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Bach-Chor Gotha singt zum Gedenken an Vechtaer Komponist Andreas Romberg

Live genießen! Ein Konzert wie vor 200 Jahren im Vechtaer Antonanium. Das Programm entspricht dem Benefizkonzert, das einst Rombergs Witwe unterstützen sollte.

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Mit souveränem Elan bringen der Bach-Chor Gotha und die Thüringer Philharmonie Gotha-Eisenach ein Programm auf die Bühne, das der Witwe von Andreas Romberg und ihren zehn Kindern zugutekommen sollte.  Foto: Antje Naumann

Mit souveränem Elan bringen der Bach-Chor Gotha und die Thüringer Philharmonie Gotha-Eisenach ein Programm auf die Bühne, das der Witwe von Andreas Romberg und ihren zehn Kindern zugutekommen sollte.  Foto: Antje Naumann

Wer denkt nicht an „Live Aid“, die gigantische Show 1985 jenseits und diesseits des Atlantiks zugunsten Afrikas, wenn es um Benefizkonzerte geht? Wer aber glaubt, Konzerte zum Wohle anderer sind eine Erfindung unserer jüngsten Vergangenheit, ist schief gewickelt.

Beispiel gefällig? Als der gebürtige Komponist und Violinist Andreas Romberg im Jahr 1821 in Gotha starb, organisierten rasch darauf seine Musikerkollegen in mehreren deutschen Städten Benefizkonzerte, um Rombergs zehn Kinder und seine Frau zu unterstützen. Das erzählt Dr. Klaus G. Werner, der Kopf der Andreas-Romberg-Gesellschaft Vechta. Deren Anliegen ist es, das Andenken an den einst gefeierten Geigenvirtuosen und Komponisten zu bewahren und mit Konzerten das Publikum auch 2 Jahrhunderte später für sein Werk zu begeistern.

Konzert zum 200. Todestag

So wird am 12. November (Samstag) ein Chorkonzert anlässlich des 200. Todestages des berühmten Sohnes der Stadt (mit einjähriger Verspätung wegen Corona) ab 19.30 Uhr im Europasaal des Gymnasiums Antonianum erklingen. Die Ausführenden sind der Bach-Chor Gotha mit Solisten und die Thüringer Philharmonie Gotha-Eisenach unter Leitung des Kirchenmusikdirektors Jens Goldhardt. Ebenso wie in seiner Geburtsstadt ist der Künstler am Ort seines Todes nämlich noch nicht vergessen. Eine glückliche Fügung, wie Werner findet. Denn Kantor Goldhardt hatte die Idee, mit seinem Chor das wohl bemerkenswerteste Programm der Benefizkonzerte für Rombergs Hinterbliebene aufzugreifen.

Das hatte im Januar 1822 der damals sehr berühmte Berliner Singverein unter der Leitung von Carl Friedrich Zelter organisiert. Werner vermutet, dass Rombergs Vetter Bernhard Romberg die Anregung zu diesem Konzert gab und auch das Programm zusammenstellte. Bernhard Romberg, geboren in Dinklage, begnadeter Cellist und Komponist, der zu Marketingzwecken in jungen Jahren mit Andreas Romberg auch als Gebrüder Romberg durch die Konzertsäle Europas tourte, verweilte nämlich just zu diesem Zeitpunkt in Berlin.

Die Kantate „Der Erbarmer“

Auf dem Programm von 1822 stand die noch nie zuvor erklungene Kantate Andreas Rombergs „Der Erbarmer“. Wenn Werner an die Musik denkt, kann er vor dem Meister nur den Hut ziehen, „so schön ist sie“. Carl Friedrich Zelter muss es vor 200 Jahren ähnlich ergangen sein, denn er ergänzte das Programm mit dem bekannten Requiem KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart. Dass man Romberg mit Mozart kombinierte, sei für Romberg eine große Ehre, findet Musikwissenschaftler Werner. „Gleichzeitig ist es eine Ehrbezeugung für ihn, dass man ihn so hoch einschätzt“, sagt der Cloppenburger.

Dennoch haben es Rombergs musikalisch hochklassige Werke, wie eben „Der Erbarmer“ und auch „Messias“, in der Gegenwart schwer, sich Gehör zu verschaffen. Für Werner liegt das an den Texten. „Klopstocks Texte sind für unsere Ohren extrem gewöhnungsbedürftig.“ Eine schwülstige, extrem gefühlvolle Sprache – die bei Andreas Romberg zündete, einen heute aber eher kalt lässt. Pech für den Komponisten – der sich vor allem Vokalwerken verschrieben hatte.

Halten die Erinnerung an Andreas Romberg wach: (von links) Vechtas Bürgermeister Kristian Kater, Michael Schwiese (Romberg-Gesellschaft), Schulleiterin Inge Wenzel, Dr. Klaus G. Werner (Vorsitzender der Romberg-Gesellschaft), Annette Vetter (LzO), Tammo Wandscher (Kulturstiftung Öffentliche Versicherungen) und Landrat Tobias Gerdesmeyer. Foto: SteinkampLandkreis VechtaHalten die Erinnerung an Andreas Romberg wach: (von links) Vechtas Bürgermeister Kristian Kater, Michael Schwiese (Romberg-Gesellschaft), Schulleiterin Inge Wenzel, Dr. Klaus G. Werner (Vorsitzender der Romberg-Gesellschaft), Annette Vetter (LzO), Tammo Wandscher (Kulturstiftung Öffentliche Versicherungen) und Landrat Tobias Gerdesmeyer. Foto: Steinkamp/Landkreis Vechta

„Der Erbarmer“ sei allerdings musikalisch so fantastisch, dass das Ganze ein Genuss sei – besonders live. „Da gibt es nicht nur etwas zu hören, sondern auch so viel zu sehen und zu beobachten – das Orchester, die Sänger, den Dirigenten“, sagt Werner, der auch auf junge Besucher hofft. Deshalb haben sich die Andreas-Romberg-Gesellschaft und der Landkreis Vechta als Veranstalter spontan dazu entschieden, nicht nur Schülern, Studenten und Personen mit einem Schwerbehindertenausweis einen ermäßigten Eintritt zu gewähren, sondern auch Auszubildenden.

Außerdem haben auch die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) als Hauptsponsor, die Kulturstiftung Öffentliche Versicherungen und die Stadt Vechta einen Beitrag dazu geleistet, dass Andreas Rombergs Werk nicht in der Versenkung verschwindet, sondern in bester Gesellschaft mit Mozarts Requiem auf die Bühne kommt.

  • Info: Der Eintritt beträgt 20, ermäßigt 15 Euro. Karten im Vorverkauf gibt es beim Landkreis Vechta, der LzO Vechta, der Musikschule Romberg in Dinklage und dem Infopunkt der Stadt Lohne im Industriemuseum.

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