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Gedenkkonzert in Vechta: Romberg und Mozart "treffen sich auf Augenhöhe"

Anlass des Konzertes war der 200. Todestag des Vechtaer Komponisten Andreas Romberg. Das Publikum honorierte die Leistung der Musiker mit Standing Ovations.

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Neben den vier Solisten sang der Bach-Chor Gotha. Die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach begleitete die Sänger. Foto: Heinzel

Neben den vier Solisten sang der Bach-Chor Gotha. Die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach begleitete die Sänger. Foto: Heinzel

Andreas Romberg (1767 bis 1821) agierte aus der Sichtweise seiner Zeitgenossen auf Augenhöhe mit Wolfgang Amadeus Mozart. In der Europahalle des Gymnasium Antonianum trafen die beiden Komponisten nun aufeinander. Genauer gesagt ihre Stücke – „Der Erbarmer“ und das „Requiem in d-moll“. Das Gedenkkonzert für Andreas Romberg sollte bereits im letzten Jahr zu seinem 200. Todestag veranstaltet werden, doch aufgrund der Corona-Pandemie wurde es um ein Jahr verschoben.

In den einführenden Worten nahmen Schulleiterin Inge Wenzel, der stellvertretende Landrat Josef Kläne und der Vorsitzende der Romberggesellschaft Klaus G. Werner die Beurteilung des Konzerterlebnisses bereits vorweg. Sie nannten die Veranstaltung „ein außergewöhnliches Konzert und besonderen Ohrenschmaus“, einen „echten musikalischen Hochgenuss“ sowie einen „bewegenden Musikgenuss“. Die drei Redner trafen damit mitten ins Schwarze.

Die Anwesenden teilten diese Wahrnehmung und spendeten nach 1,5 Stunden nicht nur minutenlangen Applaus, sondern erhoben sich von ihren Plätzen und zeigten mit Standing Ovations ihren Respekt vor der hervorragenden Leistung der Musiker und Sänger.

Gefördert wurde das Konzert durch Stadt und Landkreis Vechta, die Andreas-Romberg-Gesellschaft, die LzO sowie die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherung.

Die Solisten (v.l.): Dorothea Zimmermann (Alt), Reinaldo Dopp (Tenor), Michael Kranebitter (Bass) und Marie-Sophie Pollak (Sopran).Die Solisten (v.l.): Dorothea Zimmermann (Alt), Reinaldo Dopp (Tenor), Michael Kranebitter (Bass) und Marie-Sophie Pollak (Sopran).

„Der Erbarmer“ wird auf Deutsch gesungen

Unter der Leitung von Jens Goldhardt sangen die Solisten Marie-Sophie Pollak (Sopran), Dorothea Zimmermann (Alt), Reinaldo Dopp (Tenor) und Michael Kranebitter (Bass) gemeinsam mit dem Bach-Chor Gotha und wurden von der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach begleitet. Sie spielten „Der Erbarmer“ von Andreas Romberg und das „Requiem d-moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Wobei ersteres wesentlich gefälliger war. Das Requiem changierte kontinuierlich in seiner Emotionalität und Intensität – für den Zuhörer eine musikalische Achterbahn.

„Der Erbarmer“ wird auf Deutsch gesungen und klingt trotz der unterschiedlichen Stimmungen, die er vermittelt, angenehm. Die Stimmen der Solisten und des Chores verstärkten durch ihre Tonalität, die bereits durch das Orchester geschaffene Atmosphäre. Es war ein Vergnügen, das stimmige und qualitativ hochwertige Gesamtpaket auf sich wirken zu lassen.

Ruhigen, hoffnungsvoll, bombastisch und düster 

Das Mozartsche Requiem ist da fordernder. Auf Latein gesungen ist es musikalisch aufwühlender konzipiert und wechselt zwischen ruhigen, hoffnungsvollen, bombastischen und auch düster bedrohlichen Passagen. Das Ganze scheint einem Höhepunkt entgegenzustreben.

Sowohl bei Romberg als auch bei Mozart trugen die Solisten durch ihre Exponiertheit Verantwortung, der sie auch gerecht wurden. Marie-Sophie Pollak mit ihrer kristallklaren und eindringlichen Stimme, Reinaldo Dopp mit seiner sanften, angenehm schmeichelnden Stimme, Michael Kranebitter mit seiner deutlichen, tiefen und nachdrücklichen Stimme sowie Dorothea Zimmermann die sich elegant mit ihrer melodischen Stimme einfügte.

Jens Goldhardt (Stehend) leitete das Gedenkkonzert für Andreas Romberg. Fotos: HeinzelJens Goldhardt (Stehend) leitete das Gedenkkonzert für Andreas Romberg. Fotos: Heinzel

Zurück ins Berlin von 1822

Das Konzert versetzte die Zuhörer nach Berlin am 17. Januar 1822. Andreas Romberg war wenige Wochen zuvor am 10. November 1821 völlig verarmt im Alter von 57 Jahren in Gotha gestorben. Der Hofkapellmeister des Herzogs von Gotha-Altenburg hinterließ seine Frau und 10 Kinder, so Klaus G. Werner vor einem Jahr als er das zusammen mit Professor Wolfgang Mechsner erarbeitete Andreas Romberg Werkverzeichnis (ARWV) der Öffentlichkeit vorstellte. Er berichtete damals und schreibt es auch im Begleitheft zum Konzert, dass, um die Folgen des Todes für die Familie abzumildern, „öffentliche Konzerte zugunsten der Hinterbliebenen“ veranstaltet wurden.

Das Benefizkonzert am 17. Januar 1822 führte der Berliner Singverein und der Leitung von Carl Friedrich Zelter durch. Mit aller Wahrscheinlichkeit war es die Uraufführung des Werkes "Der Erbarmer", so Klaus G. Werner. Romberg vertonte damit die Ode des in Quedlinburg geborenen Friedrich Gottlieb Klopstock, dessen Dichtung allerdings für heutige Ohren durchaus „gewöhnungsbedürftig“ sei. Andreas Romberg habe aber „ganz hervorragende Musik gemacht, die sich hören lassen konnte“, meint Klaus G. Werner. Die Wiederaufführung des Benefizkonzertes fand einmal in Gotha und einmal in Vechta statt. 

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