen seinem Denken und seinem Handeln immer weiter auseinander. Ist er doch in Wittenberg als humanistisch orientierter Student unterwegs gewesen und beschäftigt sich noch mit diesen Fragen. Er scheint die Konsequenzen seines Handelns allerdings nicht zu überblicken und reißt viele in den Todestrudel. Er selbst bringt Staatsrat Polonius, der ergründen soll, was Hamlet umtreibt, um. Polonius war bei seinem Vorhaben nicht sehr erfolgreich, denn Hamlet sagt aufgebracht zu ihm: „Du kannst mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen.“ Seinem Onkel, bzw. Stiefvater Claudius gelingt dies bei Laertes, dem Sohn von Polonius, wesentlich besser und er instrumentalisiert Laertes geschickt für seine mörderische Intrige, denn längst will er auch Hamlet loswerden.
„Wir ertragen lieber das vertraute Unglück als zum Unbekannten zu fliehen.“
Hamlet
Es ist ein klug inszeniertes Stück, welches sich auf die Essenz der Erzählung konzentriert. Dies wurde durch das minimalistische Bühnenbild (roter Vorhang und ein Grab) und die Musik über Gitarre und Trommel sowie Momente absoluter Stille geschickt unterstützt. Die Darsteller changieren zwischen ihren Rollen und als erzählender Horatio nur durch ein übergeworfenes Kleidungsstück. Text und Inhalt sind der Protagonist. Es ist eine fesselnd, aber im wohlgesetzten Tempo erzählte Geschichte, die immer wieder Hinweise auf das tragische Ende bietet. So beschreibt Hamlet seine Situation mit den Worten: „Wir ertragen lieber das vertraute Unglück, als zum Unbekannten zu fliehen.“ Ophelia meint über ihren Prinzen: „Welch edler Geist wurde hier zerstört.“
Bis zu sieben Horatios erzählen als Chor die tragische Geschichte des Prinzen von Dänemark. Foto: Heinzel
Eines der bedeutendsten Dramen der Theatergeschichte, welches auch bereits in ganz unterschiedlichen Formen und Varianten erzählt wurde, hat eine neue sehenswerte Interpretation des Stoffes bekommen, die man so schnell nicht vergessen wird.