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The Addams Family: Ein Dinnerabend wird zur Höllennacht

Das von Olaf Strieb inszenierte Musical begeisterte das Publikum im Metropol-Theater. Beifallspfiffe und Standing Ovations waren der Lohn für eine fantastische Ensembleleistung.

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The Addams Family (von links): Wednesday (Paula Clausen), Grandma (Sibylle Hellmann), Gomez (Stefan Faupel), Pugsley (Jeffrey von Laun), Lurch/das eiskalte Händchen (Sven Heiß), Morticia (Steffi Baur) und Onkel Fester (Julian Schier). Foto: Heinzel

The Addams Family (von links): Wednesday (Paula Clausen), Grandma (Sibylle Hellmann), Gomez (Stefan Faupel), Pugsley (Jeffrey von Laun), Lurch/das eiskalte Händchen (Sven Heiß), Morticia (Steffi Baur) und Onkel Fester (Julian Schier). Foto: Heinzel

Es ist Liebe auf den ersten Blick. Lucas Beineke beschreibt den Moment so: „Eine Taube, von einem Pfeil durchbohrt, fiel mir vor die Füße. Da sah ich sie zum ersten Mal.“ Gemeint ist Wednesday Addams, deren Pfeil den Vogel dahinmeuchelte. Die beiden wollen heiraten. Dies ist der Ausgangspunkt der Handlung des Musicals „The Addams Family“. Das von Olaf Strieb inszenierte Stück wurde jetzt von der Landesbühne Niedersachsen Nord (LBNN) im Vechtaer Metropol-Theater aufgeführt. Die Veranstaltung war ausverkauft, das Publikum zeigte sich begeistert von dem Spiel der Darsteller. Es verabschiedete das Ensemble mit minutenlangem Applaus, Beifallspfiffen und Standing Ovations.

Es ist eine Aufführung, die einfach Spaß macht und in einer scheinbar schlichten Geschichte eine Vielzahl an spannenden Themen unterbringt. Es geht um Liebe, Verrücktheit, Normalität, Beziehungen, Erwachsenwerden, Lebensentwürfe, Wahrheit und Ehrlichkeit. Amüsant mit manchmal morbidem Humor und leichter Hand entfaltet Olaf Strieb die Handlung. Dabei setzt er auf ein entspanntes Tempo. Die einzelnen Charaktere haben so Zeit und Raum, sich zu entfalten und den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Und die Addams Family bietet da einiges. Im Gegensatz dazu wirken die Beinekes spießig und normal. Dieser Gegensatz wird noch interessanter dadurch, dass die Beziehungen in der vermeintlich verrückten Familie liebevoller und ehrlicher sind als bei ihrem Gegenentwurf.

Steffi Baur vereint als Morticia Addams Charme, Charisma und Bühnenpräsenz. Im Hintergrund ist Jeffrey von Laun als ihr Sohn Pugsley zu sehen. Foto: Heinzel
Gomez Addams (Stefan Faupel) und Tochter Wednesday (Paula Clausen) verheimlichen Morticia Addams die geplante Heirat mit Lucas Beineke. Foto: Heinzel
Julian Schier spielte Onkel Fester und war kurzfristig für Christoph Sommer eingesprungen. Text und Rolle lernte er am vergangenen Wochenende. Foto: Heinzel
Jeffrey von Laun sorgte als Pugsley Addams stets für Aufmerksamkeit und Gesprächsstoff. Foto: Heinzel
Onkel Fester (Mitte) mit den vier herumspukenden Ahnen der Addams Family. Foto: Heinzel
Ramona Marx (Mitte) rebelliert als Alice Beineke gegen ihren Mann und sehnt sich nach einer richtigen Verbindung zu ihm. Foto: Heinzel
Eine Dinnerparty verwandelt sich in eine Höllennacht. Foto: Heinzel
Übersteht die Liebe von Lucas Beineke (Philipp Osterkamp) und Wednesdeay Addams (Paula Clausen) den turbulenten Familienabend? Foto: Heinzel
Morticia Addams (Steffi Baur) will Gomez verlassen, da er sie angelogen hat. Hier mit dem eiskalten Händchen (Sven Heiß, Hintergrund). Foto: Heinzel
Die sechsköpfige Live-Band gab dem Musical eine extra Prise an Genialität. Foto: Heinzel
Stefan Faupel (Gomez Addams) und Steffi Bauer (Morticia Addams) zogen mit ihrem perfekten Spiel und ihrer Bühnenpräsenz das Publikum in seinen Bann. Foto: Heinzel

Man schloss die Figuren direkt in sein Herz. Das absolut stimmige Gesamtkunstwerk wurde durch die hervorragende Ensembleleistung gekrönt. Man litt und freute sich mit den einzelnen Personen. Es war ein absoluter Genuss, Stefan Faupel und Steffi Baur bei ihrem Spiel als Gomez und Morticia Addams zuzusehen. Mit Charme und Charisma nahmen sie die Zuschauer für sich ein und zeigten eine große Bühnenpräsenz. Paula Clausen als Wednesday Addams spielte das verliebte „Bündel der Boshaftigkeit“ perfekt. Und die Sidekicks wie Pugsley Addams (Jeffrey von Laun), der Bruder von Wednesday, das eiskalte Händchen und Lurch (beide Sven Heiß), Onkel Fester (Julian Schier) oder Grandma (Sibylle Hellmann) sorgten immer wieder für Ablenkung und amüsante Momente. Beispielsweise wenn Pugsley während einzelner Szenen mit Folterwerkzeugen oder anderen explosiven Dingen die Bühne quert. Besonders hervorzuheben ist, dass Julian Schier kurzfristig für den erkrankten Christoph Sommer eingesprungen ist und Text sowie Rolle über das Wochenende einstudiert hatte.

Im Gegensatz zur Addams Family wirken die zwar bunt angezogenen Beinekes eher blass. Doch das ändert sich im Laufe des Abends. Ramona Marx und Johannes Simons spielen ihre Rollen Alice und Mal Beineke souverän und auf den Punkt. Ihr Sohn Lucas (Philipp Osterkamp) wirkt schon interessanter, will er doch entweder Schriftsteller oder Leichenbeschauer werden. Alles ist miteinander verwoben und im Fluss, Paare trennen sich, wollen sich trennen und kommen wieder zusammen. Beziehungen entwickeln sich stets weiter – der Zuschauer bangt mit.

Neben der hervorragenden schauspielerischen Leistung tragen zur gelungenen Immersion die schöne und passende Musik mit ihren Liedern bei, die dazu dienen, die Handlung oder Charaktere voranzutreiben. Es ist zwar kein Ohrwurm dabei, aber das wunderbare Zusammenspiel der beiden Paare Lucas und Wednesday sowie Alice und Mal, als sie hintereinander „Verrückter als Du“ singen und sich dabei kontinuierlich annähern und die Beziehung erneuern beziehungsweise vertiefen, bleibt in Erinnerung.

Familie Beineke (von links): Alice (Ramona Marx), Lucas (Philipp Osterkamp) und Mal (Johannes Simons). Foto: HeinzelFamilie Beineke (von links): Alice (Ramona Marx), Lucas (Philipp Osterkamp) und Mal (Johannes Simons). Foto: Heinzel

Das Schöne und immer wieder hervorstechende bei den Musicalaufführungen der LBNN ist die musikalische Untermalung durch eine live spielende Band. Das Bühnen- und Kostümbild bei der Addams Family von Cornelia Brey vermittelt zudem eine stimmige und dichte Atmosphäre. Das Stück wirkt unter anderem wie ein Plädoyer dafür, jeden zu nehmen, wie er ist, für seine Beziehungen zu kämpfen und Werte wie Wahrheit und Ehrlichkeit hochzuhalten. Irgendwie sind eben alle ein wenig verrückt. 

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